Lüsslingen-Nennigkofen

Vandalenakt im Garten der Kirschblütler: «Die Bäume werden nicht überleben»

Marco Principi hält einen durchbohrten und umgeknickten Stamm eines Obstbaums in der Hand. Er will die Pflanzungen ersetzen.

Marco Principi hält einen durchbohrten und umgeknickten Stamm eines Obstbaums in der Hand. Er will die Pflanzungen ersetzen.

In der Hostet der Kirschblütler wurden Obstbäume mit Bohrmaschinen zerstört. Wer dahinter steckt, ist nicht bekannt. Gartenbauer Marco Principi glaubt, dass die meisten Bäume ersetzt werden müssen.

Marco Principi ist erschüttert. In einer Zerstörungswut haben Unbekannte mehrere Obstbäume im Genossenschaftsgarten der Kirschblütengemeinschaft angebohrt. 16 der 80 jungen Bäume, einige tragen bereits Früchte, wurden über Kreuz mit rund 10 Millimeter dicken Bohrlöchern versehen. Zwei Hochstammbäume hat der starke Regen umgeknickt.

Gestern Nachmittag schritt Principi die Pflanzung ab und zeigte den Schaden der Polizei. Der Gartenbauer hatte die Bohrlöcher am Donnerstagabend entdeckt. «So etwas tut weh.» Er leitet die Obst- und Gemüseproduktion der Genossenschaft. Im Vordergrund stehe für ihn nicht der wirtschaftliche Schaden - die Früchte werden direkt an die Genossenschafter oder am Markt in Solothurn verkauft -, sondern der ideelle Wert. Rund zwei bis drei Stunden Arbeit stecken in jeder Pflanzung.

Die Apfel-, Birnen- und Kirschbäume sind zwar noch jung. Sie wurden vor zwei Jahren gepflanzt. «Doch die meisten werden es nicht überleben.»

Zwist um den Mühlegarten

Wer hinter dem Vandalenakt steht, ist nicht bekannt. Klar ist, dass der Konflikt rund um die Kirschblütler allmählich zu eskalieren droht. Seit Wochen schwelt der Streit zwischen der Gemeinschaft auf der einen Seite und Dorfbewohnern sowie Behörden auf der anderen Seite.

Zuletzt wurde er befeuert durch die Gruppe der Fahrenden, denen die Kirschblütler auf dem Land des Mühlegartens Gastrecht gewähren. Vor gut einer Woche haben sich dort Roma niedergelassen, obwohl der Platz den Jenischen zur Verfügung gestellt wurde. «Es spricht sich unter den Fahrenden schnell herum, wenn ein Durchgangsplatz frei wird», sagt Marco Principi. Einfach wegweisen wolle man die Leute nun nicht.

Dass Fahrende hinter der Baumzerstörung stecken, kann sich Principi nicht vorstellen. «Das sind unsere Gäste.» Auch von einem Tier, das solche Löcher in einen Baum fresse, habe er noch nie gehört. Viel eher vermutet er «Untergruppen» dahinter, die total gegen die Kirschblütler und ihr Wirken seien. Persönliche Angriffe könne er noch verkraften, so Principi, aber wenn mutwillig Bäume zerstört würden, sei das perfid.

«Hintergrund sind wohl die Auseinandersetzungen rund um das Projekt Mühlegarten», glaubt er. Das Bauprojekt mit Wohnhäusern, Laden und Werkstätten im Zentrum des Doppeldorfs ist umstritten. Die Kirschblütler fühlen sich nach der Fusion vom neuen Gemeinderat ungerecht behandelt und glauben, mit einer Planungszone wolle dieser einzig den «Mühlegarten» verhindern. Der Gemeinderat seinerseits will so die Ortsplanungsrevision vorantreiben.

Unmut im Dorf nimmt zu

Gemeindepräsident Herbert Schluep ist betroffen über den Vandalenakt. «So etwas macht man nicht. Das geht gegen die Natur, so etwas könnte ich auch nicht ertragen», sagt der Landwirt. «Solche Machenschaften sind zu verurteilen.» Er kann sich nicht vorstellen, wer dahintersteckt. Persönlich begrüsse er die Pflanzung der Kirschblütler. «Es gibt viele gute Beispiele von erfolgreichen Genossenschaftspflanzungen.» Dass der Unmut im Dorf indes zunehme, nicht zuletzt durch die Anwesenheit der Fahrenden, sei nicht von der Hand zu weisen.

Ob sich die Bäume von den Bohrungen erholen werden? Marco Principi glaubt nicht wirklich daran. Aufgeben mag er jedoch nicht. «Wir werden die Bäume ersetzen müssen.»

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