Interview
US-Botschafter ist fasziniert von Schweizer Textilunternehmen

US-Botschafter Donald S. Beyer, jr., besuchte in Langenthal die Textilunternehmen Lantal, Ruckstuhl und Création Baumann.

Urs Byland
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Donald S. Beyer, jr., zeigte sich beeindruckt von den Textilfirmen. Hanspeter Bärtschi

Donald S. Beyer, jr., zeigte sich beeindruckt von den Textilfirmen. Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Botschafter Donald S. Beyer, die Firmen, die Sie besuchten, arbeiten alle mit Textilien. Weshalb Ihr Interesse?

Donald S. Beyer, jr.: Ich lebe in Virginia. Vor dreissig Jahren hatten wir dort viele Textilunternehmen. Heute sind alle weg. Ich wollte deshalb die Textilfirmen hier in Langenthal besuchen und bin begeistert. Sie sind stark aufgestellt und, was typisch ist, in Nischen tätig. Ich bin auch beeindruckt, dass viele von Familien geführt werden.

Ihr Unternehmen in Virginia ist ja auch ein Familienunternehmen.

Ja. Trotzdem inspiriert mich dies.

Warum?

Ich führe das Unternehmen in zweiter Generation und habe eine Tochter sowie drei Neffen. Wir kämpfen dafür, dass das Unternehmen von einem Familienmitglied weitergeführt wird. Meine Tochter will, aber sie ist momentan schwanger mit dem zweiten Kind. Vielleicht später. Gut möglich, dass ich zehn weitere Jahre arbeiten muss (lacht).

Welches Unternehmen führen Sie?

Wir sind Autohändler. Wir haben neun Autovertretungen und fünf Gebäude an fünf Standorten. 320 Mitarbeiter erwirtschaften rund 180 Mio. Franken Umsatz.

Wie bilden Sie Ihre Leute aus?

Bei uns gibt es keine Ausbildung. Wir trainieren sie selber und führen sie in ihre Arbeit ein. Für unsere Mechaniker haben wir beispielsweise einen Vollzeittrainer. Für die Verkäufer auch.

Kennen Sie eine solche Lehrlingsausbildung in Amerika nicht?

Nein. Das Schweizer System ist sehr wertvoll. Wir können davon lernen. Es wäre gut, wenn wir dies kopieren würden. Ich werde in meinem Unternehmen dieses System einzuführen. Ich habe viele Freunde im Bildungsbereich. Wir müssen lernen, Krankenschwestern, Mechaniker, Bauern, Zimmerleute etc. so auszubilden.

Auf der anderen Seite schliessen hier weniger als 20 Prozent eines Jahrganges mit der Matur ab.

Wir haben das Gegenteil. Bei uns sind es zu viele. Sie haben zwar einen Abschluss, aber sie kennen die Arbeitswelt nicht. Ich denke, es braucht die Mitte.

Sie sind in Italien geboren. Sprechen Sie italienisch?

Nein. Erste Worte vielleicht schon, aber das war vor 63 Jahren. Ich bin 1950 in Triest geboren. Mein Vater tat als Soldat Dienst in Italien und meine Mutter, ebenfalls Amerikanerin, arbeitete in Triest als Lehrerin. Kennen gelernt haben sie sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Sechs Monate nach der Hochzeit reisten sie nach Italien. Die ersten beiden Jahre war ich in Italien. Meine Mutter sprach perfekt Italienisch, mein Vater kein Wort.

Liebäugeln Sie nach Ihrer Rückkehr nach Amerika Ende Mai mit einem weiteren Botschafterposten?

Nein, sicher nicht. Ich gehe zurück ins Familienunternehmen oder möglicherweise in einen anderen Job in der Obama-Administration. Warum nicht Hillary Clinton helfen, 2016 Präsidentin von den USA zu werden? Bei uns gibt es fast jedes Jahr einen Wahlkampf, wo ich helfen könnte.

Der geborene Wahlkampfhelfer.

Ja, ich liebe diese Arbeit.

Terror erschreckt die Amerikaner. Wie beeinflusst der Terror Ihre Arbeit?

Die Ereignisse im Jahr 2001 haben uns auf das Thema Terrorismus sensibilisiert. Was in den letzten Tagen in Boston geschehen ist, zeigt, dass wir weiterhin aufmerksam bleiben müssen und auch, dass Terrorismus immer neue Formen annimmt, auf die man Antworten finden muss. Ich und die restlichen Botschaftsangestellten haben die Ereignisse in Boston genau verfolgt und sind froh, dass die Täter aufgespürt wurden. Aber es gibt keinen perfekten Schutz.

Erfahren Sie von verhinderten Terrorakten?

Ja. Es waren etliche, aber aus Sicherheitsgründen erfahren wir keine Details.

Tausende Polizisten und Soldaten jagten in Boston den zweiten Terroristen. Die Stadt hatte ein Ausgehverbot und war blockiert, bis man den Täter erwischte. Stimmt hier die Verhältnismässigkeit?

Ich respektiere den Entscheid des Gouverneurs. Und es funktionierte. Der Täter wurde gefasst. Die Entscheidungsträger wollten keinen Fehler machen. Und die Bevölkerung stand dahinter.

Die Schweiz kennt bislang solche Terrorakte nicht. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Die Schweiz hat eine lange Geschichte der Neutralität. Die Schweiz hat keine Soldaten im Mittleren Osten. Und die Schweiz geniesst ein grosses Ansehen. Die al-Kaida hasst die Schweiz nicht.

Und Sie lieben die Schweiz.

Ja. Auf jeden Fall. Die Voraussetzungen waren von Anfang an gut: Ich fahre gerne Ski und ich wandere gerne. Ich komme zurück, wieder und wieder und wieder. Für nächstes Jahr haben wir bereits gebucht. Ich will einen Monat in den Bergen wandern. Morgen werde ich mit mehreren Mitarbeitern eine Bergtour machen.

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