Im Herbst 2011 gab es einen Sturmlauf, als das Baugesuch für ein Logistikzenter der Firma Kühne+Nagel auf dem Wissensteinfeld publiziert wurde. In den Einsprachen wurde die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bemängelt und die zu erwartende Anzahl Lastwagenfahrten als viel zu hoch kritisiert.

Kühne+Nagel hat in der Zwischenzeit bereits andernorts gebaut. Das neuste Zenter wird jetzt gerade in Kölliken erstellt. Dafür will ein neuer Interessent die insgesamt 80 000 Quadratmeter auf dem Wissensteinfeld übernehmen. Zwar ist es wieder eine Logistikfirma, die Voraussetzungen sind aber komplett anders, als bei Kühne+Nagel, erklärt Gemeindepräsident Kuno Tschumi.

Service und Dienstleistungszentrum

Die in Johannesburg (Südafrika) quotierte Unternehmensgruppe Steinhoff beabsichtigt in Derendingen ein Service und Dienstleistungszentrum zu erstellen. Motor des Projektes ist die Global Warehouse & Logistics GmbH (Deutschland, GWaL), die in der Schweiz expandieren möchte und hierfür in Derendingen umfangreiche Investitionen tätigen und Arbeitsplätze neu schaffen wird.

Das heisst konkret: Zu den 100 gewerblichen Arbeitsplätze werden zusätzlich 120 kaufmännische Arbeitsplätze am Standort neu geschaffen. Diese möchte Steinhoff durch die Konzentration und Weiterentwicklung bestehender Aktivitäten in der Schweiz erreichen.

Gerechnet wird zudem mit 15 bis 20 Auszubildenden. Der Kanton Solothurn sei zentral gelegen und das Wissensteinfeld sei eine der wenigen grossen zusammenhängenden Industrieflächen, die für einen Betrieb wie den geplanten, genutzt werden könne, erklärt Patrick von Kullwitz (Projektleiter Schweiz GWaL) auf Anfrage.

«Der Standort als solcher ist ein A1-Standort.» Der Vertrieb der Waren für die Schweiz wäre laut von Kullwitz auch aus dem Raum Basel-Freiburg möglich gewesen. «Aber der Konzern hat beschlossen, dass es einen Standort Schweiz geben muss.

Das ist ein deutliches Bekenntnis zur Schweiz.» Von Kullwitz lobt zudem sowohl die Gemeinde- als auch die Kantonsbehörden. «Wir haben viel Unterstützung bei der Planung erhalten.»

Projekt wurde bereits angepasst

Tatsächlich wurde das ursprüngliche Projekt bereits angepasst. In einer ersten Anfrage war nur Logistik vorgesehen, was der Kanton als nicht zonenkonform beurteilt hatte, wie Bernard Staub (Chef Amt für Raumplanung) auf Anfrage bestätigt.

Der Investor habe danach das Projekt geändert und entsprechend den Kritikpunkten angepasst. Im kantonalen Richtplan wird das Wissensteinfeld als Arbeitsplatzgebiet von überörtlicher Bedeutung ausgewiesen.

Ein Teilzonenplan aus dem Jahr 2009 regelt die Zahl der Fahrten für das Gebiet. Im Regierungsratbeschluss zur Genehmigung des Teilzonenplanes steht ausserdem «Im Vordergrund für eine künftige Nutzung des Areals stehen arbeitsplatzintensive Betriebe mit einem möglichst geringen Verkehrsaufkommen. Für Vorhaben, deren Verkehrsaufkommen zu Problemen führen könnte, ist ein Gestaltungsplan zu verlangen.»

Laut Staub liegt das Verkehrsaufkommen, das GWaL verursacht, deutlich unter den maximal definierten 1200 Fahrten. Mit der geplanten Tiefgarage, einer ansprechenden Aussenraumgestaltung, einer Solaranlage und einem Mobilitätskonzept erfülle das bisher vorliegende Projekt überdurchschnittliche Anforderungen.

«Der Kanton schätzt es in einer ersten Beurteilung als zonenkonform ein. Deshalb haben wir grünes Licht gegeben für die Erarbeitung der Nutzungsplanung.» Gefragt sei ein Gestaltungsplan mit UVB (Umweltverträglichkeitsbericht). Die definitive Beurteilung des Projekts durch den Kanton erfolge abschliessend in der Vorprüfung.

Glücklich mit der Entwicklung ist auch Theodor F. Kocher (Vorsitzender der Geschäftsleitung Espace Real Estate Holding AG, Grundeigentümerin). «Die Verantwortlichen von Global Warehouse haben nach einem Grundstück gesucht, weil sie nicht länger an ihrem momentanen Standort bleiben können und haben bei uns angeklopft.»

Kocher überzeugt das Projekt der GWaL. «Die Anzahl der Lastwagenfahrten ist deutlich kleiner als sie bei Kühne+Nagel gewesen wäre und es werden auch mehr Mitarbeiter beschäftigt. Der Betrieb soll für die Administration, den Kundendienst, die Ausbildung, Montage, Reparaturen und Auslieferung die Zentrale aller Aktivitäten in der Schweiz werden.»

Alle an einen Tisch genommen

Dass Kühne+Nagel in Derendingen überhaupt ein Baugesuch stellte, war ein Fehler, wie Gemeindepräsident Kuno Tschumi heute einräumt. «Irgendwie ging vergessen, dass ein Projekt in einer solchen Grösse eine Umweltverträglichkeitsprüfung braucht.»

Das Baugesuch wurde sistiert und erst im letzten Dezember kam wieder Bewegung in die ganze Sache. Fast gleichzeitig trat die Global Warehouse and Logistics GmbH auf den Plan und wurde gleich mit ins Boot genommen.

«Wir haben versucht, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen und so gemeinsam eine Lösung zu finden.» Auch der VCS und die Nachbargemeinden Subingen, Deitingen und Kriegstetten seien vorinformiert.

Der Mutterkonzern von GWaL sei sehr beweglich, so Tschumi. Als klar wurde, dass ein reiner Logistikbetrieb auf dem Wissensteinfeld nicht bewilligt wird, habe der Konzern kurzerhand beschlossen, den Standort Schweiz in Derendingen aufzubauen.

Das Wissensteinfeld sei als Service- und Dienstleistungszentrum zur Sicherstellung der schnellen Warenverfügbarkeit und weiterer Dienstleistungen für die Schweizer Konsumenten der Marken Conforama und Lipo vorgesehen.

Neben der logistischen Dienstleistung werde ein Schulungszentrum für alle Angestellten in der Schweiz erstellt, dazu auch die erforderliche Administration. «Geplant ist auch, das europäische Möbeldesigncenter von Steinhoff Europa in Derendingen anzusiedeln», so Tschumi.

Rund 100 Lastwagen

Die GWaL rechne mit rund 100 Lastwagenfahrten pro Tag, erklärt Roger Spichiger (Bauverwalter Derendingen). 25 Lastwagen würden täglich von Basel oder Rotterdam her mit Containern anliefern.

15 Lastwagen müssten für Conforama und 10 für Lipo gerechnet werden. «Dafür wird wohl der Privatverkehr etwas grösser. Wie viele der 220 Angestellten den öffentlichen Verkehr oder vielleicht das Fahrrad nehmen, können wir nicht voraussagen.»

Spichiger ist aber sicher, dass das zusätzliche Verkehrsaufkommen keine Probleme verursache. Und Tschumi ist überzeugt, dass «das neue Projekt Derendingen nützt und uns Arbeitsplätze bringt». Er freue sich zudem, dass eine rund 40 000 Quadratmeter grosse Solaranlage realisiert werden soll.

Gedrängter Zeitplan

Der Zeitplan für das Projekt ist sportlich. Das wissen die Investoren, aber auch die Behörden in der Gemeinde und im Kanton. «Die Zeit drängt, weil die GWaL in Niederbipp weg muss», so Tschumi.

Die Firma arbeite deshalb mit Hochdruck an den verlangten Plänen und Berichten. «Wir möchten das Projekt noch vor den Sommerferien auflegen und hoffen, dass wir allfällige Einsprachen in Gesprächen ausräumen können.»