Steht Zuchwil nach zwölf Jahren Gilbert Ambühl an der Spitze besser da?

Schaut man die Finanzlage insgesamt an, war die Ausgangslage 2001 besser als jetzt.

Warum?

Zuchwil hatte etwas Eigenkapital. Heute haben wir einen Bilanzfehlbetrag in der Höhe von 4 Mio. Franken.

Was geschah in der Zwischenzeit?

Bis 2008 ging es uns sehr gut. Wir konnten Eigenkapital äufnen. Dann kam die Weltwirtschaftskrise, zuerst mit dem Immobiliencrash in den USA und dann der Einbruch der Realwirtschaft. Das hat Zuchwil massiv auf der Einnahmenseite beeinflusst, weil wir stark abhängig sind von den Industrieunternehmen. In unseren besten Jahren hatten wir 13 Mio. Franken Steuereinnahmen von juristischen Personen. Ab 2008 waren es plötzlich 8 bis 10 Mio. Franken weniger. Innert einem Jahr verloren wir einen Fünftel Ertrag.

Das zeigt, dass der Gemeindepräsident letzten Endes nicht die entscheidende Figur für gute oder schlechte Finanzen ist.

Kommt natürlich darauf an, wen Sie fragen. Es gibt Leute, die sagen, ich hätte nicht gut geschaut, man hätte mehr sparen können.

Wie haben Sie auf diese abrupte Veränderung reagiert?

Im Moment war es natürlich ein Schock. Als Gemeindepräsident hat man die Verantwortung, letztlich auch für die Finanzen. Da wird erwartet, dass Vorschläge kommen. Wie immer steht man in solchen Situationen alleine da. Das war nicht einfach. Mein Vorschlag war es, einen Finanzausschuss einzusetzen. Dieser erstellte einen Massnahmenplan, wie jetzt beispielsweise der Kanton. Nur sind in der Gemeinde 85% der Ausgaben gebunden und können nicht eingespart werden.

Wie viel konnte Zuchwil einsparen?

Uns fehlten wie gesagt 10 Mio. Franken Einnahmen. Davon konnten wir 3 bis 4 Mio. Franken jährlich einsparen. Das reichte bei weitem nicht. Innerhalb von zwei Jahren war unser Eigenkapital aufgebraucht. Ich versuchte mehrmals, Steuererhöhungen durchzubringen. Bewilligt wurden sie nur teilweise. Ich habe es ausgerechnet: hätten wir jeweils um so viel erhöht, wie nötig gewesen wäre, hätten wir heute ein Eigenkapital.

War es eine belastende Zeit?

Ja. Andererseits hat das gesamte politische Spektrum gesehen, dass etwas gemacht werden muss. Aber es wurde nicht genügend gemacht. Man ist immer etwas hinterhergehinkt.

Zuchwils Image war zeitweise sehr schlecht. Inzwischen hat sich einiges verbessert. Was haben Sie getan?

2003 hatten wir eine Ortsplanungsrevision. Dabei wurden die Zonen so ausgestaltet, dass grosse Wohnblöcke, wie sie heute noch Zuchwil dominieren, nicht mehr möglich sind. So wurde etwa die Ausnützungsziffer gesenkt. Aber das braucht eine Generation, bis diese Massnahmen greifen. Heute beginnen wir, die Früchte zu ernten. Südlich vom Sportzentrum hat beispielsweise Espace Real Estate ein Areal gekauft, auf dem sie Wohnblöcke abreissen und neue aufstellen kann. Aber in einem viel besseren Standard. Das gibt schon eine Umlagerung der Bevölkerungsschichten.

Ihr Vorgänger Ueli Bucher kritisierte nach seinem Abgang die Strukturen. Haben sich diese nun gebessert?

Er kritisierte vor allem die Grösse des Gemeinderates mit 23 Mitgliedern. Man war nicht bereit, diese Struktur zu verschlanken.

Das beschäftigte Sie nicht?

Doch, das hat mich auch beschäftigt, aber ich habe rasch gemerkt, dass damals die Bereitschaft, politische Strukturen zu verändern, nicht vorhanden war.

Hat sich die Situation heute verändert?

Immerhin ist es vor einem Jahr gelungen, die Fachhochschule Nordwestschweiz zu beauftragen, das zu untersuchen. Die Studie kam zum Schluss: Es braucht 5 bis 7 Leute in der Exekutive, das reicht. Ich habe noch eine Task Force einsetzen dürfen, die die Strukturen überprüft und Vorschläge machen soll.

Weitere Fragen und Antworten kreieren, wie schon Bucher kritisierte?

In einer Demokratie geht es nicht anders. Man kann nichts verändern, wenn es nicht gelingt, eine Mehrheit zu überzeugen, dass etwas gemacht werden muss. Deshalb müssen auch alle einbezogen werden.

Wird der Gemeinderat nicht verkleinert und damit gestärkt, wird weiterhin die Verwaltung Zuchwil regieren.

Die Verwaltung gibt es in Zuchwil eigentlich nicht mehr. Das Wort habe ich 2004 aus dem Vokabular gestrichen. Wir haben ein Dienstleistungszentrum. Aber klar, wir haben starke Abteilungsleiter. Aufgrund ihrer Sachkenntnis haben sie grossen Einfluss auf die Politik des Gemeinderates. Andererseits hat sich ihre Stellung auch verändert. Als ich mein Amt antrat, waren sie Chefbeamte und vom Volk gewählt. Das konnte ich 2005 abschaffen. Heute wählt sie der Gemeinderat.

Trotzdem ist die Macht der Abteilungsleiter gross.

Sie wissen, wie sie mit der Politik verfahren müssen. Anders als bei einem verkleinerten Gemeinderat im Ressortsystem, fühlt sich im Zuchwiler Gemeinderat niemand wirklich verantwortlich. Etwa das Finanzielle: In einem Ressortsystem muss jeder Gemeinderat die Finanzen im Griff haben. Bei uns fühlt sich ausser dem Gemeindepräsidenten für die Finanzen niemand wirklich zuständig.

Und dennoch, Zuchwil ist manchmal wie ein Maschine, die läuft und läuft, ohne dass Funken sprühen, sprich Misstöne fallen.

Es ist gelungen, die politischen Kräfte zu bündeln. Wir haben unter den politischen Parteien immer einen respektvollen Umgang gepflegt. Konflikte müssen ausgetragen werden, aber nicht in der Öffentlichkeit, sondern intern. Nach aussen haben wir immer kompakt gewirkt.

Darf man Zuchwil heiraten?

Wir haben ein schlechtes Image. Gutbürgerliche Schweizer Familien mit Kindern zögern, nach Zuchwil zu ziehen, auch wenn sie hier ein gutes Wohnungsangebot haben. Die Schule mit dem grossen Anteil fremdsprachiger Kindern wird als schwierig angeschaut. Dabei sind laut einer externen Studie Kinder, Eltern und Lehrkräfte mit der Schule zufriedener als der kantonale Durchschnitt. Die Verkehrslage ist super. Wir haben gute Wohnlagen. Und wir sind fortschrittlich. Wir haben eine gute Lebensqualität. Man kann Zuchwil heiraten. Letztlich wird das Finanzielle entscheidend sein. Stimmen die Finanzen, kann die Fusion zustande kommen.