Am 22. Januar 2013 gab die ABB-Leitung bekannt, dass das Werk der ABB Turbo Systems AG im solothurnischen Deitingen 2014 geschlossen werden soll. Bereits einen Tag zuvor wurden die Mitarbeitenden individuell darüber informiert, dass sie die Kündigung erhalten oder nach Baden oder Klingnau im Kanton Aargau versetzt werden. Die Belegschaft wehrte sich zusammen mit der Gewerkschaft Unia dagegen. Vor dem ABB-Sitz in Deitingen führte die Unia am 1. März eine Protestaktion durch. Rund 30 Angestellte warfen der ABB vor, die Konsultationsverhandlungen zu boykottieren. Sie forderten eine Neuauflage der Konsultation und erneute Verhandlungen über einen Sozialplan.

Vorwürfe an Geschäftsleitung und Angestelltenrat

«Mit dieser rücksichtslosen Politik der fertigen Tatsachen» verletze die ABB mit Unterstützung des Angestelltenrats den geltenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) in mehrfacher Hinsicht, so die Gewerkschaft Unia in einer Mitteilung. Die Konsultationsdauer von mindestens 12 Werktagen wurde gemäss dem GAV nicht respektiert. Zudem bemühte sich der Angestelltenrat «zu keinem Zeitpunkt um die vertraglich vorgeschriebenen, hinreichenden Kontakte zur betroffenen Belegschaft», hält die Gewerkschaft fest.
Die Gewerkschaft schreibt unter anderem, dass «wiederholte Begehren der Belegschaft, das Konsultationsverfahren neu durchzuführen und mit der Unia Verhandlungen über eine Verbesserung des Sozialplans aufzunehmen, von der ABB-Leitung und vom Angestelltenrat kategorisch» verweigert wurden.

Interview mit Markus Baumann, Leiter der Unia Sektion Solothurn

Interview mit Markus Baumann, Leiter der Unia Sektion Solothurn

„Verfahren ist korrekt gelaufen"

Rund 30 Mitarbeitende der ABB forderten daher am Freitagnachmittag mit einer Protestaktion eine Neuauflage des Konsultationsverfahrens und Verhandlungen über einen besseren Sozialplan.
ABB-Geschäftsführer Urs Gribi widerspricht auf Anfrage den Vorwürfen der Unia: „Alle Sozialpartner wurden bereits eine Woche vor der Restrukturierungsankündigung informiert." Entsprechende Gespräche seien gemäss Gesamtarbeitsvertrag GAV durchgeführt worden. Das Konsultationsverfahren sei korrekt gelaufen, man habe die Konsultationsdauer von 12 Tagen sogar um ein mehrfaches verlängert. Ausserdem verhandle man nicht mit der Unia als Arbeitnehmervertreter, sondern mit dem internen Angestelltenrat.