Zugegeben, es braucht viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, was auf dem Industriegelände Attisholz Nord entstehen soll. Derzeit prägen Fabrikhallen und ein Säureturm ohne Daseinszweck die «tote Zone», aus der in den nächsten Jahrzehnten die «Perle an der Aare» erwachsen soll. In dem lebendigen Quartier dürfte die grösste Attraktivität von der Uferpromenade ausgehen, einer Begegnungszone an der Aare mit Restaurants und Kulturbetrieben.

Nur wenige Interessierte

Um die Vorstellungen der Planer klarer werden zu lassen, wurde am Samstag zu einem Rundgang auf dem Areal geladen. Einigen Organisatoren war die Enttäuschung über die nur rund 30 interessierten Einwohner anzusehen.

Felix Müller, Geschäftsführer FMKomm, relativierte hingegen: «Bei schönem Wetter wären sicher mehr gekommen.» Am geplanten Workshop, der im Anschluss an die Führung geplant war, zeigten die Besucher aber ausdrücklich kein Interesse.

Der zweistündige Rundgang führte quer über das Areal. Dabei informierten fünf Referenten über die Pläne zu Nutzung und Struktur des «dritten Dorfteils». Grundsätzlich, so Alain Kunz (Raumplaner BSB+ Partner), möchte man den Industriecharakter weiterleben lassen.

Man prüfe daher bei den meisten Gebäuden, ob sie umgenutzt werden können. So seien die Bauten an der Aare prädestiniert für eine öffentliche Nutzung, wie Pia Ringenbacher (Präsidentin Arbeitsgruppe Ortsplanung) erklärte.

Bezüglich der Villen führte Stefan Meier (Wüst & Partner) aus, dass man diese durch Mehrparteienhäuser ergänzen möchte. So entstünden kleine Wohngemeinschaften, die über die bestehenden Strassen erschlossen seien.

Die zwei Highlights

Ein Highlight des Rundgangs stellte eine riesige Halle aus den 50er Jahren dar. «Diese Dimensionen sind schweizweit einzigartig», erklärte Architekt Bertram Ernst. Seine Faszination schwappte denn auch sofort auf die Besucher über, die begannen, Ideen für eine Umnutzung auszutauschen und sich nur langsam wieder hinaus locken liessen – wo sie gleich zum zweiten Höhepunkt geführt wurden: auf das Dach des Anbaus von «Werk 1». Lange wurde hier der weite Ausblick genossen. Ein Ausblick, den man ebenfalls erhalten möchte, wie Lothar Kind, Geschäftsführer Attisholz Infra AG, bestätigte.

Später informierte Gemeindepräsidentin Jasmine Huber über den potenziellen Bevölkerungszuwachs: «Die Wohnzonen werden Platz für 300 bis 800 Einwohner bieten.» Dabei würden eine Realisierung in Etappen sowie ein moderates Wachstum angestrebt, damit die Gemeinde stets auf das Mehr an Einwohnern reagieren kann.

Um die Mobilität zu garantieren, sei eine Busverbindung von Solothurn bis zum Bahnhof Riedholz denkbar, die Süd- und Nordareal quere, so Alain Kunz. Weiter verbindet bereits jetzt eine Brücke die Areale, die für den Langsamverkehr bestehen bleiben solle. Auch ein Passagierboot im Stil des 11i-Boots sei denkbar. Und Parkierungsmöglichkeiten wurden sowohl am Rand als auch im Zentrum angedacht.