Im Jahre 1924 wurde in Lengnau die A.+A. Gilomen AG gegründet. Die Brüder Adolf und Albert legten damals den Grundstein für eine Multi-Marken-Firma, die mit ihren Produkten in verschiedenen Märkten weltweit erfolgreich war. Uhren der Marken Thuya, Midland, Delma und Gil waren in Europa und Übersee ein Begriff. Wie in vielen vergleichbare Ateliers wurden die Uhren aus Werk-Bausätzen zusammengestellt, jedoch mit Zifferblatt, Zeigern und Gehäuse für die Marke individualisiert.

Geblieben ist bis heute die Marke Delma. Sie steht für eine solide Mittelklasse-Uhr im Herren-Segment und eigenständig designte Damenuhren. «Unsere Damenmodelle sind nicht einfach verkleinerte Herrenuhren, sondern eigene Produktelinien», erklärt Fred Leibundgut, CEO und Präsident der «Delma Watch Ltd.» Der 54-jährige Bettlacher entwirft die Modelle zusammen mit einem Designer gleich selbst.

Schwerpunkt Export

Der englische Firmenname lässt durchblicken, dass Delma vor allem im Ausland stark ist. Deutschland, Spanien, Polen, Weissrussland, die arabischen Länder des Mittleren Ostens, Hongkong, China, Thailand und Japan, zählt Leibundgut als Hauptabsatzgebiet auf. In Schanghai betreibt der Importeur sogar einen eigenen Delma-Store. Natürlich sind die Uhren auch in der Schweiz erhältlich, beispielsweise direkt im Fabrikladen an der Solothurnstrasse in Lengnau. Das Preissegment der Delma-Uhren reicht von 600 bis 4500 Franken. Eingebaut werden Werke von ETA, Sellita und Ronda.

In den vergangenen 90 Jahren ist in der Uhrenindustrie viel passiert. Marken kamen und gingen. Delma Uhren wurden aber seit 1933 ununterbrochen hergestellt. 1966 hat Fred Leibendguts Schwiegervater Ulrich Wüthrich die Firma übernommen, welche fortan auch nach der Marke benannt wurde. Die Uhren waren für damalige Verhältnisse im oberen Preissegment angesiedelt.

Bekannt waren in den 1970er-Jahren insbesondere die Delma-Taucheruhren, die legendäre «Periscope» von 1969 beispielsweise. «Auf dieses Erbe haben wir uns 2011 zurückbesonnen und eine Taucheruhr lanciert, die bis 3000 Meter wasserdicht ist», erklärt Leibundgut und präsentiert stolz das 300 Gramm schwere Teil, das trotz Grösse und Gewicht recht elegant aussieht.

Chronometer zum Jubiläum

Und natürlich gibt es auch eine Jubiläumsuhr, einen klassischen Chronometer mit Zertifikat und edler Holzkiste in einer limitierten Auflage von 90 Stück. Einige sind immer noch erhältlich. Eine Jubiläumsbroschüre mit wichtigen Meilensteinen wurde anlässlich der letzten «Baselworld» herausgegeben. An der Messe nahm man allerdings nach über 40 Jahren Präsenz nicht mehr teil, sondern präsentierte die Kollektion in einem nahen Hotel. «Mit dem neuen Messebau haben sich die Bedingungen derart verschlechtert, bzw. verteuert, dass es für uns nicht mehr stimmte», begründet Leibundgut. Dass man zu gegebener Zeit an die Messe zurückkehre, will er aber nicht ausschliessen.

Auch heute hat Delma übrigens mit Delbana eine Zweitmarke. Vor etwa 10 Jahren stiess die Grenchner Marke der Familien Della Balda und Kessler dazu. Sie deckt vor allem das untere Preissegment ab. «Während wir beispielsweise bei den Delma-Uhren konsequent mit Diamant als Schmuckelement arbeiten, kommen bei den Delbana-Uhren Swarovski-Steine zum Einsatz», erklärt Leibundgut, der die Firma mit 15 Angestellten seit nunmehr 18 Jahren leitet. Ihm gehört zusammen mit seiner Frau – sie ist die Gemeindepräsidentin von Bettlach – der Hauptanteil der Firma. Als Partner beteiligt sind Daniel Kessler und Manfred Studer.

60 000 Uhren im Jahr

Als drittes Standbein montiert Delma Uhren für Handelsmarken, sogenannte Private-Label-Uhren, beispielsweise für Modefirmen, die auch eine Uhrenlinie im Sortiment führen möchten.

Insgesamt werden so rund 60 000 Uhren pro Jahr produziert. Auch wenn keine Umsatzzahlen publiziert werden: Zurzeit laufe es gut, so gut, dass man kürzlich einen zusätzlichen Uhrmacher einstellen konnte. Der Uhrenkonjunktur sei man in geringerem Mass ausgeliefert, als beispielsweise Luxusuhren-Hersteller, erklärt der CEO. Beispielsweise das Spaniengeschäft sei in den letzten drei Jahren überdurchschnittlich gut gelaufen. «Dies, weil viele Spanier Uhren mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis über den Versandhandel bezogen haben.»

Gewissen Unwägbarkeiten ist die Firma aber ausgeliefert, wenn die ETA die Lieferung von mechanischen Uhrwerken künftig einschränken darf. Ob beispielsweise Sellita dann in die Bresche springen kann, ist noch offen, insbesondere wenn die Nachfrage konstant so hoch bleibt wie heute. «Immerhin haben sie begonnen, auch eigene Uhrwerke zu entwickeln. Entscheidend ist aber die Produktionskapazität.»

Und schliesslich: Wie steht Delma zur «Swiss Made-Verordnung», welche für Uhren einen bestimmten Prozentsatz von Inland-Wertschöpfung vorschreibt? – «Für Delma-Uhren besteht für uns überhaupt kein Problem, dies einzuhalten; für die günstigere Marke Delbana wird die konkrete Ausgestaltung der Regeln entscheidend sein.»