Biberist
Ufer und Böschungen sind praktisch neophytenfrei

Am Emmeufer in Biberist werden die Neophyten konsequent bekämpft und von Hand ausgerissen. Mit Erfolg: Der Aufwand, die fremden Pflanzen los zu werden, nimmt von Jahr zu Jahr ab.

Rahel Meier
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Drüsiges Springkraut, soweit das Auge reicht. Gartenschere, Machete und Handschuhe reichen, um es auszureissen.

Drüsiges Springkraut, soweit das Auge reicht. Gartenschere, Machete und Handschuhe reichen, um es auszureissen.

zvg

Im Kanton Solothurn sind bisher rund 6000 Standorte erfasst, an denen Neophyten wachsen. Es dürften aber insgesamt 20 000 bis 30 000 Standorte sein, wie Daniel Schrag (Mitglied kantonale Arbeitsgruppe Neobiota, Amt für Umwelt) schätzt. Wenn man sich die Standorte im GIS (Geoinformationssystem) ansieht, dann fällt auf, dass es entlang der Emme in Biberist eine fast drei Kilometer lange neophytenfreie Zone gibt.

Das ist kein Zufall. Im Jahr 2012 wurde das Hochwasserschutzprojekt ausgeführt und die Emme gleichzeitig renaturiert. Seither wurden die Neophyten im Sinne einer Pilotstudie intensiv bekämpft.

Komplett neu angepflanzt

«Es macht Sinn, an diesem Ort gegen die Neophyten anzugehen», meint Schrag. Mit den Bauten für den Hochwasserschutz und der Renaturierung wurde der Boden aufgerissen und zum Teil die Erde abgetragen. Anschliessend wurde das Emmeufer mit standortgerechten Pflanzen bepflanzt. Trotzdem ging es nicht lange, bis die ersten Neophyten wuchsen. Vor allem Goldruten und Sommerflieder machen den Verantwortlichen zu schaffen. Allerdings waren es nur Einzelobjekte. «Freiwillige haben die unerwünschten Pflanzen gezielt ausgerissen.» Gewisse Arbeiten wurden zudem durch den Werkhof, den Zivilschutz und Gartenfirmen ausgeführt. Die Strategie sei, die einheimischen Pflanzen zu fördern. Deshalb werde die ausländische Konkurrenz weggenommen. «Im Wald arbeitet man seit Jahrzehnten so. Unerwünschte Bäume werden geschlagen, so können die Zielbäume gefördert und später geerntet werden.»

Im ersten Jahr nach der Renaturierung der Emme mussten 120 Stunden für die Pflege aufgewendet werden. Heuer waren es noch 70 Stunden. Nächstes Jahr wird mit einem Aufwand von 40 Stunden gerechnet. «Die Arbeit hat sich gelohnt. Entlang des Emmeufers sind bereits rund 100 einheimische Pflanzenarten zu beobachten», macht Schrag klar.

Neophyten zu bekämpfen, ist eine Sisyphusarbeit. «Je mehr Neophyten wir haben, desto schneller vermehren sie sich, denn sie sind sehr konkurrenzstark.» Dazu gibt es Neophyten-Arten, die als Zierpflanzen in den Gärten gepflanzt werden. Der Sommerflieder beispielsweise. Die Samenstände sollten abgeschnitten und im Kehricht entsorgt werden. «Aber das machen die wenigsten Hausbesitzer», so Schrag. So würden sich die Samen verbreiten und dann auch am Emmeufer, an Hecken, Ruderalflächen oder an Waldrändern wachsen.

Gerade ausserhalb des renaturierten Teiles der Emme kann man schön beobachten, wie die Neophyten wuchern. Das Ufer und die Böschungen sind praktisch neophytenfrei. Wilde Malve, Wegwarte, wilder Oregano, Katzenminze, Hopfen, Königskerzen, Thymian, Gewöhnlicher Schneeball, Liguster, Holunder, seltene Weidenröschen, Baldrian, Wilde Möhre und Gemeiner Natterkopf sind zu entdecken. Dreht man sich um und sieht sich den Waldrand an, dann findet man kaum einheimische Pflanzen. Goldrute, drüsiges Springkraut und Robinien überwuchern alles. Geht der Blick von der Bogenbrücke aus nach Westen auf Berner Kantonsgebiet, sind ebenfalls fast nur Neophyten zu sehen.

Kanton unterstützt

Das Pilotprojekt im oberen Emmeabschnitt läuft fünf Jahre lang und wird vom Kanton via Hochwasserschutzprojekt unterstützt. Danach wird die Gemeinde die Verantwortung für den Unterhalt tragen. Gerade in diesen Tagen wird das Hochwasserprojekt vom Wehr Biberist bis hin zur Aare aufgelegt. «Auch dort möchte man anschliessend versuchen, die Neophyten zu bekämpfen», erklärt Schrag.

Bachufer oder Böschungen zu mähen löse das Neophyten-Problem nicht, weiss er. Das Beste sei es, den unerwünschten Pflanzen von Hand – mit Handschuhen, Gartenschere oder Machete zu Leibe zu rücken und sie auszureissen.

Freiwillige gesucht

Ideal wären freiwillige Helfer, die sich um das Gedeihen der einheimischen Pflanzen kümmern würden und so etwas für den Erholungsraum Emme tun könnten. Profitieren würden auch Insekten, Amphibien und Vögel. Verschiedentlich konnte an der Emme in Biberist sogar ein Eisvogel beobachtet werden und Bienenfresser soll es auch haben. «Wir helfen gerne und bilden die Leute auch aus, damit sie die Pflanzen erkennen.»