Druck hat gewirkt
Überprüfung fertig: Berner Feuerwehren erfüllen Mindestanforderungen

Der Druck der Gebäudeversicherung des Kantons Bern hat gewirkt: Die bernischen Feuerwehren haben wieder genug Personal. Insbesondere im Oberaargau und Emmental.

Samuel Thomi
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Die bernischen Feuerwehren fusionierten in den letzten Jahren und machen nun, trotz anfänglicher Skepsis, gute Erfahrungen.

Die bernischen Feuerwehren fusionierten in den letzten Jahren und machen nun, trotz anfänglicher Skepsis, gute Erfahrungen.

hml

Seit Anfang Jahr benötigt jede bernische Feuerwehr ein Tanklöschfahrzeug, einen Hochleistungslüfter und Rauchverschluss sowie eine Wärmebildkamera und einen Atemschutz. Sonst kann ihr die Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) die Beiträge kürzen. «Das ist bis jetzt aber noch in keinem Fall geschehen», gibt Peter Frick vorläufig Entwarnung. Laut dem Feuerwehrinspektor der GVB erfüllen nämlich «98 Prozent der bernischen Feuerwehren die seit Anfang Jahr geltenden neuen Mindestanforderungen». So genau weiss dies Flück, weil die erste Überprüfung seit Wochenfrist abgeschlossen ist. Nun werden die Daten ausgewertet; über einzelne Feuerwehren oder Regionen könne er also erst nächstes Jahr detailliert Auskunft geben. Denn einige Feuerwehren stecken noch immer in Fusionsprozessen, das sei zu berücksichtigen.

Als eine der ältesten Fusionsfeuerwehren dieser Welle gilt Buchsi-Oenz. Bereits vor 12 Jahren schlossen sich Berken, Bettenhausen, Bollodingen, Graben, Heimenhausen, Herzogenbuchsee, Inkwil, Niederönz, Oberönz, Röthenbach und Wanzwil mit Herzogenbuchsee zu einer der grössten regionalen Miliz-Feuerwehren der Schweiz zusammen. Dabei gilt der Grundsatz: Buchsi als grösste Gemeinde verantwortet die Feuerwehr organisatorisch, die übrigen Gemeinden reden gleichberechtigt im Verbandsrat und -parlament mit. «Mit der Fusion machten wir nur gute Erfahrungen», sagt Dennis Borgeaud. Laut Mediensprecher war es mit der Unterschrift unter den Vertrag allerdings nicht erledigt: «Erst nach zwei, drei Jahren spielten sich die Abläufe im Alltag wirklich ein.» Heute seien vor allem die grösseren Ressourcen im 130-köpfigen Korps ein Vorteil. Als Miliz-Feuerwehr leide zwar auch Buchsi-Oenz unter dem Wandel zur Pendler-Gesellschaft: «Unsere Freiwilligen aus den ländlichen Mitgliedsgemeinden sind dabei Gold wert.» Um immer genug Mannen und Frauen auf Pikett zu haben, wurde letztes Jahr nämlich ein Tagespikett eingerichtet: «Das hat sich bestens bewährt», so Borgeaud.

«Fusion verlief problemlos»

Nach ebendiesem Sitzgemeindemodell schlossen sich Anfang Jahr auch Huttwil und sechs Nachbargemeinden zur Feuerwehr Region Huttwil zusammen. Während das Blumenstädtchen seither Trägerin der Organisation ist, haben auch Auswil, Gondiswil, Huttwil, Rohrbach, Rohrbachgraben und Wyssachen je eine Stimme in der Feuerwehrkommission. «Die Fusion verlief auch bei uns problemlos, alle sind zufrieden», sagt Kommissionspräsident Adrian Wüthrich. Und das, obwohl die Mannschaft halbiert wurde. «Weil dennoch in jeder Gemeinde nach wie vor ein Löschzug steht, ist die Feuerwehr weiter in den Dörfern präsent», so der für Sicherheit zuständige Huttwiler Gemeinderat.

Mehr Einsätze, mehr Routine und damit mehr Effizienz: Das hatte sich die Gebäudeversicherung des Kantons Bern mit den erhöhten Mindestanforderungen an die bernischen Feuerwehren vorgenommen. «Allen zwischenzeitlichen Wirren zum Trotz haben wir das Ziel sicher erreicht», zieht Peter Frick, Leiter Feuerwehren im Kanton Bern, eine erste positive Zwischenbilanz. «Dabei sind der Oberaargau und das untere Emmental ziemlich weit fortgeschritten.»

Die letzten weissen Flecken in der fusionierten Oberaargauer Feuerwehrlandschaft sind Eriswil, Dürrenroth, Oberbipp, Roggwil, Thunstetten-Bützberg und Wynau. «Bis jetzt haben auch wir keine Rekrutierungsprobleme», heisst es auch bei Thomas Beer von der Feuerwehr Oberbipp. Als Beispiel erwähnt der Kommandant den Orientierungsabend letzte Woche: «Da kamen zahlreiche Interessierte, obwohl wir schon über dem Soll liegen.» Laut den neuesten Anforderungen der GVB benötigt Beer mindestens 30 Mann. Aktuell zählt Oberbipps Korps 55 Mitglieder. «Auch bei der Infrastruktur stehen wir gut da», ergänzt Beer. «Wir haben stetig investiert, damit nicht auf einmal grosse Brocken anstehen.» Bei grösseren Ereignissen arbeite man auch gut mit Nachbarfeuerwehren zusammen. Was an der Grenze zu Solothurn immer wieder Thema sei: die unterschiedlichen Bedingungen. Zum Beispiel der EO-Ersatz bei Feuerwehreinsätzen, wie sie der Nachbarkanton kennt (Text unten).

Rekrutierung immer wieder Thema

Ebenfalls eine besondere Rolle im Oberaargau hat die Feuerwehr Langenthal. Sie ist zwar im Miliz-System organisiert, hat als einer der vier bernischen Sonderstützpunkte dennoch ein unweigerlich grösseres Betätigungsfeld: «Wir haben zwar keinen Engpass, dennoch ist die Rekrutierung bei uns immer wieder ein Thema», sagt Kommandant Christoph Braun. Die besten Erfahrungen mache man mit Mundpropaganda. Am idealsten seien Interessenten, die bereits eine Ausbildung sowie das Militär abgeschlossen haben. «Und ganz wichtig: Der Arbeitgeber muss hinter dem Engagement in der Feuerwehr stehen», denn die Langenthaler rücken durchschnittlich mehr als jeden zweiten Tag aus. Die Einsätze dürften zunehmen, denn seit Mitte dieses Jahres arbeiten die Feuerwehren im Oberaargau noch enger zusammen. Mit einzelnen Grossgeräten fährt Langenthal inzwischen bis ins angrenzende Emmental.

Zum Oberen Emmental, wo sich vor zehn Tagen in der «Rundschau» von Fernsehen SRF mehrere Vertreter lokaler Feuerwehren kritisch zu weiteren Fusionsprojekten äusserten, sagt der bernische Feuerwehrinspektor Peter Frick: «Ob Kader oder Soldaten: Wo immer Feuerwehren im Emmental oder sonst wo im Kanton Bern in den letzten Jahren zusammengeschlossen wurden, habe ich nur eine Rückmeldung: Es gibt keine Personalprobleme mehr und man findet wieder genug junge Leute.»

«Punktuelle Engpässe» in Solothurn

Der Kanton Bern erhöhte in den letzten Jahren die Mindestanforderungen für seine Feuerwehren und professionalisierte so deren Strukturen. Anders Solothurn: Hier fand der Strukturwandel bereits vor der Jahrtausendwende statt mit einer neuen Einteilung und der Regionalisierung der Wehren. Konkret lässt sich dies am Korps illustrieren: Zählten die Solothurner Feuerwehren vor 15 Jahren insgesamt 4501 Angehörige, sind heute noch 3928 Männer und Frauen stets für den Notfall bereit. Allerdings sind das immer noch knapp 200 mehr als von der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV) als Mindest-Bestand vorgegeben. «Die Bestandsreduktion ist zudem eine Folge der Effizienzsteigerung der Einsatzkräfte», erklärt Alain Rossier. Wobei dem SGV-Direktor wichtig ist zu betonen, dass es «kein grundsätzliches Bestandsproblem» mehr gibt. Auch nicht in einzelnen Regionen.
Und der Direktor der Solothurni-
schen Gebäudeversicherung hat noch eine zweite Zahl auf Lager, welche die eingeschlagene Strategie untermauert: Über die letzten Jahrzehnte betrachtet, gingen die Schadensummen in Bezug zum Versicherungskapital kontinuierlich zurück. «Dies ist sicherlich auf die vernünftigen Brandschutzmassnahmen zurückzuführen», argumentiert Alain Rossier. Ebenso wichtig sei jedoch «der rasche und effiziente Ersteinsatz der Feuerwehr». Und da setze Solothurn mit starken Ortsfeuerwehren auf Nähe und Ortskenntnis.
Allerdings zeige sich, dass es in grösseren Agglomerationen «eher schwieriger ist, geeignete junge Leute für den Feuerwehrdienst zu gewinnen», so Alain Rossier. Zudem bestünden «punktuelle Engpässe bei den Unteroffizieren» oder denkbar seien auch längerfristige Engpässe bei den Offizieren. Doch diese Fragen müssten nun in den einzelnen Korps gelöst werden; eine besonders wichtige Rolle spiele dabei die Person des Kommandanten. Entsprechend sei die Kaderplanung inzwischen auch ein fester Bestandteil in der Aus- und Weiterbildung. Wie vor zwei, drei Jahren von einem Nachwuchsmangel zu sprechen, sei heute verfehlt. Dazu beigetragen habe sicher auch die Anhebung des Dienstalters in der einen oder anderen Gemeinde. Anders als im Kanton Bern mit 50 oder sogar 52 Jahren ist in solothurnischen Gemeinden nämlich meist schon fast zehn Jahre früher Schluss. (sat)