Selzach
Turnhallen-Standort: Reine Zwängerei oder doch Bequemlichkeit?

Der Standort für die neue Turnhalle in Selzach gerät in die Kritik – die Kinder hätten zu wenig Platz, heisst es. Der Gemeindepräsident dementiert. Einwohner haben nun sogar eine Petition für einen neuen Standort eingereicht.

Urs Byland
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Hans und Helene Bösch sowie Josef Stauss (Mitte) fordern einen anderen Standort für den Turnhallenneubau. Das Land müsste aber erst umgezont werden.

Hans und Helene Bösch sowie Josef Stauss (Mitte) fordern einen anderen Standort für den Turnhallenneubau. Das Land müsste aber erst umgezont werden.

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Zum geplanten Standort der neuen Turnhalle in Selzach regt sich Widerstand. Im Frühling genehmigte der Souverän die Sanierung und einen Rahmenkredit in der Höhe von 6,3 Millionen Franken für den Bau einer neuen Turnhalle.

«Wir wurden damals mit dieser ausserordentlichen Gemeindeversammlung überrascht», sagen Hans und Helene Bösch, die in der Verlängerung der Friedhofstrasse am Mannwilweg 10 wohnen. Die Friedhofstrasse soll mit dem Neubau ein Fahrverbot erhalten. «Die Eltern von Schulkindern wurden anvisiert, an die Gemeindeversammlung zu kommen. Ihnen wurde nur eine Möglichkeit vorgelegt», sagt Hans Bösch. «Und die Anderen sind im Nachhinein erwacht», ergänzt Helene Bösch. Keine der drei Ortsparteien habe zum Geschäft eine Versammlung abgehalten und seitens der Gemeinde sei nie eine Orientierungsversammlung organisiert worden, wie sie vorher angekündigt worden sei.

Fehler in der Vergangenheit

Als in den 70er-Jahren das Schulhaus 3 gebaut wurde, das aktuell einer Sanierung unterzogen wird, wurde ein Neubau auf der grünen Wiese gefordert, weil der Platz im Zentrum eigentlich zu eng war. «Damals haben sich einmal die Lehrkräfte und alle Schulkinder auf den Pausenplatz gestellt und gesagt, dass kaum genug Platz da sei», weiss Helene Bösch. Trotzdem wurde das Schulhaus 3 neben das Schulhaus 2 gebaut. In den folgenden Jahren hat es der Souverän verpasst, Land, das an die Schulzone angrenzt, als Reserve zu kaufen. (uby)

Ensemble werde gestört

Hans Bösch, früher Baupräsident und Gemeinderat von Selzach, sowie Helene Bösch, vormals Präsidentin der Kreisschule, fühlen sich moralisch verpflichtet, gegen den geplanten Standort der neuen Turnhalle Opposition zu ergreifen. «Die Situation bei den Schulen ist heute schon eng. Nun will man die neue Turnhalle auf einen Teil des Pausenplatzes und auf die Friedhofstrasse bauen. Für die Kinder bleibt kaum noch Platz», sagen die Böschs. «Und», ergänzt Helene Bösch, «das Ensemble Schulhaus 2 und Turnhalle, diese prächtige Bauten zusammen mit dem Pausenplatz, wird empfindlich gestört.» Der 2004 gestaltete Pausenplatz werde kaputt gemacht.

Hans Bösch appelliert zudem an das ästhetische Gewissen. «Dem Dorfbild wurde bis anhin die gebührende Beachtung geschenkt.» Präsentiere sich doch heute das Dorfzentrum mit Kirche, Pfarreizentrum, Pfarrhaus und Schulhaus 1 an der Dorfstrasse und dem Schulhaus 2 mit der alten Turnhalle aus dem Jahr 1924 als Schmuckstück. «Dies alles soll einer Zwängerei geopfert werden.»

Sie sind nicht alleine mit ihrer Meinung. So hat beispielsweise Einwohner Heinz Rüfenacht einen neuen Standort aufs Tapet gebracht. Diese Eingabe wurde von der Gemeinde als Petition entgegengenommen. Namentlich bekannt sind der Redaktion weitere Personen, die den geplanten Standort ablehnen.

Selzachs Gemeindepräsident Viktor Stüdeli versucht, die Einwände von Hans und Helene Bösch zu entkräften. «Sie wollen einzig, dass die Friedhofstrasse nicht für den Verkehr gesperrt wird. Dies würde sie direkt betreffen, das steckt reine Bequemlichkeit dahinter», sagt der Gemeindepräsident. Und den Einwand, die Schulkinder verlieren von ihrem kleinen Pausenplatz weiteren Grund, lässt er nicht gelten. «Im Gegenteil wird der Pausenplatz grösser, weil die verkehrsfreie Friedhofstrasse miteinbezogen werden kann.» Helene und Hans Bösch wehren sich: «Klar gibt es Leute, die sich gegen die Schliessung der Friedhofstrasse stellen, aber wir nicht. Die Strasse kann geschlossen werden, man muss aber die Situation im Quartier berücksichtigen.»

Das letzte Wort hat der Souverän

Der neue Standortvorschlag von Heinz Rüfenacht umfasst ein Gebiet, rund 150 Meter südlich des geplanten Standortes. Unterhalb der Raiffeisenbank hat Landwirt Urs Brotschi Land, das er gemäss Böschs verkaufen würde. Der Gemeindepräsident ist zusammen mit dem Gemeinderat bereits zu einem Entscheid gekommen. So sei eine mündliche Vorabklärung beim Amt für Raumplanung erfolgt. Das Landwirtschaftsland müsse umgezont werden, was aber nur mit einer generellen Revision der Ortsplanung möglich sei. «Umgezont werden kann nur eine Bautiefe von 30 Metern. Kommt hinzu, dass die Gemeinde Selzach zu viel Land in der öffentlichen Zone für Bauten und Anlagen besitzt.» Also lehnt der Gemeinderat die Petition ab.

Zumal, laut Stüdeli, mit einem Mehraufwand von 2 Millionen Franken zu rechnen sei für den Kauf des Landes sowie die zu gestaltende Umgebung. Er sei überzeugt, dass der Neubau am geplanten Standort realisiert wird. «Das letzte Wort hat aber die Gemeindeversammlung, der das Detailprojekt noch vorgelegt werden muss. Das ist Demokratie.»
Hans und Helene Bösch sowie weitere Gegner des geplanten Turnhallen-Standortes wollen nicht so lange warten und lassen sich beraten, wie vorzugehen sei. Für Helene Bösch ist aber klar: «Einen demokratischen Entscheid würden wir akzeptieren.»

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