Nach drei Wochen Überfahrt von Brasilien nach Hamburg und dem Transport an die Schweizer Grenze passierte die Fracht immerhin noch den Zoll. Doch als die baselländische Polizei die Papiere des Lastzuges in Birsfelden erneut kontrollierte, wurde dieser gestoppt. Grund: Auf der Ladefläche lag neben der Turbine zusätzlich eine Kiste vertäut, darin ein zur Anlage gehörendes Schnellschlussventil. Was auf den Strassen der EU anstandslos rollen durfte, wurde an der Kantonsgrenze beider Basel aufgrund der Verkehrsgesetzgebung zum Bremsklotz. Das Zubehör durfte nicht zusammen mit der Fracht transportiert werden. «Die Schweizer Bürokratie hat zugeschlagen», kommentierte Markus Juchli.

Der Ärger des Kebag-Direktors war verständlich, schliesslich stand vor der Halle ein 130-Tonnen-Kran bereit, um die Turbine auf das Podest in 8,5 Metern Höhe zu hieven - sorgsam platziert, damit das Ungetüm nicht in den Hauptsammelkanal der Kläranlage einbrach. Verzögerungen sind im engen Zeitkorsett der Kranfirma nicht vorgesehen, bereits heute Samstag ist dieser auf einer anderen Baustelle im Einsatz.

Aus Brasilien angeliefert

Doch warum wurde die Turbine, die vier Meter hoch ist und durch Dampf angetrieben 5000 Umdrehungen pro Minute leistet, überhaupt in Brasilien produziert? «Früher wurden solche Turbinen von ABB oder Siemens hergestellt», sagt Juchli. «Heute sind Aufträge für Anlagen dieser Grösse für diese Unternehmen nicht mehr interessant». Als einzige Firma in dieser Kategorie offerierte der deutsche Turbinenhersteller TGM Kanis, der die Anlagen in einem Werk in Brasilien herstellen lässt. Die lange Transportzeit und die Kosten fielen dabei kaum negativ ins Gewicht, so Juchli; im Gegensatz zur Flugzeugfracht, die ebenfalls evaluiert worden sei. 1,5 Millionen Franken hätte allein der Transport mit einer Antonow verschlungen.

Transport rollte schliesslich doch

Übrigens: Der gestoppte Transport geriet gestern Nachmittag dank einer Ausnahmebewilligung schliesslich doch noch in Fahrt. Nach langen Verhandlungen konnte auch der Pneukran vor Ort bleiben und die Turbine im Verlauf des Abends in die Halle hieven, wo sie auf dem zwei Meter dicken Betonfundament millimetergenau platziert wurde. «Das ist ein Meilenstein auf unserem Weg zur nachhaltigen Energienutzung», sagt der Kebag-Direktor. Ziel ist es, die entstehende Energie aus der Kehrichtverbrennung, an Spitzentagen sind es 1200 Tonnen Abfall täglich, zu 100 Prozent zu nutzen. Läuft alles glatt, wird am Emmespitz ab November kontinuierlich Strom produziert.