Gerlafingen
«Tüftelwerkstatt» macht Jugendlichen mechanische Berufe schmackhaft

Mit dem Workshop in den Hallen der Swissmechanic in Gerlafingen sollen Jugendliche einen Einblick in mechanische Berufe erhalten und für diese begeistert werden. Damit soll dem Mangel an Lehrlingen in der Branche entgegengewirkt werden.

Philipp Eng
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Es wird konzentriert gearbeitet im Workshop der Tüftelwerkstatt in Gerlafingen.

Es wird konzentriert gearbeitet im Workshop der Tüftelwerkstatt in Gerlafingen.

Philipp Eng

Es wird gefeilt, geschliffen und gesägt am Workshop der «Tüftelwerkstatt» in den Hallen der Swissmechanic in Gerlafingen. Doch für einmal stehen nicht Lernende oder Mitarbeiter hinter der Werkbank, sondern Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und zwölf Jahren.

Drei Tage sind die 16 Kinder an der Arbeit und fertigen eine eigene Kugelbahn an. Die zwei Mädchen und 14 Knaben werden dabei von erfahreneren Polymechanikern und anderen Lernenden aus technischen und handwerklichen Berufen unterstützt.

Die Jungen lernen keinen Handwerksberuf mehr.

«Wir zielen darauf ab, die Kinder näher an diese Jobs heran zu bringen», sagt Swissmechanic - Geschäftsführer und Tüftelwerkstatt - Projektleiter Hannes Scheuber. Sobald die Pubertät beginne, sei die Grundorientierung bezüglich der groben Berufsrichtung bereits beinahe abgeschlossen.

Dieses Jahr blieben mehr als 3000 Ausbildungsplätze in seiner Branche vakant. «Aus diesem Grund wollen wir den Jugendlichen von zehn bis zwölf dieses Handwerk schmackhaft machen, da sie in diesem Alter noch technisch interessiert sind und gerne basteln», meint Scheuber.

Zudem biete sich in diesen Workshops die Möglichkeit, den Grossen über die Schulter zu blicken und mit ihnen in Kontakt zu kommen. «Aufgrund des Mangels an männlichen Lehrern, welche den Werkunterricht fördern und des Verschwindens der lokalen Handwerksbetriebe in den Dörfern schwindet auch das Interesse der Kinder, einen solchen Beruf zu erlernen», begründet Scheuber.

Man arbeitet mit alltagsgebräuchlichen Materialien und Werkzeugen, um den Kindern zu zeigen, wie einfach sie ihr Bauwerk zu Hause ausbauen können. Zu Beginn gab es einen Einführungskurs, um die Kinder mit den Werkzeugen, Arbeitsschritten und der fundamentalen Arbeitssicherheit vertraut zu machen.

Dann ging es an die Arbeit: Einige Arbeitsschritte seien dabei vorgegeben. Für den grössten Teil der Herstellung jeder individuellen Kugelbahn jedoch wird eine grosse Eigeninitiative vorausgesetzt und die eigene Kreativität verlangt.

Ein Wegweiser in die Zukunft?

In erster Linie wurde in Primarschulen der Bezirke Lebern, Solothurn, Wasseramt und Bucheggberg angefragt. Die Teilnehmerzahl sei mit 16 Künstlern jedoch bereits ausgeschöpft und man habe eine grosse Warteliste.

Auch künftig soll die Zahl Teilnehmender nicht vergrössert werden, informiert Scheuber klar. Über einen zweiten Workshop im Herbst beispielsweise könne man nachdenken, da die Nachfrage erfreulich gross sei. Am Standort Gerlafingen ist ein solcher Workshop eine Premiere.

Somit könne man noch nicht sagen, ob sich ein solcher Workshop positiv auf das Interesse der Jugendlichen auf handwerkliche Berufe auswirke. Durch das grosse Interesse und den positiven Bilanz anderer Swissmechanic - Standorte wird aber bereits jetzt eine Ausweitung des Angebots in Betracht gezogen.

Finanziell betrachtet sei das ganze ein Verlustgeschäft. Für Swissmechanic springe kein Profit raus. Ihr Interesse liegt ausschliesslich in der Werbung für die Berufe und die eigenen Ausbildungsplätze. Für die teilnehmenden Kinder ergibt sich kein finanzieller Aufwand.

Am Ende des Workshops werden die Eltern eingeladen und die besten Werke der Kinder mit Gutscheinen prämiert, wie beispielsweise einem Eintritt ins Technorama in Winterthur.