Kleinlützel

Trotz Übernahme durch schwedische Firma: «Es gibt keine Pläne, den Standort Kleinlützel zu schliessen»

Hat gut lachen: Dominique Osstyn, CEO der Assa Abloy (Schweiz) AG, in den Firmenräumlichkeiten in Kleinlützel.

Hat gut lachen: Dominique Osstyn, CEO der Assa Abloy (Schweiz) AG, in den Firmenräumlichkeiten in Kleinlützel.

Als Teil des schwedischen Milliardenkonzern Assa Abloy gehts für die Schlossfabrik MSL aufwärts.

Von Laufen herkommend windet sich die Strasse entlang dem Flüsschen Lützel mehrere Kilometer durch das enge Tal. Kurz bevor die Gemeinde Kleinlützel in der vom restlichen Solothurner Kantonsgebiet abgetrennten Exklave erreicht ist, taucht unvermittelt ein respektables Fabrikareal mit mehreren älteren und neuen Gebäuden auf. Hier, in Schrittnähe zur französischen Grenze, wurde 1892 die Mechanische Schlosserei Kleinlützel, kurz MSL, gegründet.

Nach 125 Jahren werden in der «Schlossi» nach wie vor Schlösser und Beschläge hergestellt. Verändert hat sich dagegen das Marktumfeld, denn die Globalisierung hat auch die geografisch abgelegene Solothurner Exklave erreicht; äusserlich sichtbar am neuen Firmenlogo «Assa Abloy» anstelle von «MSL». 2015 hat der schwedische Milliardenkonzern Assa Abloy – die weltweite Nummer eins im Bereich Zutrittskontrolle, Identifizierungstechnologie und Eingangsautomatisierung – das ehemalige Familienunternehmen MSL vollständig übernommen.

Das Kerngeschäft verstärken

Wird nun die Produktion verlagert? Werden Arbeitsplätze abgebaut? Oder droht gar die Schliessung des Standortes? Solche Fragen tauchen jeweils reflexartig auf, wenn sich ein globaler Konzern in der Schweiz auf Einkaufstour begibt. Dominique Osstyn, CEO der Assa Abloy (Schweiz) AG mit Hauptsitz im zürcherischen Richterswil, winkt ab. «Diese Sorge besteht in Kleinlützel nicht.» Im Gegenteil. Inzwischen sei der Solothurner Betrieb vollständig in den Konzern integriert. Ziel sei es, das Kerngeschäft, sprich die Herstellung von Schlössern und Beschlägen, am Standort Kleinlützel weiter zu stärken.

Das Produkteportfolio stimme und ergänze die Palette des neuen Mutterkonzerns. Osstyn: «Wir betreiben keinen Kannibalismus auf der Produkteseite.» MSL profitiere von den unweit grösseren Vertriebskanälen des Weltkonzerns und könne zudem auch Produkte für die Firmen innerhalb der Gruppe fertigen. Zuvor habe MSL nur rund 15 Prozent ihrer Produkte exportiert. Dieser Anteil werde künftig deutlich wachsen, blickt Osstyn nach vorne. In der Schweiz verfüge MSL über eine starke Marktstellung.

«Es gibt deshalb keine Pläne, die Produktion zu verlagern oder den Standort zu schliessen», versichert der 52-jährige Manager. Damit wäre ein gravierender Verlust von bestehendem Know-how verbunden. Einzig die Stanzerei habe man aus Kostengründen an einen externen spezialisierten Betrieb ausgelagert. Davon seien vier Beschäftigte betroffen gewesen, zwei im Pensionsalter und zwei Temporärangestellte. Innerhalb des Konzerns werde die MSL als Marke weiterhin gepflegt und der Standort zum Kompetenzzentrum Schlosstechnik für die Region DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) aufgebaut. Auch werde das konzernweite Testzentrum für den Bereich Schliesstechnik von den Niederlanden nach Kleinlützel verlagert. Das seien zwar nur wenige Arbeitsplätze, aber es stärke die Bedeutung von MSL innerhalb von Assa Abloy.

Deshalb investieren die Schweden in Kleinlützel. «Nach hohen Investitionen in den Vorjahren werden wir im kommenden Jahr weitere vier Millionen Franken in die Modernisierung und Automatisierung stecken, um die Produktivität zu steigern und um den Herausforderungen der Digitalisierung Rechnung tragen zu können», erklärt Osstyn auf dem Betriebsrundgang. Als Beispiel zeigt er einen Roboter, der vollautomatisch Stahlteile bearbeitet. Ziel sei es, die Produktion bei gleichbleibendem Personalbestand zu erhöhen. So habe sich die Zahl der Mitarbeitenden seit der Übernahme mit deren 106 nicht verändert.

Im laufenden Geschäftsjahr werde MSL einen Umsatz von rund 21 Millionen Franken erwirtschaften, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Auch für das kommende Jahr sei eine Steigerung um 3,8 Prozent budgetiert. «Wir sind gut unterwegs», hält Osstyn fest.

«Neue Welt» für Mitarbeitende

Allerdings sei die Einbindung des Familienunternehmens in den globalen, börsenkotierten Konzern für die Mitarbeitenden mit grossen Veränderungen verbunden gewesen, gesteht Osstyn ein. Das Unternehmen werde heute weniger «vom Bauch» heraus gesteuert, sondern stärker durch exakte Planung und Zahlen.

«Wir legen die Ziele monatlich fest und nicht mehr jährlich», erläutert er. Das neue Führungsmodell habe zu Beginn verständlicherweise Skepsis ausgelöst, doch inzwischen ziehe die Belegschaft mit, ist Osstyn überzeugt. Der gebürtige Belgier arbeitet seit insgesamt seit 22 Jahren für Assa Abloy, seit drei Jahren ist er CEO von Assa Abloy (Schweiz) AG. Zuvor war er in derselben Funktion bei Assa Abloy Belgien tätig.

Der Eintritt des schwedischen Konzerns in die Schweiz erfolgte 2002 mit der Übernahme des Schloss- und Zylinderherstellers Keso in Richterswil. Auch dort werde laufend investiert. Im kommenden Jahr sollen es dort, so Osstyn, rund fünf Millionen Franken sein. Und apropos Akquisitionen. Assa Abloy verfolge die Strategie, nicht nur intern zu wachsen, sondern auch via Übernahmen von Firmen, die strategisch zum Konzern passten.

So haben die Schweden in den vergangenen Jahren weltweit über 160, meist inhabergeführte Firmen aufgekauft. «Nur in ganz wenigen Fällen kam es dabei zu Personalabbau oder Standortschliessungen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1