Nicht gerade die besten Wetterbedingungen begleiteten die Premiere der Strauss-Operette «Die Fledermaus». Trotz Regenschauer und empfindlicher Kälte verwandelten alle Mitwirkenden die Freilichtbühne in einen lustvoll sprühenden Spielort.

Grandioses Vergnügen

Wohl kaum jemand im überdachten Zuschauerraum der Bühne Burgäschi bedauerte, bei dieser «Fledermaus»-Erstaufführung dabei gewesen zu sein. Was im Vorfeld vielleicht als Akt der Regenwetter-Solidarität mit der mutigen Bühne Burgäschi empfunden wurde, entwickelte sich zum grandiosen Vergnügen. Mit ihrem grossen Ensemble aus Solisten, Chor- und Orchestermitgliedern, Tänzerinnen und den vielen technischen Verantwortlichen, die zum Gelingen des umfangreichen Bühnenwerks beitrugen, bot diese Operette wunderbare Unterhaltung. Denn unbeeindruckt von der Wetterunbill agierten alle Mitspielenden in Bestform und ernteten immer wieder Szenenbeifall und erst recht stürmischen Abschlussapplaus, der die strahlende, höchst motivierte Truppe am liebsten auf der Bühne festgehalten hätte.

1,5 Tonnen schwerer Blickfang

Nach der vorgängigen Premierenfeier im Beisein bisheriger und neu gewählter Regierungsratsangehöriger, Bundesparlamentariern sowie Stadt- und Gemeindepräsidenten in Aeschlimanns landwirtschaftlichen Burghof-«Festsaal» hatte das Publikum nach Ansprachen von Bühnen-Vereinspräsident Heinz Lehmann, dem Gesamtleiter Hermann Gehrig und durch Jürg Grossenbacher namens der Bühnenbauer frühzeitig die Plätze eingenommen. Denn das in drei Ebenen angeordnete Bühnenbild (Meinrad Engesser) auf einer Fläche von 30 x 18 m mit dem Blickfang eines 10 m hohen und 1.5 t wiegenden Zifferblatts wollte aufmerksam betrachtet sein.

Industrielle Kreativ-Landschaft

Gerade diese Uhr, die im Spiel das Zeitmass für den Verlauf der Operette vorgibt, passt ja wirklich gut in die hiesige industrielle Kreativ-Landschaft. Sinnvoll daneben eingefügt der überdachte Raum fürs Orchester, das unter der Leitung von Reimar Walthert mit federleichtem Klang bei Ouvertüre, Begleitungen und Zwischenspielen gefiel. Wie es gelang, alle solistischen Einsätze der Vokalisten in Arien, Duetten und Terzetten so synchron mit den Instrumentalisten zu gestalten, mag an ein kleines Wunder grenzen. Die Hauptrollen hatte Melanie Gehrig, die neben ihrer Aufgabe als stimmschöne Rosalinde für Inszenierung und Dramaturgie verantwortlich zeichnet, passend besetzt.

Lockerheit und Witz

Viel Beifall heimsten ein: das kapriziöse und mit schillerndem Farbenreichtum ihrer Stimme brillierende Stubenmädchen Adele (Anna Vichery), die mit begeisternder Könnerschaft und Bühnenpräsenz beteiligten Daniel Camille Bentz als Gabriel von Eisenstein und Roger Bucher als Dr. Falke. Stimmlich und mimisch bestens ausgestattet für die Handlung, die mit heiter-verrückten Einfällen nicht geizte, waren Peter Bader als verwöhnter Russenprinz Orlofsky, Tobias König als stürmischer Gesangslehrer Alfred, Ronnie Grossenbacher als nüchterner Jurist Dr. Blind, Hermann Gehrig als Gefängnisdirektor Frank und Ilaria Bianchi als Ida.

Lockerheit verbreiteten die beiden Sprechrollen. Urs Mühlethaler liess als Gefängniswärter Frosch - mal derb mal fein - politischen Witz mit Zeitbezug einfliessen, und Andreas Hubert als Diener Ivan verdiente sich mit seinen knorrig-improvisierten Pointen schon die ersten Lacherfolge. Hübsch anzusehen war das figurenreiche Ballett-Rankwerk von Lea Fuhrer und Letizia Jakob.

Wer die 1874 uraufgeführte «Fledermaus» von Richard Strauss-Sohn gemäss Libretto von Richard Genée kennt, das sich bis zur Auflösung der Intrige von Falke gegenüber dem leichtlebigen Eisenstein langfädig hinzieht, war dank Regie-Kniff und Texteingriff von Melanie Gehrig in dieser ideenreichen Inszenierung von Anfang an im Bilde über die amüsante Privatrache.

www.burgaeschi.ch