Biberist/Gerlafingen
Trotz Störfall im Stahlwerk ist der «Goodwill bei Anwohnern spürbar»

Im Juli kam es zu einer gewaltigen, explosionsartigen Verpuffung auf dem Gelände der Stahl Gerlafingen. Die Anwohner wurden jetzt direkt vor Ort durch die Verantwortlichen der Stahl Gerlafingen orientiert.

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Solche Schlackensteine flogen bis in angrenzende Wohnquartiere.

Solche Schlackensteine flogen bis in angrenzende Wohnquartiere.

Stefan Lanz/TeleM1

«Der Goodwill seitens der Bevölkerung gegenüber dem Stahlwerk Gerlafingen ist auch nach dem Störfall spürbar gewesen», fasst Martin Blaser, Gemeindepräsident von Biberist, die Orientierung der direkten Anwohner am vergangenen Dienstag durch die Verantwortlichen der Stahl Gerlafingen AG zusammen.

Thema war die gewaltige, explosionsartige Verpuffung in der Schlackengrube auf dem Werkareal des Stahlwerkes am 12. Juli. Dabei flogen in Biberist und Gerlafingen Gesteinsbrocken durch die Luft. Nur durch viel Glück wurden keine Personen verletzt. «Ein Schlackenstück von rund 90 Kilogramm flog dabei etwa 100 Meter weit auf den Damm auf der linken Flussseite», heisst es in einer Mitteilung zur Sitzung des Gemeinderates Biberist vom 18. August.

Solche Schlackensteine flogen am durch die Luft
10 Bilder
Sie landeten überall: Im Wald...
Einer der Schlackensteine
... und auch auf Autos.
Diese Dach wurde ebenfalls getroffen
Hier ging eine Scheibe zu Bruch
Ein Schlackenstein blieb in einem Schutzgitter hängen
Stefan Bühler wurde nicht direkt durch einen Stein verletzt. Bei Aufräumarbeiten löste sich eine Fensterscheibe und begrub seinen Arm unter sich.

Solche Schlackensteine flogen am durch die Luft

Hansjörg Sahli

Rund 25 Anwohner vor Ort

Es habe eine gute, konstruktive Stimmung geherrscht, sagt Blaser weiter. Der Goodwill hänge aber davon ab, dass das Stahlwerk nun griffige Massnahmen umsetzt, um ein solches Unglück künftig zu verhindern. An der Orientierung direkt vor Ort nahmen rund 25 Anwohnerinnen und Anwohner sowie Vertreter der Gemeinde Biberist, des Kantons Solothurn und des Stahlwerkes teil, wie Linda Krenn, Leiterin Personal und Kommunikation bei der Stahl Gerlafingen AG, erklärt. Eingeladen wurden 70 Haushalte.

Seitens der Gemeinde habe er nochmals Forderungen deponiert, berichtet Blaser. Der Vorfall sei «nicht akzeptabel». Das Stahlwerk müsse nun «rasch und glaubwürdig darlegen, dass sich eine Schlackenverpuffung in der erfolgten Intensität nicht mehr wiederholen kann».

«Konsequent umgesetzt»

Daniel Aebli, Leiter des Stahlwerkes, habe den Anwesenden nochmals die Gründe für die Verpuffung (eindringendes Flusswasser in die Schlackengrube) dargelegt und versichert, dass «die bereits kommunizierten Sofortmassnahmen konsequent umgesetzt werden», ergänzt Linda Krenn. So werde der Pegelstand der Emme genauestens überwacht und der Wasserstand in der Schlackengrube ständig überprüft. Zudem würden die Schlackenkübel vor der Kippung in die Grube mindestens 14 Stunden abgekühlt und die Grösse des Schutznetzes werde überprüft. Für entsprechende Massnahmen müsse Stahl Gerlafingen ein Baugesuch einreichen.

Das bestätigt Blaser. Eine Schutznetzerweiterung und bauliche Massnahmen in der Schlackengrube benötigten eine Baubewilligung. Dafür sei die Gemeinde Biberist zuständig. Bereits in einer Vorbesprechung aller Beteiligten sei man übereingekommen, das Verfahren gemeinsam rasch an die Hand zu nehmen. Die nächste Sitzung ist im Gemeindehaus Biberist auf den 15. September terminiert. Die Werksleitung habe versichert, dass eine Verpuffung in dieser Intensität künftig ausgeschlossen sei. Damit dieses Versprechen auch hält, hätten die anwesenden Anwohner klar gemacht, eine Interessengruppe zu gründen, berichtet Blaser weiter. «Sie will in den Massnahmenprozess miteinbezogen werden.» (FS)