Balsthal
Trotz Konkurs fährt der Velohersteller «Mondia» weiter

Über die Mondia Fahrrad AG mit Sitz in Balsthal wurde Konkurs eröffnet. Doch die Velomarke verschwindet dennoch nicht von der Bildfläche Die Produktion im aargauischen Strengelbach bleibt.

franz schaible
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An die grossen «Mondia»-Zeiten erinnern in Balsthal nur noch Liegenschaften. Archiv

An die grossen «Mondia»-Zeiten erinnern in Balsthal nur noch Liegenschaften. Archiv

Urs Lindt

Im aktuellen Amtsblatt des Kantons Solothurn macht eine Meldung hellhörig: Über die Mondia Fahrrad AG in Balsthal wurde Mitte Dezember der Konkurs eröffnet. Verschwindet damit also die landesweit bekannte Velomarke definitiv von der Bildfläche? «Nein», sagt Geschäftsführer Urs Hauri, der 1999 zusammen mit weiteren Investoren mit einem Management Buyout die Mondia Fahrrad AG übernommen hatte und damit die weitere Herstellung von Velos sicherte. «Die bereits 2001 von Balsthal ins aargauische Strengelbach verlegte Veloproduktion läuft ohne Unterbruch weiter», erklärt Hauri; und zwar unter dem Namen Mondia Vertriebs AG, die auch von Hauri geführt wird. Mit zehn Beschäftigten werden jährlich rund 4000 Velos der Marke Mondia hergestellt, wie Hauri erläutert. Die Fahrräder würden in Strengelbach montiert, gespritzt, individuell auf Kundenwunsch spezifiziert und über den Fachhandel abgesetzt.

Grund: «Liquiditätsengpass»

Die Mondia Vertriebs AG habe im vergangenen November alle Aktivitäten der Mondia Fahrrad AG übernommen, die Markenrechte an Mondia seien schon seit Jahren bei der Vertriebs AG, erläutert Urs Hauri. Er ist Mitte November 2011 aus dem Verwaltungsrat der Mondia Fahrrad AG ausgetreten, an welcher er minderheitlich beteiligt ist. Aktionärin ist auch die Mondia Vertriebs AG. An dieser ist Hauri ebenfalls Miteigentümer.

Nach Angaben des Konkursamtes des Kantons Solothurn in Oensingen wurde der Konkurs über die Mondia Fahrrad AG wegen «eines Liquiditätsengpasses» eröffnet, wie Daniela Roth vom Kantonalen Konkursamt in Oensingen erklärt. Sie bestätigt, dass die Velo-Produktion über die Vertriebs AG in Strengelbach weiterlaufe. «Die Mondia Vertriebs AG wird von der Mondia Fahrrad AG die entsprechenden Aktivitäten übernehmen.»

Über die Höhe der Forderungen gegenüber der Fahrrad AG konnte Roth noch keine Angaben machen. Es handle sich um eine vorläufige Konkurseröffnung, und der Schuldenruf sei noch nicht erfolgt. Ob nach dem Verkauf der Aktivitäten an die Mondia Vertriebs AG die Konkursmasse genügt, um die offenen Gläubigerforderungen zu decken, sei offen, ergänzt Hauri: «Das wird sich in den nächsten Monaten weisen.»

Eine der grössten Velofabriken

Einst gehörte die Jeker-Haefeli+Cie. AG mit ihren Marken Mondia, Allegro und Condor zu den ganz grossen Fahrradherstellern der Schweiz. Gegen Ende der 90er-Jahre geriet Jeker, Haefeli wegen grosser Verluste im Immobiliengeschäft in arge Schieflage, die Veloproduktion wurde in die neue Mondia Fahrrad AG ausgegliedert. Nach dem erwähnten Management-Buyout werden die Mondia-Velos nun in Strengelbach hergestellt.

Extrem harter Markt

Wie die gesamte hiesige Velobranche litt auch die frühere Mondia unter den steigenden Veloimporten. «Mitte der 90er-Jahre lag der Importanteil bei 40 Prozent, heute stammen 80 bis 85 Prozent aller rund 350000 verkauften Velos aus dem Ausland», sagt Roland Fuchs von der Schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen. Heute gibt es nur noch wenige Produzenten, in der Region sind es Aarios in Gretzenbach und BMC in Grenchen.

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