Manche Dinge scheinen so abwegig, dass sie selbst dem tollkühnsten Drehbuchautor nicht zuzutrauen sind. Etwa das: Eine Travestie-Show in einem Möbelgeschäft, abgerundet mit einem Vier-Gänge-Menü und einer Übernachtung in der hauseigenen Betten-Ausstellung. Ja, das gibt es. «Wohl einmalig», sagt Christian Loose.

Er ist der Kopf der «Never come back Airline». Ab dem 17. Januar ist die Travestie-Truppe wieder in der Zuchwiler Filiale von Möbel Märki zu sehen.

Wenn Loose und seine vier Partner auf der Bühne zwischen Kommoden und Sofas stehen, ziehen sie sich bis zu 35 Mal um. Manchmal bleiben nur 25 Sekunden, um in neue, pompöse Kleider zu schlüpfen und sich in Wesen des anderen Geschlechts zu verwandeln. Christian Loose ist dann Yvette Tuschuur, adrett geschminkt und mit glatt rasierten Beinen.

Dessert oder Darbietung?

Hauptberuflich arbeitet Loose, der in Recherswil lebt, als Aussendienstler in der Werbetechnik. Zur Travestiekunst kam der 47-Jährige eher zufällig: «Bei einer Geburtstagsfeier vor 17 Jahren sollte jeder Gast ein Dessert mitbringen oder eine Darbietung vorführen.» Loose und ein paar Freunde entschieden sich für Letzteres und warfen sich in Frauenkleider. Die «Never come back Airline» war geboren. Bald begab sich die Crew im Solothurner Muttiturm (Kulturm) in luftige Höhen, vor vier Jahren hat sie im Möbelhaus ein neues Drehkreuz gefunden.

Von den Gründern ist nur noch Loose dabei. Die «Never come back Airline», heute als GmbH organisiert, ist längst zu einer Institution geworden. 38 Helferinnen und Helfer sorgen für eine perfekte Show. Ein eingespieltes Team, sagt Loose stolz: «Jeder weiss, wann er welchen Reisverschluss schliessen muss.»

Eine Rolle, ein Leben

Die Kunst der Travestie hat für Christian Loose ihren besonderen Reiz: Sich für paar Stunden eine Maske überziehen und körperliche Grenzen überwinden. Unter die Gürtellinie würde seine Crew jedoch nie gehen, versichert er. Nach der Show legen die Travestie-Künstler ihre weiblichen Identitäten wieder ab. «Niemand von uns verspürt den Wunsch, eine Frau zu sein», schmunzelt Loose. Die beiden Existenzen werden strikte getrennt: eine Rolle, ein Leben.

Aber wie ist die «Never come back Airline» nun im Möbel Märki «gelandet»? «Ganz einfach», meint Loose. «Ich habe mich gefragt: Was braucht es in der neuen Location?» Die Antwort: Stühle und Tische. Und so habe sich die Zusammenarbeit, die Loose als «absolute Win-win-Situation» bezeichnet, eben ergeben. Das Möbelhaus erreicht potenzielle Kunden und die Travestie-Künstler profitieren von einem, so Loose, «schönen und warmen Ambiente».

«Super Premium Class»

Looses Händchen für Ausgefallenes spiegelt sich auch in den Show-Arrangements. Das Angebot reicht von der «Economy Class», in der nur der Besuch der Show inbegriffen ist, bis zur «Super Premium Class». In dieser sind auch das Festmenü, ein Cüpli und die Übernachtung im Möbelhaus dabei.

Die Vorstellungen der «Never come back Airline» sind frech, gerne schlüpfrig und immer überraschend. Was in diesem Jahr auf dem Programm steht, will Loose denn auch nicht verraten. «Das bleibt vorerst geheim.» Wie lange will er sein Leben noch mit Yvette Tuschuur teilen? «Ich denke nicht ans Aufhören», antwortet er ohne Zögern.

Vorverkauf (nur noch wenige Plätze) Telefon 076 450 02 00 oder online: www.nevercomebackairline.ch