Gerlafingen
Totalsanierung: 48 Wohnungsmieter haben eine Kündigung erhalten

Drei Wohnblocks an der Geisfeldstrasse und der Kriegstettenstrasse in Gerlafingen sollen komplett saniert werden. Die 48 Mietparteien welche in den betroffenen Blocks wohnen haben allesamt eine Kündigung erhalten.

Ury Byland
Drucken
Teilen
Zwei der drei Wohnhäuser mit total 48 Wohnungen, die alle saniert werden.
5 Bilder
Gerlafingen: 48 Parteien müssen wegen Totalsanierung des Hauses ausziehen
Das Gebäude wird totalsaniert
Vor dem Haus türmt sich der Abfall
Sie müssen auch eine neue Bleibe finden: Zinnet und Kemal Kaja, hier mit ihrem Enkel. «In Gerlafingen findet man im Moment gar nichts», sagt Kemal Kaja,

Zwei der drei Wohnhäuser mit total 48 Wohnungen, die alle saniert werden.

Urs Byland

Sie verwandeln in die Jahre gekommene Wohnanlagen in «attraktive Immobilienanlagen». Die Rede ist von Narva Properties AG, Sarnen. Die Firma hat allen Mietparteien in den Wohnblocks an der Geiselfeldstrasse 11 bis 17 und an der Kriegstettenstrasse 44 und 46 in Gerlafingen gekündigt.

«Wir haben einfach das kantonale Formular für Kündigungen erhalten, ohne jeglichen Begleitbrief», berichtet eine junge Mutter erbost. Betroffen sind im sogenannten Klein Istanbul von Gerlafingen deren 48 Mietparteien, zumeist Menschen aus der Türkei und Italien.

Sanierungsbedarf

Dass die Liegenschaften in die Jahre gekommen sind, ist unbestritten. «Ich habe dies beim Mieterschutz nachgefragt», sagt die junge Mutter, die erst gerade vor wenigen Monaten ihre Wohnung bezogen hatte.

«Da kann man nichts machen.» Die Alleinerziehende wollte diese Wohnung, weil ihr Vater in der Nähe wohnt. «Ich kann nicht glauben, dass die Totalsanierung, als ich den Vertrag unterschrieb, nicht schon bekannt gewesen sein soll», ärgert sie sich.

Aber unterschrieben hatte sie noch bei der vorherigen Vermieterin Marti & Marti Immobilien aus Derendingen. «Dann wechselte die Besitzerin und wir erhielten die Kündigung von Narva Properties AG.» Schon etliche Male wechselte in den letzten Jahren die Besitzerin der Liegenschaften, weiss ein anderer Mieter.

Günstig seien die Wohnungen, berichtet die junge Mutter weiter. Sie zahle 900 Franken für ihre 3-Zimmer-Wohnung. Der Nachbar 800 Franken inklusive für eine 4-Zimmer-Wohnung. Sie wisse von jemandem, der nur 600 Franken zahlen müsse.

Ein Italiener, der seit 1986 in einem der Blöcke wohnt, bestätigt die Zahlen. «Wir zahlen 900 Franken.» Es sei eine Katastrophe, berichtet der Mann, der erst vor kurzem in Pension ging. Von seinem Balkon aus kann er auf seinen Garten in der nahen Gartensiedlung schauen. Bald 30 Jahre wohne er hier.

Konkurrenz um günstige Wohnungen

«Jetzt ist alles vorbei. Ich muss mit meiner Frau eine neue Wohnung suchen. Vielleicht in Zuchwil.» Problematisch sei vor allem, dass er mit vielen Nachbarn um günstige Wohnungen konkurrieren müsse. Er habe auf der Gemeinde interveniert. «Aber das interessiert niemanden.»

Ein konkretes Angebot für die sanierte Wohnung haben die Gekündigten nicht erhalten. Etliche telefonierten aber, wie Erika Fisch berichtet. Sie vertritt im Namen der Zürcher Firma Badertscher Rechtsanwälte AG die Narva Properties AG.

«Natürlich können sie wieder in die Wohnung zurück, wenn diese saniert ist.» Die Krux ist aber, dass die Totalsanierung zirka ein Jahr dauert, während dem eine Zwischenlösung gesucht werden müsste.

«Eine Etappierung der Sanierung kostet die Besitzer zu viel.» Und natürlich werden die Wohnungen teurer. Fisch sagt um einen Drittel bis zur Hälfte. «Wir streben einen zeitgemässen Standard sowie ortsübliche Mietpreise an. Etwas anderes ist gar nicht möglich.

Mieterstreckung

Die Immobilienfirmen müssen sich den Gegenden, in denen sie tätig sind, anpassen», relativiert Erika Fisch die Werbung auf der Internetseite der Narva Properties AG: «Für Anleger und Investoren, die Wert auf stabile und zukunftssichere Renditen legen.»

Sicher würden bei einem Objekt in Zürich die Mieten anschliessend an die Sanierung teurer als bei einem in Gerlafingen: «Aber da ist der Ausbaustandard oft auch höher.»
«Etliche Mieter sind bereits am Umziehen», berichtet die junge Mutter, die noch in Klein Istanbul lebt.

Sie will aus naheliegenden Gründen eine Mieterstreckung. Für viele ältere Menschen, die schon Jahrzehnte in der Siedlung leben, werde der kommende Umzug eine harte Prüfung.

Aktuelle Nachrichten