Der Lohnbuchhalter Samuel Klein (Roger Schmid) zergeht in Selbstmitleid. Wieder einmal erhält die erhoffte Beförderung zum Chefbuchhalter ein anderer. Zudem stresst ihn sein Sauberkeitsfimmel. In der sterilen, blitzblanken Wohnstube bekommt jedes Bild den Staubwedel zu spüren, um nachher mit der Wasserwaage wieder ausgerichtet zu werden.

Samuels Kleidung – weisses Hemd mit schwarzer Fliege und umgebundener Küchenschürze – passt zu seiner Penibilität. Er bügelt sogar die Rechnungen, damit sie beim Einordnen nicht abfärben. Der Lieblingsspruch «Trautes Heim, Glück allein» kommt beim spiessigen Junggesellen plötzlich arg ins Wanken.

Die Chaotische Freundin Katrin

Unverhofft klingelt vorerst seine Schwester Rita (Tanya Germann). Sie teilt ihm entschlossen mit, dass ihre chaotische Freundin Katrin (Joanna Lye) bei ihm einziehen wird, weil deren Wohnung einen Wasserschaden hat. Samuels Vermieterin Maria (Gaby Lehmann) kündet zudem diverse Handwerker an.

Mit Samuels Ruhe ist es schliesslich endgültig vorbei, als der arbeitsscheue Elektriker Peter Krumm (Markus Schmid) und sein schwatzhafter Kollege Willi Schief (Peter Reinhart) die Sanierung in Angriff nehmen. Ihre Lebensweisheit: «Wo gehobelt wird, gibt es auch Späne», bewahrheitet sich nur zu gut, denn bald herrscht in der Wohnung ein Chaos der Superlative.

Die beiden Sanitärinstallateurinnen Susi Schraube (Claudia Gubser), die ihre Finger nicht von den Männern lassen kann, und die emanzipierte Marlies Schreck (Nadja Glarner), sind den Männern ein Dorn im Auge. «Flüssiger als flüssig, nämlich überflüssig», wie sie sagen.

Poetischer Postbote

Stirnrunzeln ruft der auf einem andern Stern lebende Postbote (Adrian Zbinden) hervor, der zu jedem Brief auch gleich seine Poesie mitliefert. Helfen kann selbst Samuels Freund Karl (Patrik Lehmann) nicht – introvertiert und stets am Pullover zupfend. Er steckt erbarmungslos in einer Midlife-Crisis.

Regisseur Heinrich Würgler, der heuer zum zehnten Mal Regie führt, ist nach der Hauptprobe mit seiner Crew zufrieden. Offensichtlich haben es seine obligaten Lockerungsübungen mit Tennisbällen, Klatscher, Stampfer und Dreher vor den Proben in sich. Die Akteure überzeugen in ihrer Körpersprache und Natürlichkeit.

Fürs Bühnenbild zeichnet auch in diesem Jahr Kurt Hess verantwortlich. Er zaubert aus seinem Kulissengrundstock in unzähligen Arbeitsstunden immer wieder das passende Bühnenbild hervor.

Aufführungen in der Mehrzweckhalle Feldbrunnen: Heute Freitag und morgen Samstag, 20 Uhr. Türöffnung und warme Küche ab 18.30 Uhr.