Die Franziskanerinnen wohnen in Mariastein zwar am Paradiesweg. Doch die Schwierigkeiten, mit denen die Gemeinschaft konfrontiert ist, sind nur allzu irdisch. Die Ära der Ordensgemeinschaft im Kurhaus Kreuz geht ihrem Ende entgegen. Alle neun Schwestern der Erlenbader Franziskanerinnen (so benannt nach ihrem Mutterhaus in Deutschland) sind im Pensionsalter, mehrere von ihnen sind pflegebedürftig. Bis zum letzten Jahr zählte die Gemeinschaft noch elf Mitglieder; zwei sind inzwischen verstorben.

Die grössten Herausforderungen neben Gesundheitsfragen sind die Lebenshaltungskosten. Die Gemeinschaft muss für ihre Heimat an der französischen Grenze tief in die Tasche greifen. Pro Zimmer zahlt die Ordensgemeinschaft eine Miete von 1240 Franken monatlich – ohne Pflege und Essen. Insgesamt schlagen die zwölf Zimmer – sie entsprechen dem Hotelstandard, der im Kurhaus Kreuz allgemein gilt – monatlich mit 14'880 Franken zu Buche. Zum Vergleich: Eine Mietwohnung von Viereinhalbzimmern kostet in der Gemeinde Metzerlen-Mariastein rund 2000 Franken monatlich, also knapp 500 Franken pro Zimmer.

Wie lässt sich da eine Raummiete von 1240 Franken rechtfertigen, selbst wenn jedes Schlafzimmer über ein eigenes Bad verfügt? Denn die Vermieterin ist nicht irgendwer, sondern die Beneficentia AG (lateinisch für «Wohltätigkeit»). Sie gehört dem Männerkloster Mariastein. Bis vor vier Jahren besassen die Franziskanerinnen und die Benediktiner das Kurhaus Kreuz gemeinsam. Dann verkauften die Frauen ihre Hälfte an die Männer. Seit 2013 gilt der Mietvertrag zwischen den Franziskanerinnen und der Beneficentia AG, der Betreibergesellschaft des Kurhauses.

Mit der Fläche argumentiert

Sind die Mieten zu hoch? Vonseiten der Vermieterin, der Beneficentia AG, gibt der Abt der Benediktiner und Verwaltungsratspräsident, Peter von Sury, Auskunft. Gesamthaft betrage die Monatsmiete der Franziskanerinnen 15 550 Franken, da neben den Wohnschlafzimmern (zehn Einzel- und zwei Doppelzimmer mit Balkon und Nasszelle) noch weitere Räume genutzt werden, zum Beispiel ein Essraum samt Küche und eine Doppelgarage. «Das Mietobjekt umfasst das ganze 1. Obergeschoss im Neubau.» Zwei freie Zimmer dienen auswärtigen Ordensfrauen als Ferienlogis, wie Schwester Monika Blum erklärt. Sie leitet die Niederlassung der Franziskanerinnen in Mariastein.

Was die Höhe der Monatsmiete angeht, so argumentiert der Abt mit der Fläche: 700 Quadratmeter stünden den Franziskanerinnen zur Verfügung. Daraus resultiert ein Betrag von gut 22 Franken pro Quadratmeter. Das bewege sich im ortsüblichen Rahmen von 18 bis 25 Franken pro Quadratmeter. Dabei, so schreibt der Abt, habe man bei der Aushandlung der Mietkonditionen gar nicht auf den ortsüblichen Zins geachtet. Die Verpflegung der Schwestern sowie deren Gäste, als zusätzliche Vereinbarung, richte sich nach dem geltenden AHV-Satz: 21.50 Franken pro Person und Tag.

Wie bezahlen die Frauen solche Beträge; nun, da der Orden keine Schwestern im erwerbstätigen Alter mehr hat in Mariastein? Und schliesslich der Blick in die Zukunft: Wie lange werden die Franziskanerinnen die Niederlassung im Kurhaus Kreuz noch halten können?
Im Mutterhaus in Erlenbad wird die Anfrage ungnädig aufgenommen. Die Provinzoberin, Schwester Rita Eble, stellt sich auf den Standpunkt, dass diese Fragen die Öffentlichkeit nichts angehen. «Das einzige, was Sie schreiben dürfen, ist, dass wir den Schwestern im Kurhaus Kreuz in Mariastein einen guten Lebensabend ermöglichen, in Ruhe und ohne finanzielle Sorgen.» Ausserdem: «Es ist nicht geplant, die Schwestern da wegzuholen.»

Was die Pflege angeht, so geschehe diese innerhalb der Gemeinschaft. Unterstützung erhalten die betagten Franziskanerinnen für diese Aufgabe von jungen Schwestern aus der indischen Provinz des Ordens, die im Pensionsbetrieb des Kurhauses arbeiten.

In der Höhe der Wohnkosten sieht die Oberin keinen Grund zur Aufregung: «Wenn ich die Kosten mit denen hier im Mutterhaus vergleiche, dann fallen sie nicht aus dem Rahmen.» Was die Bezahlung angeht, gibt sie schliesslich doch Auskunft: «Während unseres gesamten Berufslebens haben wir finanziell für unseren Lebensabend vorgesorgt. Das gilt hier im Mutterhaus genauso wie in Mariastein. Diese Vorsorgegelder werden zur Deckung aller laufenden Kosten verwendet.» Das heisst, dass die Schwestern, die ihr Berufsleben in Mariastein verbracht haben (die meisten im Gesundheits- oder Bildungsbereich), den Löwenanteil ihrer AHV und Pensionskassengelder für die Miete aufwenden.
Zur Zukunft der Niederlassung im Kurhaus Kreuz legt Schwester Rita sich nicht fest: «Angesichts des Alters der Schwestern – manche sind über 90 – kann unsere Präsenz in Mariastein zeitlich nicht definiert werden. Das kann morgen aufhören, in zwei Jahren, vielleicht in fünf Jahren, das lässt sich einfach nicht vorhersagen.»

Gleich «morgen» wird die Geschichte der Erlenbader Franziskanerinnen in Mariastein noch nicht enden. Denn die Kündigungsfrist des Mietvertrags beträgt sechs Monate. Und Anfang November befand sich der Mietvertrag in ungekündigtem Zustand, wie von der Vermieterin bestätigt wird.