Mümliswil
Testphase abgeschlossen: In Mümliswil ist es nachts nicht mehr stockfinster

Der Mümliswiler Gemeinderat hat die Testphase der Nachtabschaltung abgeschlossen. Diese ergab ein eindeutiges Resultat. Ab heute brennen die Lichter wieder nachts.

Alois Winiger
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Künftig wird Bruder Klaus auf seinem Brunnen mitten im Dorf nicht mehr im Dunkeln verschwinden.

Künftig wird Bruder Klaus auf seinem Brunnen mitten im Dorf nicht mehr im Dunkeln verschwinden.

Alois Winiger

Nur noch in der vergangenen Nacht ist es in der Zeit zwischen ein und fünf Uhr finster geblieben in den Strassen von Mümliswil und Ramiswil. Die Testphase für die Nachtabschaltung, gestartet am vergangenen 1. April, ist zu Ende und wird nicht fortgeführt.

Der Gemeinderat reagiert damit auf das Resultat der Umfrage in der Bevölkerung und hat in seiner Sitzung vom letzten Donnerstagabend veranlasst, dass ab sofort wieder die ganze Nacht hindurch das Licht leuchtet in Strassen und auf Plätzen. Aktuell wohnen 2500 Personen in der Gemeinde.

Ohne Licht: Herbetswil bleibt dabei, Etziken vielleicht

Nachts zwischen ein und fünf Uhr die Strassenbeleuchtung ausschalten, um Strom zu sparen, liegt im Trend. Im Kanton Solothurn übernahm Obergerlafingen eine Pionierrolle und schaltete im Dezember 2010 die Strassenlampen zur genannten Zeit ab. Die Erfahrungen waren positiv, daher blieb man dabei und spart seither rund 5200 Franken jährlich. In Etziken zog man nach einem Testmonat Bilanz, erhielt zwar von den Gegnern teilweise beleidigende Argumente geliefert. Doch aufgrund der mehrheitlich positiven Reaktionen war sich der Gemeinderat sicher, dass die Bevölkerung ohne Licht auskommen kann, und wollte die Abschaltung ab letzten August definitiv einführen. An der Gemeindeversammlung kam es allerdings anders. Die negativen Stimmen überwogen und es wurde verlangt, dass an der Gemeindeversammlung im Dezember darüber abgestimmt wird. In Herbetswil hat die Gemeinde seit April dieses Jahres veranlasst, die Strassenbeleuchtung abzuschalten. Ausgenommen ist die Strecke ab Thalstrasse bis zum Dorfkern und der Bereich beim Bancomaten. «Mit schätzungsweise 3000 Franken jährlich ist der Spareffekt gewiss nicht riesig», räumt Gemeindepräsident Stefan Müller ein. «Aber es ist den Versuch wert, und ein Zeichen des guten Willens ist es ganz sicher.» Die positiven und negativen Bemerkungen hielten sich in etwa die Waage, sagt Müller. «Naturgemäss melden sich eher jene Leute zum Thema, die Bedenken haben. Dazu gehören zum Beispiel Eltern, deren Kinder im Teenageralter sind. Natürlich haben wir dafür Verständnis.» Man werde aber die Lampen auf Zusehen hin abgeschaltet lassen. «Allenfalls machen wir eine Umfrage, so wie es Mümliswil gemacht hat.» (wak)

Nein-Anteil fast doppelt so gross

«Soll die Abschaltung der öffentlichen Beleuchtung von 01.00 bis 05.00 Uhr definitiv eingeführt werden?», stand auf dem Umfragebogen. 462 Antworten sind eingegangen, 298 lauteten auf Nein, 164 auf Ja. Da der Bogen via Internet heruntergeladen werden konnte, ist nicht feststellbar, aus wie vielen der rund 1100 Haushalten Talons eingereicht worden sind. «Wir sind aber mit dem Rücklauf zufrieden», betont Gemeindepräsident Kurt Bloch. Interessant ist – neben der Angabe von Argumenten – wie viele Personen ihren Namen bekannt gegeben haben: 132 signierten ihre Ja-Stimme, 141 ihre Nein-Stimme.

Das Argument «Die Gefahr ist zu hoch» erhielt weitaus am meisten Gewicht. Ins gleiche Kapitel passen «Sicherheit für Frauen sowie ältere Personen». «Es gibt halt Leute, die grundsätzlich Angst haben, wenns dunkel ist, oder auch schon bereits, wenn sie wissen, dass es dunkel ist», kommentiert Bloch. Da steche das Argument wenig, dass diese Leute wohl kaum zwischen morgens um eins und fünf Uhr unterwegs sind.

Wochenende und Tiere im Garten

Ein grosses Thema ist das Wochenende, und zwar auf beiden Seiten, dies vorab mit Blick auf die Jugend. Auf den Nein-Zetteln wurde betont, es sei dann «zu gefährlich» und die Dunkelheit sei der «Sicherheit für die Jugend» nicht förderlich. Und auf jenen Zetteln, mit denen fürs Abschalten votiert wurde, hiess es, man solle das Licht wenigstens an Wochenenden und während Dorffesten brennen lassen. Das sei bei Bedarf auch geschehen, wie etwa beim Stübelifäscht, wie Kurt Bloch ausführt.

Das Licht als Schutzmassnahme, jedoch nicht wegen Dieben, sondern wegen Wildtieren im Garten wurde erstaunlich oft angeführt.

Was bringts kostenmässig?

Gefragt wurde ebenfalls auf beiden Seiten, ob sich das Abschalten überhaupt lohne. Einige wenige Personen glauben, dass die Übung überhaupt nichts bringt. Bloch ist da anderer Meinung: Man habe mit Einsparungen von 7000 bis 8000 Franken jährlich gerechnet. Eine Annahme, die sich aufgrund von Erfahrungen in anderen Gemeinden belegen lässt (siehe Kontext zu Herbetswil und Obergerlafingen).

Vorgeschlagen wurde, bereits ab 24 Uhr auszuschalten und im Sommer in den Morgenstunden gar nicht mehr einzuschalten. Ferner das Licht zu dimmen oder nur jede zweite oder dritte Lampe einzuschalten. «Diese Idee ist schon gut, aber es geht nicht», hält Bloch entgegen, «denn wir müssen uns an die Vorschriften halten, wie eine öffentliche Strasse zu beleuchten ist.» Den Vorschlag, LED-Leuchten einzusetzen, werde man künftig nachkommen, wo Erneuerungen oder Neubauten anstehen. Dafür spreche, dass LED-Leuchten deutlich günstiger geworden seien. Eine Einheit komme noch auf 900 statt 1500 Franken zu stehen.

In allen Gemeinden, in denen das Thema Nachtabschaltung aktuell ist, spielt die emotionale Ebene eine gewichtige Rolle. In Mümliswil kommt dies zum Ausdruck mit der Anmerkung, in völliger Dunkelheit «wirkt das Dorf unsympathisch».