Selzach
Tempo 30 stösst nur bei der Selzacher FDP auf Widerstand

Sofortmassnahmen sollen die Verkehrssicherheit im Dorf erhöhen. Der Selzacher Gemeinderat beurteilt diese aber unterschiedlich. Das flächendeckende Einführen von Tempo 30 im Siedlungsgebiet stösst nicht bei allen Parteien auf Wohlwollen.

Urs Byland
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Hier parkieren oft Eltern auf dem Trottoir, die ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen.

Hier parkieren oft Eltern auf dem Trottoir, die ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen.

Urs Byland

Selzachs Verkehrssituation wirkt mancherorts auf Auswärtige nicht gerade vertrauenserweckend. Die unübersichtliche Situation etwa beim Coop fördert beim vorsichtigen Autofahrer Bremsbereitschaft pur. Nun hat die Untergruppe Verkehr der Arbeitsgruppe «Attraktive Gemeinde für alle» einen Massnahmenplan sowie Sofortmassnahmen zur Verkehrssicherheit erarbeitet. Auftraggeber war Ende 2011 der Gemeinderat, der damals 50 000 Franken für die Erschaffung eines Verkehrssicherheitskonzeptes sprach.

Fachlicher Begleiter Reto Affolter vom Büro WAM Planer und Ingenieure AG erläuterte an der Gemeinderatssitzung die Entstehungsgeschichte des Konzeptes sowie den Massnahmenplan.

42 Konfliktstellen im Dorf

Vorgeschlagen werden Massnahmen, die die in einem Plan festgehaltenen Konfliktpunkte entschärfen sollen, sei es mit einem Strassenversatz, einer Trottoirergänzung bis hin zur Einführung von Tempo 30. 42 Konfliktstellen sind auf einem Gemeindeplan aufgeführt. Der Massnahmenplan diene dem Gemeinderat als Strategiepapier. Die Massnahmen können zeitlich gestaffelt umgesetzt werden. Und jede Massnahme muss durch den Gemeinderat konkret beschlossen werden. In einer Mitwirkung hat die Arbeitsgruppe 40 schriftliche Rückmeldungen erhalten. «Wir hatten das Gefühl, die Leute seien erleichtert, dass nun endlich etwas geht», so Affolter.

Wichtigster Bestandteil des Plans ist die Einführung von Tempo-30-Zonen in den Siedlungsquartieren. Ohne Tempo-30-Zonen müsste bei jedem Konfliktpunkt eine bauliche Massnahme ergriffen werden. «Das wäre ein Vielfaches teurer. In Tempo-30-Zonen sinkt die durchschnittliche Geschwindigkeit rasch, ohne grosse bauliche Massnahmen. Zudem ist der Anhalteweg der Fahrzeuge wesentlich kürzer, als bei Tempo 50», begründete Affolter.

Im Gemeinderat wurde das Verkehrskonzept von allen Fraktionen mit Ausnahme der FDP-Fraktion sehr positiv beurteilt. «Die flächendeckende Einführung von Tempo 30 erscheint mir wenig sinnvoll. Das wird über das Ziel hinausgeschossen», kritisierte aber Christoph Scholl (FDP). Es nerve ihn, wenn mit der Einführung von Tempo 30 Tempo 50 durchgesetzt werden soll. Als Beispiel nannte er die Bellachstrasse. «Stellen Sie sich vor, die Autofahrer müssen dort in einem Gebiet mit wenig Siedlungscharakter dorfauswärts 500 Meter lang Tempo 30 einhalten. Das macht doch niemand.» Gerade hier aber, konterten Planer Reto Affolter sowie Gemeinderat und Mitglied der Arbeitsgruppe Andreas Altermatt (CVP), hätten sich die Anwohner sehr an der Mitwirkung beteiligt. Messungen des Büros hätten ergeben, dass auf der Bellachstrasse gerast werde. Dies zulasten der Anwohner.

Schulhausstrasse sperren?

Ein weiterer Kritikpunkt von Scholl ist die teilweise Sperrung der Schulhausstrasse. Er favorisiere dort Tempo 30. Nur wenn diese Massnahme nichts bringe, dürfe man an eine Sperrung denken. Als sinnvoll wird diese Massnahme aber insbesondere auch von Gemeindepräsident Viktor Stüdeli («genial») bewertet, um einem grundsätzlichen Dorfproblem zu begegnen. Verwaltung, Schulen, Turnhallen und Kirchen liegen auf einem Streifen, der zweifach von Selzachs Nord-Süd-Verbindungen durchschnitten wird. An den Schnittstellen seien extrem sensible und damit etwa für Schulkinder gefährliche Verkehrsbereiche. Diese gelte es, verkehrssicher zu gestalten.

Generell wird von Teilen der FDP der Sinn von Tempo 30 angezweifelt oder es wird davon ausgegangen, dass wesentliche Teile der Bevölkerung dies nicht wollen. Anderer Meinung ist Planer Affolter. «Siedlungsorientierte Strassen werden je länger, je mehr als Lebensraum, ja sogar Wohnraum angesehen. Tempo 30 ist auch Ausdruck dieser Haltung.» Christoph Scholl entgegnete: «Ich halte mich an das, was ich schon früh gelernt habe: Auf der Strasse wird nicht gespielt.»

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