Derendingen
Tausende Kubikmeter Solothurner Humus werden ins Bernbiet exportiert

Im Derendinger Wissensteinfeld haben die Aushubarbeiten begonnen. Die Wasserämter Landwirte würden den Humus gerne nutzen, sie gehen aber wegen verpasster Baugesuche - vorläufig – leer aus. Der Humus wird stattdessen in den Kanton Bern geliefert.

Rahel Meier
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Der Humus auf dem Wissensteinfeld wird rekultiviert. Noch fehlen aber die Baugesuche der Solothurner Landwirte, die daran interessiert sind.

Der Humus auf dem Wissensteinfeld wird rekultiviert. Noch fehlen aber die Baugesuche der Solothurner Landwirte, die daran interessiert sind.

Hans Ulrich Muelchi

Dass auf dem Wissensteinfeld bereits mit den Aushubarbeiten begonnen wurde, hat in bäuerlichen Kreisen zu Unmut geführt. Der Humus auf dem Wissensteinfeld hat eine gute Qualität und die Landwirte im Wasseramt wollten ihn zur Bodenverbesserung auf ihren Grundstücken nutzen. Nun müssen sie aber zusehen, wie die Erde lastwagenweise in den Kanton Bern, unter anderem in die Kiesgrube in Attiswil, gefahren wird.

Das Service- und Dienstleistungszentrum Wissensteinfeld ist ein Grossprojekt. Der Neubau wird sich über 80 000 Quadratmeter erstrecken. Deshalb war zur Erarbeitung der Nutzungsplanung eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nötig. Darin enthalten ist auch ein Bodenschutzkonzept. Die eidgenössische Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo) besagt unter anderem, dass der betroffene, ausgehobene Boden als Ressource behandelt wird, und als fruchtbarer Boden weiter verwendet werden muss.

Die Rekultivierungsmöglichkeiten sind vielfältig. Oft werde der Humus in Kiesgruben oder Steinbrüchen genützt, um den Boden wieder herzustellen, erklärt Gaby von Rohr (Leiterin Bodenschutz, Amt für Umwelt). Eine andere Möglichkeit sei die Bodenverbesserung in der Landwirtschaft. Die Bauern können den Humus nützen, um die Bodenmächtigkeit zu verbessern, oder Mulden oder Gräben auf ihren Grundstücken auszuebnen. Dafür braucht es ein Baugesuch und eine Baubewilligung (Kantonale Bauverordnung, Paragraf 3, Artikel 2: Ein Baugesuch ist namentlich auch erforderlich für Terrainveränderungen, wie Abgrabungen, Aufschüttungen, Deponien, Steinbrüche.)

Irgendwo gingen die Baugesuche vergessen

Genau diese Gesuche wurden aber nicht gestellt. «Nun geht der ganze Humus in den Kanton Bern, weil es dort keine Baubewilligung braucht», ärgert sich Peter Brügger (Bauernsekretär, Solothurnischer Bauernverband). «Dabei würden ihn die Landwirte in der Region gerne nehmen», so Brügger weiter. Er hat gemeinsam mit Urs Schläfli (Präsident des Bezirksvereins Wasseramt) eine Liste mit über 20 interessierten Landwirten zusammengestellt. «Für uns ist es nicht verständlich, dass hier keine unbürokratische Lösung gefunden werden konnte.» Zwar sei klar, dass sich die kantonalen Ämter an Gesetze zu halten hätten. «Dann sind halt die Verordnungen und Gesetze falsch», meint Brügger, der sich überlegt einen Vorstoss im Kantonsrat einzureichen.

Auch Urs Schläfli (selbst Landwirt in Deitingen und Nationalrat) ärgert sich. «Im Kanton Solothurn braucht es für jede Parzelle, auf der der Humus ausgebracht wird, ein Baugesuch. Im Kanton Bern darf man bis zu 30 Zentimeter hoch aufschütten, ohne eine Bewilligung.» Laut Schläfli hätten die Landwirte nur je zwischen 100 und 300 Kubik Humus erhalten.

Ohne Gesuch kann keine Bewilligung erteilt werden

«Wir werden allfällige Baugesuche schnellstmöglich behandeln und genehmigen», verspricht Robert Grütter. Er ist im Amt für Raumplanung verantwortlich für Baugesuche ausserhalb der Bauzone. «Die Verantwortlichen wussten, dass eine Baubewilligung nötig ist, wenn Landwirte den Humus zur Bodenverbesserung nützen möchten.» Wieso die Gesuche nicht eingereicht wurden, weiss Grütter nicht. Er weiss auch nicht, dass über 20 Landwirte im ganzen Wasseramt Humus erhalten sollen. «Wir haben sechs Grundstücke in Derendingen vorgeprüft und bei vier Parzellen unser Okay gegeben. Ohne Baugesuch können wir keine Baubewilligung erteilen», so Grütter. «Es kann ja nicht sein, dass wir beim Aushub für ein Einfamilienhaus Auflagen machen und dann bei 33 000 Kubik grosszügig ein Auge zudrücken.»

Dafür, dass der Kanton Solothurn bei einer Bodenverbesserung ein Baugesuch verlangt, gebe es Gründe. «Es gibt Parzellen, die nicht geeignet sind. Beispielsweise, wenn eine Landschaftsschutzzone betroffen ist. Ausserdem schützen wir den Landwirt so auch vor schadstoffbelastetem Humus oder Aushubmaterial», erklärt Gaby von Rohr.

Es könnte doch noch ein Happy End für alle geben

Laut Robert Grütter fand letzte Woche eine Sitzung mit allen Beteiligten statt. Der Aushub erfolge in drei Etappen. «Es stimmt also nicht, dass der ganze Humus ausserkantonal genutzt wird.» Dies bestätigt auch die Bauherrin, die Steinhoff Properties. Rund 65 Prozent des Humus soll im Kanton Solothurn verbleiben.