Horriwil
Tanzwoche lässt Schüler aus schmaler Spur des Unterrichts ausbrechen

Zum 750-Jahr-Jubiläum tanzen die 71 Kindergärler und Primarschüler aus Horriwil mit der Tanzkompanie «d’ Schwyz tanzt». Das Überthema der Projektwoche sind Rituale und Feiern verschiedener Kulturkreise.

Rahel Nicolet
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Die jüngsten Schüler feiern mit der Tanzpädagogin italienische Rituale und Feste
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Horriwiler Primarschüler tanzen mit der Tanzkompanie «d'Schwyz tanzt»
Mit einer zentrierten Haltung bleiben die Plastikflaschen beim Tanz im Schulzimmer auf dem Hut.

Die jüngsten Schüler feiern mit der Tanzpädagogin italienische Rituale und Feste

Rahel Nicolet

«Tanzen ist mein Hobby. Ich gehe wöchentlich ins Ballett, Hip-Hop und Modern – und jetzt kann ich sogar noch in der Schule tanzen», erzählt Primarschülerin Léonie strahlend. Die 71 Schüler und «Kindergärteler» der Primarschule Horriwil setzen sich diese Woche mit dem Thema Tanz auseinander. Unterstützt von Tanzpädagogen der Berner Tanzkompanie «d’ Schwyz tanzt» studieren sie Tänze aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Bewegungs- und Tanzformen ein.

Tanzpädagoge Oliver Hirschi, der die Projektleitung innehat, erarbeitet mit der fünften und sechsten Klasse einen Chassidischen Tanz. «Wir studieren einen sogenannten Flaschentanz ein», so Hirschi. «Die Choreografie dieses Hochzeitstanzes entstammt dem Musical Anatevka.» Die Choreografien, welche die Schüler üben, seien an den authentischen Quellen orientiert.

«Umso jünger die Schüler, umso stärker brechen wir die Bewegungsformen aber herunter», so Hirschi. Die zweite bis vierte Klasse widmet sich mit dem Thema Erntedank den lateinamerikanischen Ländern Argentinien und Bolivien. Die erste und zweite Klasse beschäftigen sich mit dem süditalienischen Volkstanz Tarantella, dem Spinnentanz. Einzig der Kindergarten bleibt in der Schweiz. Die Jüngsten setzen sich mit hiesigen Tänzen auseinander und schauen, wie hierzulande gefeiert wird. «Zudem üben alle Schüler gemeinsam einen indianischen Totemtanz und einen russischen Klatsch-Sitz-Tanz», so Hirschi.

Tänze zum 750. Geburtstag

«Das Überthema der Projektwoche sind Rituale und Feiern verschiedener Kulturkreise», erklärt Hirschi die Auswahl der Choreografien. Das Thema passt also zum Anlass der Projektwoche: Horriwil feiert dieses Jahr sein 750-Jahr-Jubiläum. «Im Hinblick auf das Jubiläumsfest haben wir ein Projekt gesucht, welches hier in Horriwil noch nicht stattfand», erklärt Primarlehrer Peter Jud. «So ist die Idee entstanden, die Tanzkompanie in die Schule zu holen.» Nach einer morgendlichen Einführung mit den Klassenlehrern, erarbeiten die Schüler vormittags die verschiedenen Tänze. «Die Kinder geben sportlich und mental ihre Höchstleistung», weiss Jud. «In den Klassenzimmern steigt die Luftfeuchtigkeit während den Tanzstunden auf 80 Prozent an», berichtet der Primarlehrer und schmunzelt.

Kostüme aus Kinderhand

«Die Projektwoche ist aber nicht nur ein Tanzprojekt», gibt Primarlehrerin Ursula Grolimund zu verstehen. So war etwa der Werkunterricht der Kinder bereits im Vorfeld auf das Projekt ausgerichtet. «Die Schüler haben einen Teil ihrer Kostüme selber genäht», so die Lehrerin. «An den Nachmittagen arbeiten wir bewusst nicht mit Tanz», ergänzt Jud. Die Kinder basteln etwa Dekorationen für das Schulhaus, malen, fotografieren oder üben sich in der Geschicklichkeit.

«Hauptsache wir unterrichten diese Woche keine Leistungsfächer», so Grolimund. Die Tanzwoche sei eine schöne Möglichkeit, einmal aus der «sonst schmalen Spur des Unterrichts» auszubrechen. «Das Projekt bringt Abwechslung und Erholung für den Geist», erklärt Grolimund. «Wenn die Kinder zwanzig sind, werden sie sich kaum mehr erinnern, was sie bei uns im Unterricht gelernt haben. Dass sie hier getanzt haben, werden sie aber sicher noch wissen.»

Nicht nur ein Tanzprojekt

«Dieses Projekt ist nachhaltig», ist Primarlehrerin Ursula Grolimund auch sonst überzeugt. «Beim Tanzen begegnen sich die Schüler völlig neu und sind weniger verstrickt in alte Rollen und Verhaltensmuster.» Die Kinder erleben die Lehrkraft für einmal nicht als Führungsperson. «Diese Position gibt uns die Gelegenheit, Qualitäten der Kinder zu entdecken, die sie bei uns im Unterricht weniger zeigen können», so Grolimund. Diese neue Rollenverteilung fördere das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Beteiligten.

Grolimund und Jud sind bereits jetzt zufrieden mit der Tanzwoche. «Es ist beglückend zu sehen, wie die Eltern flexibel auf Stundenplanänderung oder andere Ansprüchen reagieren und unser Projekt bereitwillig unterstützen», zeigt sich Grolimund dankbar. Zudem sei spürbar, dass sich nicht nur Kinder wie Léonie, die begeisterte Tänzerin ist, über die Tanzstunden freuen. «Das Projekt gefällt allen Kindern – auch jenen, welche anfangs die Nase rümpften, als sie erfuhren, dass wir diese Woche dem Tanz widmen», so Grolimund.

Am Samstag wird in Horriwil das 750-Jahr-Jubiläum gefeiert. Festbeginn ist um 16 Uhr beim Schulhaus. Die Tanzaufführung der Primarschule findet um 18 Uhr in der Turnhalle statt. Öffentliche Hauptprobe ist morgen Freitag um 11.10 Uhr.