Versuchter Raub

Täter gelobt vor Gericht Besserung und kommt mit Bewährungsstrafe davon

Ein mutiger Gast half: Auf der Strasse vor dem Mc Donalds Zuchwil versuchte David L., seinem Opfer die Autoschlüssel abzunehmen.

Ein mutiger Gast half: Auf der Strasse vor dem Mc Donalds Zuchwil versuchte David L., seinem Opfer die Autoschlüssel abzunehmen.

Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt hat einen Deutschen wegen versuchter Erpressung und versuchtem Raub zu einer bedingten Haftstrafe von acht Monaten verurteilt. Der Angeklagte gelobte Besserung und meinte: «Ab jetzt bin ich ein braver Junge!»

18. August 2012. Simon B. sitzt mit einem Kollegen auf der Terrasse des «McDonald's» in Zuchwil. Er sei mit dem Rücken zur Strasse und damit zum Tatort gesessen, sagte er am Mittwoch vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt aus.

Ein Bekannter, der am Tisch hinter ihm sass, habe ihn irgendwann angesprochen: «Willst du da nicht mal helfen gehen?» Als B. sich umdrehte, habe er einen Mann gesehen, der eine schwarzhaarige Frau am Arm zerrte.

Diese habe geschrien und geweint. «Ich bin dann hin und habe den Mann gefragt, wo das Problem liegt.» Sie stelle sich nur etwas an, antwortete der Angreifer David L. Nach kurzem Wortwechsel habe dieser den Ort mit den Worten «dich krieg' ich noch!» verlassen. Gestern nun musste sich David L. wegen versuchter Erpressung und versuchtem Raub vor Gericht verantworten.

Widersprüchliche Aussagen

Die Frau erstattet nach dem Angriff Anzeige und es stellt sich heraus: ihr Ex-Freund hatte Schulden von rund 3700 Franken bei David L. Der Polizei berichtet sie, L. habe das Geld an jenem Mittag vor dem «McDonald's» von ihr zurückverlangt, da ihr Ex-Freund inzwischen im Gefängnis sass.

Als sie sich weigerte, habe der breitgebaute Deutsche ihr gedroht, sie in Biel in einem Bordell einzusperren, wo sie die Schulden abarbeiten - «abficken» - sollte. Weiter habe er versucht, ihr die Handtasche zu klauen und sie zu einem Auto zu zerren.

Aussagen, die David L. vor Gericht teilweise dementierte. «Ich wollte nur das Geld haben.» Er sei zum Tatzeitpunkt Sozialhilfeempfänger gewesen und habe ein Alkoholproblem gehabt. An Einzelheiten der Tat könne er sich nicht mehr erinnern, er sei «ziemlich angetrunken» gewesen.

Die Drohung, die Klägerin in einem «Puff» einzusperren, will er aber nicht ausgesprochen haben. «Ich habe gar keine Kontakte zu sowas.» Auf die Weigerung der Frau hin habe er versucht, ihr den Autoschlüssel zu entreissen, da er davon ausging, dass ihr Auto mit seinem Geld gekauft worden war. Im Gerangel sei er gestürzt und habe daraufhin den Tatort verlassen. Von Simon B., der der Frau zu Hilfe kam, habe er nichts bemerkt.

Täter gelobt Besserung

Was zwischen Täter und Opfer abgelaufen war, bis der mutige Passant eingriff, ist also nicht vollständig geklärt. L.s. Anwältin, Cornelia Dippon Hänni, forderte, ihren Klienten nur wegen versuchten Diebstahls zu verurteilen.

Dies gestützt auf David L.s Äusserungen sowie den - ihrer Meinung nach übertriebenen - Schilderungen der Klägerin. Die Behauptung, L. habe gedroht, die Klägerin einzusperren sei mangels Kontakt zu Bordellen nicht haltbar.

Weiter habe das Opfer sich wehren können. Der Angeklagte habe in der Folge von ihr abgelassen und keine weitere Gewalt ausgeübt. Richter Ueli Kölliker kam der Forderung aber nicht nach.

Das Opfer habe Erpressungs- und Raubversuch glaubhaft geschildert, eine Haftstrafe von acht Monaten sei angemessen. Da der Beschuldigte sich seit der Tat wohl verhalten und sein Leben besser im Griff habe, wurde die Strafe bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren ausgesprochen.

L. müsse nun beweisen, dass er straffrei leben könne, so Kölliker. Unterstützung erhält er durch einen Bewährungshelfer. Sichtlich erleichtert trat der Deutsche anschliessend aus dem Gerichtssaal und versprach seiner Anwältin noch vor dem Gebäude: «Ab jetzt bin ich ein braver Junge!»

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