Wie vor 100 Jahren

Subinger Schülerin spielt in der Fernseh-Serie «anno 1914» mit

Die 14-jährige Lisa-Maria D’Ercole aus Subingen besetzt in der SRF-Serie die Rolle des Dienstmädchens in einer Fabrikantenfamilie. Dafür ist sie während zwei Wochen in ein Leben wie vor 100 Jahren eingetaucht.

«Es war schwierig, nicht herauszuplatzen, meine Meinung zu sagen und mich zu wehren», sagt Lisa-Maria D’Ercole. Die 14-jährige Schülerin aus Subingen spricht von ihrer Rolle als Dienstmädchen in der Fernseh-Produktion «anno 1914 – Die Fabrik». «Das Dienstmädchen, welches ich verkörperte, ist eine Person, die sich nicht wehren darf – es aber gerne tun würde.» Es sei spannend gewesen, in deren Haut zu schlüpfen. «Gerade auch, weil ich selber überhaupt nicht zurückhaltend bin.»

Diesen Sommer macht das Schweizer Fernsehen (SRF) den Alltag vor 100 Jahren zum Themenschwerpunkt. Anlass dafür ist der hundertste Jahrestag der Ermordung des Thronfolgers von Österreich-Ungarn, welche den Ersten Weltkrieg auslöste.

In der Produktion «anno 1914 – Die Fabrik» wird der Alltag einer Arbeiter- sowie einer vermögenden Fabrikantenfamilie gezeigt. In der Produktion spielen neben fünf Schweizer Schauspielern 17 von Laien gespielte Erlebnisfiguren mit. Für deren Besetzung suchte das SRF im Januar Protagonisten.

Lisa-Maria habe sich beworben, da sie sich für das Leben vor hundert Jahren interessiere. «Mein Urgrossvater ist in dieser Zeit geboren und hat mir von damals erzählt.» Erfahrungen mit der Schauspielerei habe sie kaum. «Es hat mich aber interessiert, wie es läuft an einer Produktion.» Die Rolle des Dienstmädchens wurde Lisa-Maria aufgrund ihres Alters zugeteilt. Ausgeschrieben war die Erlebnisfigur für eine 14- bis 18-Jährige. Lisa-Maria konnte also knapp mitmachen. Sie war eine der Jüngsten am Drehort.

Kochen und Servieren

Die Sendung wurde während zweier Wochen im Mai aufgezeichnet. Manche Protagonisten lebten die ganze Zeit über in Bauma im Zürcher Tösstal. So auch Lisa-Maria und ihre «Vorgesetzte», die Haushälterin Rosemarie Jenni-Dietsche. «Wir waren dafür zuständig, dass das Haus in Schuss bleibt. Ausserdem haben wir den Herrschaften in der Villa das Essen zubereitet und serviert.» Aber nicht etwa nur während der Drehzeit. «Ich arbeitete und lebte zwei Wochen lang 24 Stunden am Tag wie vor 100 Jahren – unabhängig davon, ob eine Kamera lief oder nicht.»

Nach einer Woche habe sie sich zwar an das «Leben vor hundert Jahren» gewöhnt, anstrengend sei es trotzdem gewesen. Nicht nur das frühe Aufstehen und späte zu Bett gehen seien ermüdend gewesen. Es sei auch eine Herausforderung gewesen, keine klare Tagesstruktur zu haben. «Die einzigen Fixpunkte im Tagesablauf waren Frühstück, Mittag- und Abendessen.»

In der übrigen Zeit hat Lisa-Maria Hausarbeiten verrichtet, die Ihr von der Haushälterin oder der Fabrikantenfamilie aufgetragen wurden. Wie sie sich ansonsten verhalten sollte, war Lisa-Maria nicht vorgegeben. Auch Text musste sie keinen lernen.

«Die Erlebnisfiguren sind als Zeitreisende zu verstehen, die in die Zeit von 1914 eintauchen und sich dort mit heutigem Wissen zurecht finden müssen», heisst es beim SRF. Die Schauspieler Anikó Donáth, Werner Biermeier, Sebastian Cepeda, Juri Elmer und Lisa Maria Bärenbold verfügten als Einzige über ein ungefähres Drehbuch und griffen so ins Geschehen ein.

Zurück in der Gegenwart

Auch nachdem sie den Alltag von 1914 wieder mit dem eigenen eintauschte, blieb Lisa-Marias Programm vollbepackt. «Ich musste Schulstoff nachholen.» Nun, drei Monate später, bleibt der 14-Jährigen wieder Zeit für Freunde und das Schreiben. «Ich schreibe gerne Fantasie-Geschichten.» Sie lässt sich von den Geschehnissen des Tages inspirieren und baut Details daraus in ihre Geschichten ein.

Ob sie sich in der Zukunft der Schauspielerei widmen wird? «Schön wäre es», findet sie. «Ein Schauspiel-Talent bin ich aber nicht», fügt sie bescheiden an. Der erste Teil der Produktion «anno 1914 – Die Fabrik» wurde am Montag ausgestrahlt. Lisa-Maria hat von Freunden, ihrer Klasse und der Familie positive Rückmeldungen erhalten. «Meine Freundinnen finden die Kleider toll, die ich getragen habe und das Haus gefällt ihnen auch.»

Bis zum 22. August wird Montag bis Freitag um 19 Uhr auf SRF 1 eine Folge «anno 1914 - Die Fabrik» ausgestrahlt. Die Beiträge werden durch Live-Moderationen von Michael Weinmann ergänzt. An drei Freitagen wird in einer Wochenschau «anno 1914 – Die Wochenschau» zusätzlich informiert. Und in «Dahinden - anno 1914» erlebt Sabine Dahinden die Belle Époque hautnah auf einer Reise durch die Schweiz.

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