Freizeit
Stricken ist wieder en Vogue – selbst bei Männern und jungen Frauen

Galt Stricken bis vor kurzem noch als Tätigkeit für alte Jungfern, ist der Umgang mit Wolle und zwei Nadeln wieder salonfähig. Das beweist die wachsende Anzahl von Läden in der Region.

Nadine Schmid
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Brigitte Schlup (links) und Regula Allemann vom Strick-Café in Selzach zeigen jedem gerne, wie man mit Nadeln und Wolle umgeht.

Brigitte Schlup (links) und Regula Allemann vom Strick-Café in Selzach zeigen jedem gerne, wie man mit Nadeln und Wolle umgeht.

Stricken gilt heute als meditative Tätigkeit. Dies sehen auch Rosmarie Jordi und Inhaberin Marietta Bettschen so, die den Laden «Zum rote Fade» in Solothurn betreuen. Inzwischen das einzige Geschäft der Stadt, das sich auf Strickwaren spezialisiert hat: «Stricken beruhigt und ist eine Freizeitbeschäftigung, bei der man am Ende ein Produkt in Händen hält», finden die beiden Frauen.

Auch Stars stricken

Das Stricken scheint besonders in Hollywood eine beliebte Tätigkeit zu sein. Vielleicht hat auch dieses Phänomen den einen oder anderen zum Stricken angeregt: Amerikanische Schauspieler und Schauspielerinnen schwingen nämlich nicht nur in Filmen die Nadeln. Für viele, wie für Cameron Diaz und Ryan Reynolds, ist Stricken ein Hobby. Katherine Heigl strickt gleichermassen in einer Pause am Set. Manche Schauspieler lernten erst in Hollywood stricken: Catherine Zeta Jones brachte Antonio Banderas bei, wie man «lismet». Aber das Stricken ist nicht nur unter den Schauspielern beliebt, sondern ebenso bei anderen Promis, und das auch in Europa: Angela Merkel beispielsweise schreibt zwar viele SMS, aber manchmal findet auch sie Zeit, Nadeln und Wolle auszupacken. (nsg)

Quelle: http://www.pinterest.com/ knittingzen/celebrity-knitting-knitters/

Ihren Laden betreten durch das wiederentdeckte Hobby nun auch vermehrt junge Frauen, denen sie zeigen müssen, wie man überhaupt strickt: «Heute fehlt vielen die Routine. Früher hatte man in der Schule 6 bis 8 Stunden Handarbeit die Woche, heute sind es 2», erklärt Bettschen.

In der Region Solothurn findet man weitere spezielle Angebote fürs «Lisme»: So das Lombell-Strick Café in Selzach. Ein Treffpunkt für Selzacher und andere Kunden, die aus der ganzen Schweiz herreisen. Im Lokal bietet sich ein vielseitiges und schweizweit einmaliges Bild: Die einen trinken einfach einen Kaffee, andere lassen sich im Laden beraten, nochmals andere sitzen in der Runde zusammen an einem Tisch und stricken. Man tauscht sich aus, plaudert und lacht.

Für Inhaberin Brigitte Schlup und Mitarbeiterin Regula Allemann war das Ziel, einen Ort der Gemütlichkeit für alle zu schaffen. Die Ware, die sie verkaufen, vor allem Socken, aber auch andere Kleidungsstücke, stricken sie jeweils selber, auch auf Bestellung. Das kulinarische Angebot im Café ist hausgemacht und stammt aus der Region. Sie bieten gar Events an, die übers Stricken hinausgehen.

Auch strickende Männer sind dort keine Seltenheit. Doch das sollte eigentlich nicht verwundern, war Stricken doch im Mittelalter ein Beruf für Männer. Damals gab es sogar Strickerzünfte. Zur «Frauensache» wurde das Stricken erst in der Neuzeit.

Gestrickt wird fast alles

Um zu stricken, geht Anna Luterbacher, die seit 30 Jahren ihre Handarbeiterstube in Lohn-Ammannsegg führt, über die Schweizer Grenzen hinaus. Zusammen mit jeweils rund 60 Frauen reist sie seit dem Jahr 2000 immer wieder mal in die Toskana. Am Strand in einer Gruppe zu stricken, mit Blick aufs Meer, hat sein eigenes Flair. Auch 2014 ist ein solcher Ausflug geplant.

Für Anna Luterbacher, aber auch für den «rote Fade» und das Strick-Café ist es wichtig, ihre Kunden beim Stricken zu unterstützen: So beantworten sie Fragen und helfen auch mal bei «einer Lismete». Ebenso setzen sie auf Qualität. Man findet bei ihnen unter anderem Seide und Kaschmir- sowie nichtsynthetische Wolle.

Dass «Lisme» im Trend ist, hat vermutlich verschiedene Gründe. Seit Felix Rohland und Thomas Jaenisch die Marke «Myboshi» gründeten und begannen, nach Wunsch der Kunden gehäkelte Mützen herzustellen, fingen wieder mehr Leute an, selber Kleidungsstücke anzufertigen.

Schlup vermutet ausserdem, dass Stricken mit einer Art Rückbesinnung auf altes Handwerk zu tun hat: «Am Computer kann man viel machen, aber man kann nicht Gegenstände erschaffen und das ist etwas, was viele Menschen doch gerne tun. Handwerkliches wird seit einigen Jahren wieder vermehrt hergestellt. Es ist, als hätten die Leute nun ihre Erfahrungen mit dem PC gemacht und gemerkt, dass etwas fehlt.», sagt Schlup.

Gestrickt wird alles, was sich stricken lässt – vom Kleiderbügelüberzug bis zur zur Handyhülle. Besonders oft entstehen Mützen und Schals. Diese Stücke sind nicht nur der Hit in der aktuellen Wintermode, sondern auch einfache Kleider, die gut von Einsteigern «gelismet» werden können. Doch auch dafür braucht es Geduld und Übung, und gratis ist es auch nicht.

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