Altreu
Storchensiedlung: Ein einziges Jungtier hat den Frühling überlebt

Die Schlechtwetterperiode im Frühjahr wurde den jungen Störchen zum Verhängnis. Trotz der traurigen Bilanz ist man in der Storchensiedlung optimistisch, dass der Gesamtbestand durch den Verlust nicht weiter gefährdet ist.

Urs Mathys
Merken
Drucken
Teilen
Der überlebende Vogel hat den Horst bereits verlassen.

Der überlebende Vogel hat den Horst bereits verlassen.

AZ

Hiobsbotschaft aus der Storchensiedlung Altreu: Von den über fünf Dutzend heuer geschlüpften Jungvögeln lebt aktuell nur gerade noch ein einziger. „Das seit Frühjahr anhaltend nass-kalte Wetter wirkte sich verheerend aus und bedeutete für viele Jungtiere das Todesurteil", bestätigt Viktor Stüdeli.

Anfänglich sei man noch optimistisch gewesen, dass es mehr Überlebende geben werde, doch dann seien immer noch weitere Schlechtwetterperioden dazu gekommen. Die Situation habe sich schliesslich, so der „Witi-Sheriff" und Storchen-Kenner Stüdeli, „dramatisch verschärft".

Letztlich überlebte tatsächlich nur ein einziger Jungstorch - verglichen mit der stolzen Zahl von 73 im letzten Jahr. „Dieses Jungtier ist inzwischen bereits flügge und hat den Horst verlassen", weiss Stüdeli. Es stamme aus einem Gelege mit insgesamt fünf Eiern. Und zwar in jenem Horst, der mit einer Kamera versehen ist und von den Altreu-Besuchern stets live eingesehen werden kann. Im Durchschnitt schlüpfen in Altreu, seit 2007 „Storchendorf Europas", jährlich zwischen 50 und 60 Störche. Aktuell leben in und rund um die Anlage 36 Brutpaare.

Das grosse Jungtiersterben sei äusserst bedauerlich, hat gemäss Viktor Stüdeli aber keine existenzbedrohenden Konsequenzen für die gesamte Storchen-Population in Altreu. Die Natur gleiche das über die Jahre wieder aus: „Wir hatten vor rund sechs Jahren auch einen Totalausfall - aber seither wieder ein paar gute Jahrgänge".
Viele Besucher, die vor Ort vom Jungtiersterben erfahren, würden mit Bedauern darauf reagieren, insbesondere natürlich Kinder. Und die Störche selber: Wie reagieren diese auf den Verlust ihrer Jungen? Stüdeli: „Das ist schwer zu sagen. Das ist halt der Lauf der Natur. Sie werfen die toten Jungen aus dem Horst oder manchmal fressen sie diese auch auf. Aber ob sie den Verlust realisieren - das können sie uns ja nicht sagen." (ums.)