Recherswil
Steuerforderungen bringen Betreiber des «Freubads» zu Fall

Erneut führten Forderungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung den Recherswiler Sextempel Freubad in den Konkurs. Wie schon vor rund zwei Jahren gaben auch letzten Herbst Steuernachforderungen den Ausschlag. Längst ist eine neue Betreiberin aktiv.

Urs Byland
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Im Sex-Etablissement Freubad geben sich die Betreiber die Klinke in die Hand.

Im Sex-Etablissement Freubad geben sich die Betreiber die Klinke in die Hand.

Hanspeter Bärtschi

Die Eidgenössische Steuerverwaltung wird weiterhin an der Nase herumgeführt. Vor beinahe zwei Jahren berichtete diese Zeitung von Turbulenzen um den Sextempel Freubad.

Damals wurde ein Konkursverfahren mit der Betreiberfirma durchgeführt und abgeschlossen. Die betroffene GmbH wurde aus dem Handelsregister gelöscht. Die von der Steuerverwaltung erhobene Forderung von 600 000 Franken konnte nicht geleistet werden. Die GmbH sei aufgrund der Mehrwertsteuer-Forderung überschuldet gewesen.

Der ausstehende Betrag habe durch die Konkursmasse nur zu einem kleinen Teil gedeckt werden können. Grund für die Forderung war eine Kontrolle der Steuerverwaltung. Diese hat die Zahlung der Mehrwertsteuer auch auf die Einnahmen der im Klub beschäftigten Frauen, rückwirkend auf fünf Jahre verlangt.

Die Betriebsleitung übernahm die Firma PC Demeter GmbH, die vom Besitzer der Freubad-Liegenschaft, Peter Curti, 2010 gegründet wurde und 2011 an seinen Sohn André Sascha Curti überging. Doch die Geschichte von 2012 wiederholte sich. Mit Urteil vom 12. März 2013 hat der Amtsgerichtsstatthalter von Bucheggberg-Wasseramt über die Gesellschaft den Konkurs eröffnet; demnach ist die Gesellschaft aufgelöst.

Das Konkursverfahren ist mit dem Urteil des Amtsgerichtspräsidenten von Bucheggberg-Wasseramt einige Monate später am 2. September mangels Aktiven eingestellt worden, was am 4. Oktober veröffentlicht wurde.

Das Gleiche nochmals

Erneut haben Forderungen der Steuerverwaltung die Betreiberin des «Freubads» zu Fall gebracht. Verlustscheine von 20 000 bis 63 000 Franken (wegen Überschneidungen kann keine Gesamtsumme angegeben werden) wurden laut Konkursamt von der Eidgenössischen Steuerverwaltung gegenüber der PC Demeter GmbH geltend gemacht.

Während André Sascha Curti nur für die Zimmereinnahmen habe zahlen wollen, habe die Steuerverwaltung die Mehrwertsteuer auf den gesamten Umsatz im «Freubad» eingefordert.

Die Chronik des «Freubads»

2001 Peter Curti, Inhaber des Night-Clubs Bolero in Hauenstein und des Römerbads in Oberbuchsiten kauft das Solbad Flamingo.

2002 Aus dem Solbad Flamingo wird die Erlebnisdisco A1-Club mit Restaurant Marrakesch Lunch. Patentinhaber ist Peter Curtis Sohn André Sascha Curti. Geplant ist zudem die Einrichtung eines separaten Cabarets.

2003 Der A1-Club schliesst kurzfristig wegen Parkplatzproblemen und öffnet dann wieder. Das «Marrakesch» bleibt offen. Ende Jahr reift bei Peter Curti die Idee eines Erotiktempels. Die Recherswiler Baukommission bewilligt die Umnutzung zum «Freubad».

2004 Gegen Peter Curti ist der Privatkonkurs eröffnet worden. Behörden und Presse werden im September zur Besichtigung ins «Freubad» geladen. Die letzten acht Einsprecher gegen das Vorhaben verlieren vor dem Verwaltungsgericht und müssen insgesamt 16 250 Franken bezahlen. Im Dezember wird bekannt, dass der Zürcher Milieukönig Hans Peter Brunner «Freubad»-Besitzer Peter Curti ein 2-Mio.-Darlehen gewährt hat.

2006 Das Bau- und Justizdepartement bewilligt acht Fremdenzimmer im Edelbordell Freubad gegen den anderslautenden Entscheid der Recherswiler Baukommission. Bei einer Razzia im Freubad nimmt die Polizei 21 Frauen und einen Angestellten des Etablissements fest. Den Frauen wird Widerhandlung gegen das Ausländerrecht zur Last gelegt.

2007 Alt Kantonsrat Thomas Leuenberger, Geschäftsführer und Wirt des «Freubads» hat sein Wirtepatent auf Ende Juli zurückgegeben und den Betrieb verlassen. Leuenberger war Gesellschafter der LeCu GmbH, welche den Betrieb nach dem Konkurs der Freubad AG übernommen hatte. Neuer Alleingesellschafter und Geschäftsführer ist Marcel Bätscher, bisher Treuhänder der LeCu GmbH.

2009 Thomas Leuenberger scheitert beim Erotikclub Colibri in Lengnau. Er geht zurück ins «Freubad».

2012 Die Lecu GmbH wird aufgelöst und im Handelsregister gelöscht. Thomas Leuenberger, Eigentümer und Geschäftsführer der Lecu GmbH, bestätigt den Sachverhalt, dass die Steuerverwaltung nach einer Kontrolle die Zahlung der Mehrwertsteuer auch auf den Einnahmen der im Klub beschäftigten Frauen, rückwirkend auf fünf Jahre, verlangt. Die Betriebsleitung übernimmt die PC Demeter GmbH, die André Sascha Curti gehört.

2013 Die PC Demeter GmbH geht in Konkurs. Erneut brechen Forderungen der Steuerverwaltung einer Betreiberin des «Freubads» das Genick. Anstelle von PC Demeter GmbH betreibt aktuell die Müller Lt GmbH das «Freubad».

Schon nur mit den Mieteinnahmen kann sich ein ansehnlicher Betrag zusammenläppern. So inserierte einst Curti-Junior auf der Internetbörse piazza.ch: «Studio Zimmer mit Bewilligung für Topreis!!!! Auch ganzes Studio zu mieten für 10 000.– oder einzelne Zimmer für 1700.– pro Monat».

Eine neue Betreiberin des «Freubads» ist schnell und zeitgerecht gefunden worden. Am 30. September gründete der Trimbacher Andreas Urs Müller die Firma Müller Lt GmbH mit Domizil in Recherswil an der Gerlafingerstrasse 47, also dem «Freubad». André Sascha Curti bestätigt, dass nun Müller Lt GmbH die «Freubad»-Betreiberin ist.

Ob denn die neue Betreiberin das Problem mit der Steuerverwaltung im Griff habe, konnte André Sascha Curti nicht positiv beantworten. «Unser Anwalt verschickt ständig Briefe, erhält aber keine Antworten.» Ein Gespräch mit Andreas Urs Müller verweigerte André Sascha Curti mit dem Hinweis, dieser sei im Ausland «in den Ferien».

In den Fussstapfen des Vaters

Ansonsten ist André Sascha Curti nicht gesprächig. Gerüchteweise wurde der Verkauf der Liegenschaft angekündigt. «Da hat sich jemand einen Jux im Internet erlaubt«, dementiert er. Die Liegenschaft mit einem Versicherungswert von über 10 Mio. Franken gehört nach wie vor der BC Flamingo AG, und die wiederum seinem Vater Peter Curti. «Der hat sich aber vollständig zurückgezogen», so der Junior.

Auch habe er selber wenig mit dem Betrieb des «Freubads» zu tun. Dabei marschiert André Sascha Curti längst in den Fussstapfen seines Vaters Peter. So schrieb der «Beobachter» 2004 über Peter Curti: «Das geschäftliche Umfeld von Vergnügungsunternehmer Peter Curti besteht aus einem reichlich intransparenten und ständig wechselnden Firmengeflecht. ... Über das Verwaltungsratsmandat bei der Zürcher RM Restaurationsbetriebe AG ist Peter Curti mit der Zürcher Rotlichtszene verbandelt. Die Firma betreibt in der Limmatstadt mehrere Milieulokale.»

Curti junior wiederum besitzt die MC Events GmbH mit Zweck, ein Restaurant mit Bar, eine Eventagentur und einen Cateringservice zu führen sowie Lokalitäten zu vermieten. Das Lokal befindet sich an der Leimbachstrasse 99 in Zürich, ist ein mietbares Anlasslokal und nennt sich Bazar Marrakesh Lounge.

Das Catering besorgt die Curti Catering im Bolacker 7 in Gerlafingen, welche sicher auch dem Betreiber des «Freubads» kulinarisch zur Seite steht. André Sascha Curti ist aber auch direkt im Rotlicht-Milieu aktiv. Er führt einen Escortdienst (www.ladys24.ch), wo Frauen tage- oder nachtweise gebucht werden können.