Zuchwil
Stefan Studer gewinnt erstes Red Bull Hornussen im Dunkeln

Gestern fand in Zuchwil das erste Red Bull Hornussen statt. Das Finale, das im Dunkeln ausgetragen wurde, gewann Stefan Studer. Studer setzte sich gegen die 32 besten Abschläger der Schweiz durch.

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Der Sieger des ersten Red Bull Hornussen in Aktion: Stefan Studer.

Der Sieger des ersten Red Bull Hornussen in Aktion: Stefan Studer.

AZ

Obwohl Hornussen ein Schweizer Nationalsport ist, haben die Fans kaum je Gelegenheit, die Grössten ihres Faches an einem einzigen Anlass zu erleben. Am ersten Red Bull Hornussen, das gestern im solothurnischen Zuchwil stattfand, waren die besten 32 Abschläger anwesend, acht aus jedem der vier Schweizer Teilverbände.

Das Turnier, unter den Fittichen von Obmann Jürg Eggimann, war aber nicht nur deshalb etwas Besonderes: Der Traditionssport machte an diesem tropischen Abend einen riesigen Sprung, überholte die Gegenwart und landete auf einem futuristisch beleuchteten Ries.

Der gute alte Nouss bekam für einmal ein im Dunkeln leuchtendes Gewand. Ein bisschen wärmer und deshalb weicher und etwas träger als das schwarze Original zwar, aber ein Fest fürs Auge - und eine Herausforderung für die Sportler.

Hornussen, der unbekannte Sport

Woher genau das Hornussen, das heute noch vor allem im Mittelland ausgeübt wird, kommt, ist nicht genau geklärt. Eine frühe Schilderung stammt aus dem 19. Jahrhundert vom Schriftsteller Jeremias Gotthelf, die allererste schriftliche Erwähnung geht sogar aufs 17. Jahrhundert zurück. Damals wurde der Sport im Emmental ausgeübt, im Herbst, wenn die Äcker abgeerntet waren. Immer wieder kam es zu Konflikten mit der Obrigkeit, weil nach den Spielen Schlägereien unter den beiden Mannschaften
ausbrachen. Ein Dachverband wurde 1902 gegründet. Gespielt wird heute in den Nationalligen A und B plus in fünf unteren Ligen. Das Eidgenössische Hornusserfest findet alle drei Jahre statt, dazu kommen zahlreiche nationale Hornusserfeste.

«Ich habe einmal im Dunkeln trainiert», sagte der Sieger des Anlasses, Stefan Studer, der den leuchtenden Nouss 303 Meter weit ins Ries beförderte, «aber irgendwie klappte es nicht so recht. Umso mehr freue ich mich, dass es heute funktioniert hat.»

Studer, Hornusser seit seinem achten Lebensjahr, 108 Kilo auf einen Meter 91, gemäss dem Speaker «Arme wie ein Schweinebauch» und dazu auch noch Schwinger, belegte die Wahrheit einer Aussage, die er selber wenige Stunden vor dem Wettkampf gemacht hatte: «Mit Oberarmen allein hat man noch nicht gehornusst.»

Gefühl, Intuition, Körperbeherrschung, Athletik: Hornussen ist wie viele andere Traditionssportarten ehrgeiziger geworden. Statt nach dem Training ein paar Biere zu kippen
gehen die Männer, die allesamt aussehen, als würden sie es jederzeit mit einem leibhaftigen Muni aufnehmen, an trainingsfreien Abenden in den Kraftraum. Abschlagweiten von mehr als 300 Metern sind die Folge davon.

Mehr als 1500 Zuschauer genossen den warmen Nachmittag auf den Festbänken. Doch als nach zehn Uhr abends bei Dunkelheit, aber immer noch 24 Grad die Halbfinals und Finals ausgetragen wurden, gab es kein Halten mehr: Die Klappstühle wurden zu Stehgelegenheiten umfunktioniert, Sprechchöre trieben die Lokalhelden an.

Mit einer Leuchtspur durch die heisseste Nacht des Jahres hat das Hornussen seine Reise in die Zukunft angetreten.