Gemeindepräsidium Zuchwil
Stefan Hug will die Kirche im Dorf lassen

Stefan Hug will Zuchwiler Gemeindepräsident werden. «Die Kirche im Dorf zu behalten», sei eine wesentliche Aufgabe eines Gemeindepräsidenten, findet der SP-Kandidat.

Christoph Neuenschwander
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Stefan Hug beim Aarmattkreisel, wo die Wirtschaft künftig wieder florieren soll

Stefan Hug beim Aarmattkreisel, wo die Wirtschaft künftig wieder florieren soll

Hanspeter Bärtschi

Stefan Hug kommt mit dem Fahrrad zum vereinbarten Treffpunkt. Der Ort, den er als Ausgangspunkt für seinen Spaziergang durch Zuchwil ausgewählt hat, ist die katholische Kirche. Nicht wegen der Kirche als Institution, wie er später erklärt. Dem 58-Jährigen, der für die Zuchwiler SP als Gemeindepräsident kandidiert, geht es um den symbolischen Charakter und um die Kirche als kultureller Begegnungsort.

Hug steigt vom Velo, zieht die Handschuhe aus und lächelt, als wir uns begrüssen. Aus zwei Gründen kenne er Zuchwil sehr gut, sagt der Schulleiter der Primarschule Unterfeld mit einem Augenzwinkern. Er jogge zwei- bis dreimal wöchentlich durchs Dorf und während des Lehrerseminars habe er sein Geld als Taxifahrer verdient.

Hier, bei der katholischen Kirche, erinnert ein Denkmal an den polnischen Freiheitskämpfer Thaddäus Kosciuszko und eine Grabplatte an den Baumeister der St.-Ursen-Kathedrale, Paolo Antonio Pisoni. «Ich finde es spannend, dass solche weltbekannte Personen eine Verbindung zu Zuchwil haben», sagt Stefan Hug.

Rosinen und Baustellen

Trotz dieses internationalen Flairs stehe die Kirche für eine Bewegung nach innen, für traditionelle Werte. «Die Kirche im Dorf zu behalten», sei eine wesentliche Aufgabe eines Gemeindepräsidenten, findet Hug. «Nur wenn die Kirche im Dorf bleibt, kann man das Dorf auch weiterbringen.»

Eine Aussage, in die sich Fusionsskepsis interpretieren lässt? «Ich habe mich an der Gemeindeversammlung für einen Fusionsvorvertrag starkgemacht», entgegnet Hug. «Mindestens darüber reden muss man, das ist klar. Aber im jetzigen Stadium bin ich weder Befürworter noch Gegner einer Fusion.»

Ungeachtet dessen, ob eine Fusion zustande komme oder nicht, lasse sich aus den Vorverhandlungen herausschälen, wo die «Rosinen» und wo die «Baustellen» von Zuchwil lägen. «Und als Chef dieser Gemeinde würde mich das brennend interessieren.»

Der Mensch als fühlendes Wesen

Die Kirche im Dorf zu lassen, heisse für ihn auch, die Menschen ernst zu nehmen und eine gute Diskussionskultur in der Gemeinde zu wahren, sagt Hug, während wir in «Noldy’s Restaurant» die Finger an einem Kaffee wärmen. «Zuerst kommt der Mensch als fühlendes, denkendes Individuum, danach erst der Rest: seine Herkunft, die soziale Stellung und so weiter.»

Zuchwil sei vielschichtig – der Ausdruck gefällt ihm besser als das Modewort «multikulturell» – und diese Vielschichtigkeit sei kein Problem, sondern eine Bereicherung. Auch sein Alter sieht der Verwaltungsratspräsident der Raiffeisen Zuchwil nicht als Nachteil: «Meine Vergangenheit zeigt, dass das, was ich sage, authentisch ist. Die Leute kaufen mit mir nicht die Katze im Sack.»

Ein Gemeinderat wie ein OK

Hug schiebt sein Velo den Kosciuszkoweg entlang Richtung Aarmattkreisel. Man hätte dorthin auch joggen können: Der SP-Kandidat ist passionierter Läufer und hat 20 Jahre lang den Weissensteinlauf organisiert. Beim Spaziergang durchs Dorf will er es aber ruhig angehen lassen: «Bei zu schnellem Gehen übersieht man Stolpersteine», sagt er.

Ein Gemeinderat, der wie das OK des Weissensteinlaufs ist, würde er sich wünschen. Da habe auch nicht jeder dieselben Ansichten, aber «alle haben dasselbe Ziel und ziehen in die gleiche Richtung». Als Hug 2004 stellvertretender Schuldirektor von Zuchwil wurde, trat er nach 15 Jahren im Gemeinderat zurück. Seinen Kontakt zur Politik habe der ehemalige SP-Fraktionschef aber nie verloren, wie er versichert.

Am Aarmattkreisel deutet Hug auf das Schild, das auf die Partnergemeinde Saas-Balen hinweist, auf das Gebäude der kantonalen Ausgleichskasse, die Industrie, die Vebo. Anders als die Kirche symbolisiere der Kreisel eine Bewegung nach aussen: Innovation und Erneuerung, Verbundenheit mit dem Rest der Welt. «Man soll zum Dorf schauen, darf aber nicht vergessen: Wir sind keine Insel», sagt der Schulleiter. Als viertgrösste Gemeinde des Kantons müsse Zuchwil sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.

«Hier wird das Geld geschöpft»

Das Gewerbe und die Industrie, die Zuchwil so lange Wohlstand beschert haben, müsse hier wieder Fuss fassen, wie etwa die «De Puy Synthes». Als Gemeindepräsident würde sich Hug darum bemühen, ansässige Firmen hier zu halten und neue anzusiedeln. «Denn hier wird das Geld für die Gemeinde geschöpft.» Letztlich auch für die Schulen.

«Wir brauchen eine florierende Wirtschaft», erklärt Hug. «Sparmassnahmen alleine reichen nicht. Wir dürfen die Infrastruktur schliesslich nicht verkümmern lassen.» In die Zukunft müsse man investieren, sagt der Mann, dessen Schule gerade den Comenius-Preis für ein innovatives Projekt erhalten hat.

«Natürlich hätte man auf das Kinder- und Jugendzentrum verzichten können», veranschaulicht er. «Aber dann hätten wir uns nicht attraktiv gemacht.» Das Kijuzu werfe zudem bereits Rendite ab, so Hug. Im Kindergarten habe sich nun eine bessere Situation eingestellt, ausländische Kinder könnten die Sprache, die Klassen seien weniger heterogen. «Dadurch kriegen alle Kinder bessere Voraussetzungen für die Schule mit auf den Weg. Und sie sind es, die unsere Zukunft gestalten.»