Zuchwil
Stefan Hug: «Das Thema Steuererhöhung in Zuchwil ist ausgereizt»

Am Sonntag wurde Stefan Hug (SP) als neuer Gemeindepräsident von Zuchwil gewählt – er will, dass sich das Dorf entwickeln kann. Dass das Ergebnis so deutlich ausfiel, hat er nicht erwartet.

Christof Ramser
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Stefan Stefan Hug will mehr Firmen nach Zuchwil locken.

Stefan Stefan Hug will mehr Firmen nach Zuchwil locken.

Felix Gerber

Sie waren nach dem Wahlsonntag einige Tage abgetaucht – brauchten Sie Erholung vom Wahlkampf?

Stefan Hug: Nein, ursprünglich wollte ich am Sonntag in Wien den Halbmarathon laufen. Doch ich hatte Prioritäten gesetzt und bin hiergeblieben. Ab Montag habe ich dann doch noch für drei Tage etwas Wiener Luft geschnuppert.

Hat Sie das klare Resultat am Sonntag überrascht?

Ich habe das Ergebnis nicht in dieser Deutlichkeit erwartet. Für den Vertrauensbeweis danke ich den Wählern. Allerdings habe ich allergrössten Respekt davor. Ich werde alles daransetzen, die Erwartungen zu erfüllen.

Sie hatten die Stelle als Schulleiter bereits vor der Wahl gekündigt. Darin lag ja ein gewisses Risiko.

Ich wollte die Schulleitung bewusst in andere Hände geben. Es ging aber nicht darum, mich zu entlasten, sondern ich wollte einen Leitungswechsel herbeizuführen. Als Lehrer habe ich noch nicht gekündigt. Ich hätte bei einer Nicht-Wahl also weiterhin unterrichten können.

Haben Sie schon Kontakte zu anderen Gemeinden geknüpft?

Etliche Gemeindepräsidenten haben mir am Wahlsonntag gratuliert. Ich will den Kontakt zu den umliegenden Gemeinden aktiv suchen, auch im Hinblick auf die Fusionsgespräche. Zudem will ich den Austausch mit dem Gewerbe in Zuchwil pflegen. Da steht ein gerüttelt Mass an Arbeit bevor.

Wie wichtig sind die Kontakte zur Wirtschaft für die Gemeinde?

Sehr wichtig. Es ist matchentscheidend, mit den grossen Firmen einen guten Kontakt zu pflegen. Ich komme ja aus dem Schulbereich und habe nicht die gleichen Kontakte wie jemand, der sich in der Wirtschaft etabliert hat. Dieses Defizit will ich aktiv bearbeiten.

Klopfen Sie auch bei den grossen Unternehmen wie Scintilla oder Synthes an?

Gerade mit der Scintilla hatten wir schon während meiner Zeit in der Gemeinderatskommission einen regen Austausch. Das will ich weiterführen. Für die Gesundung unserer Finanzen ist es wichtig, dass grosse Firmen hier bleiben. Wenn sie abwandern, sieht es für die weitere Zukunft schlimm aus.

Und die kleinen Firmen?

Auch die kleinen und mittleren Unternehmen sind wichtig. Das zeigt der Blick auf die Mischung im Riverside Business Park. Im Zusammenspiel helfen die Firmen uns, die Finanzen ins Lot zu bringen.

Sie wollen mehr Gewerbe nach Zuchwil holen. Wie genau?

Es wäre vermessen, wenn ich schon konkrete Strategien ausgearbeitet hätte. Wir müssen Institutionen wie die Wirtschaftsförderung Innostep anzapfen. Zuchwil ist interessant für Firmen, was die Infrastruktur und die brillante Lage mit Bahn- und Autobahnanbindung anbelangt. Komisch ist bloss, dass der Verwaltung manchmal angelastet wird, zu wirtschaftsfreundlich zu sein und zu viele Konzessionen zu machen. Aber wenn wir das nicht machen, machen es andere. Wir müssen zu unserem Wohl schauen.

Würden Sie auch Konzessionen im steuerlichen Bereich eingehen? Allenfalls bilateral mit Firmen?

Soweit würde ich nicht gehen. Es sind nicht einige Steuerprozente mehr oder weniger, die Firmen nach Zuchwil bringen. Der Umgang mit den Behörden und die Bewilligungspraxis sind mindestens ebenso entscheidend. Wir müssen uns auch nach den gesetzlichen kantonalen Grundlagen richten. Wenn es jedoch um die Wertschöpfung oder um die Schaffung neuer Arbeitsplätze geht, müssen Konzessionen im Bereich der Steuereinnahmen ein Thema sein.

Wie stehen sie zum geplanten Elektrofachmarkt im Ausserfeld?

Ich weiss nicht, ob es sich um einen Media-Markt handelt. Aber es wäre kein Unglück, wenn dort kein Riesenbau und Verkehrsmagnet entsteht. Das Land könnte man wertschöpfender nutzen. Von einem Media-Markt hätte Zuchwil steuerlich nicht viel. Andererseits: Wenn schon eine solche Ansiedlung, dann im Ausserfeld.

Der Finanztrend ist negativ. Wie wollen Sie das Ruder herumreissen? Mit Steuererhöhungen?

Ich glaube, die Steuererhöhungen sind ausgereizt. Für eine Gesundung ist es einerseits wichtig, zur Wirtschaft und zur Industrie Sorge zu tragen. Andererseits möchten wir mehr gute Wohnungen für gute Steuerzahler. Ein Thema ist auch, weniger auszugeben. Ich werde sicher eher einen Sparkurs verfolgen. Wenn wir Geld ausgeben, etwa in die Infrastruktur, muss eine absolute Notwendigkeit bestehen.

Derzeit entstehen viele neue Wohnungen. Braucht Zuchwil potentere Steuerzahler?

Ein Wachstum ist im qualitativen Bereich, aber nicht bei den Einwohnerzahlen gefragt. 15 000 Einwohner ist für Zuchwil kein realistisches Ziel. Allerdings können neue Wohnungen mit einem hohen Standard bessere Steuerzahler anlocken, welche die Finanzen verbessern würden. Zuchwil hat nicht mehr viele Grünflächen und Bauland. Wenn man baut, soll dies im Sinne der Verdichtung geschehen, mit möglichst hoher Qualität auf möglichst engem Raum.

Wie beurteilen Sie die Zuchwiler Bevölkerungsstruktur, auch mit Blick auf das Steuersubstrat?

Natürlich wären wir froh um ein besseres Steuersubstrat, aber das hat nichts mit den Menschen zu tun. Ich würde keine einzige Person aus Zuchwil in die Wüste schicken wollen, nur weil sie weniger verdient oder gar armengenössig ist. Ich stehe zu unserer momentanen Struktur, und die ist nun mal anders als in Solothurn. Dafür hat Solothurn nicht diese kulturelle Vielfalt wie wir. Diese ist unheimlich bereichernd und nicht etwa belastend.

Soll man den Austausch mit der ausländischen Bevölkerung fördern?

Selbstverständlich, und da haben wir mit dem Verein «Zusammen in Zuchwil» eine gute Plattform. Auch in der Schule haben wir diesen Austausch gefördert, sei es in Bezug auf Lehrer oder Eltern. Wir stehen zu unserer Vielfalt.

Am Sonntag gingen nur 37 Prozent wählen. Ein Ausdruck von Politikverdrossenheit?

Vielleicht wissen die Leute nicht mehr, welches Glück sie haben, wählen zu können. Es ist zwar schade, dass nur 37 Prozent gewählt haben. Aber ich interpretiere das so, dass die Leute das Gefühl haben, dass die Dinge gut laufen. Wer eine Meinung abgeben wollte, der hat das getan.

Wie stehen Sie zum teuren Sportzentrum?

Ich habe keine Patentlösungen. Doch wir brauchen neue Möglichkeiten. Es muss uns gelingen, die finanzielle Basis für das Sportzentrum regional zu verbreitern. Ein anderer Ansatz wäre der Einbezug privater Investoren. Das wird eine Knacknuss, an der wir noch zu beissen haben werden. Denn wir können uns das Sportzentrum im Moment eigentlich nicht leisten.

Abhilfe schaffen könnte eine Fusion.

Das wäre die bequeme Haltung, aber für mich die falsche Motivation für eine Fusion. Klar ist: Ich bin ein Teamplayer. Wenn man Erfolge haben will, muss man zusammenarbeiten. Ich strebe breit abgestützte Entscheide an.

Sie werden Chef von rund 30 Verwaltungsangestellten. Leidet da nicht die politische Führung?

Ich gehe nicht davon aus, dass ich in den Departementen die gleiche Verantwortung habe wie die fünf Abteilungschefs. Sie können mir die fachliche, operative Arbeit abnehmen, damit ich Luft habe, den Gemeinderat zu leiten. Interessenskonflikte werden aber nicht zu vermeiden sein.

Wie Sie gesagt haben, befinden Sie sich im beruflichen Herbst. Sind sie ein Übergangspräsident?

Damit hätte ich keine Mühe. Wenn der Übergang in eine gute Zukunft führt, bin ich gerne ein Übergangspräsident. Ich möchte Zuchwil dorthin führen, wo es sich entwickeln kann.

Sie sind nun 58-jährig.

Wenn sich in vier Jahren innerhalb der SP eine gute Lösung abzeichnet, bin ich offen. Ich habe keine Mühe mit dem Alter. Wer das Alter nicht berücksichtigt, ist kein Realist.

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