Die neue Kreuzungsstelle für die RBS-Züge in Biberist ist in Betrieb, ein Nadelöhr auf dieser Linie damit beseitigt. Zusätzlich wurde der 15-Minuten-Takt der Züge etwas ausgeweitet. Auch die Buslinie wurde angepasst und hat einen 7,5-Minuten-Takt erhalten.

Wie aber wirkt sich dies auf den Verkehr in Biberist aus? Schon im Oktober haben Leser darauf hingewiesen, dass sich mit dem verdichteten Fahrplan der Verkehr zusätzlich stauen könnte. Wobei sich die Anzahl der Züge mit dem neuen Fahrplan nur gering erhöht habe. «Bisher waren es sechs Züge, neu sind es acht Züge in der Stunde in den Stosszeiten», erklärt Christine Schulz-Dübi, Mediensprecherin vom Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS). Aber zuvor hätten auch schon Leerfahrten zu einer grösseren Anzahl der Durchfahrten geführt. «Mir erscheint die Annahme, dass mit dem neuen Fahrplan massiv mehr Stau gibt, als subjektiv», so Schulz.

«Grundsätzlich staubelastet»

Augenschein um 7.20 Uhr. Noch ist es stockdunkel. Auf der Solothurnstrasse fliesst der Verkehr stockend, aber er fliesst. Schnell um den St. Urs-Kreisel und retour zur Bahnüberführung eingangs Biberist. 7.35 Uhr blinkt die Ampel beim Bahnübergang. Die Fahrzeuge halten. Die Barrieren senken sich und bleiben 45 Sekunden unten. Nach dem Öffnen der Barriere löst sich der Stau beinahe auf, bis sich 30 Sekunden später die Barriere wieder senkt.

Es dauert gut 60 Sekunden, bis der Gegenzug durchfährt. Nach rund 3 Minuten hat sich der Stau aufgelöst. Zu beobachten ist, dass sich der Verkehr vor allem beim Kreisel ausgangs Biberist nach Solothurn staut. Zeitweise erreicht die Kolonne den Bahnübergang. Eine Feststellung, die auch andernorts gemacht wird. «Die Strasse ist grundsätzlich staubelastet. Da wirkt die Barriere manchmal sogar wie eine Entlastung für den folgenden Kreisel», sagt Christine Schulz.

Barriere bleibt für zwei Züge unten

Nach einer Viertelstunde wiederholt sich das Barrierenspiel. Dieses Mal aber bleibt die Barriere gleich unten für den Gegenzug. Es dauert relativ lange, zirka 1,5 Minuten, bis nach dem Zug Richtung Bern der Gegenzug durchgefahren ist. Nun staut sich der Verkehr bis zum St. Urs Kreisel. Dieser ist verstopft. Sowohl von Lohn wie auch vom Dorfzentrum bilden sich beim Kreisel Kolonnen, Richtung Dorfzentrum aber nur bis zur ehemaligen Molkerei Lanz.

Schnell gewendet beim Coop-Kreisel hat sich aber der Stau schon wieder aufgelöst. Zügig kann Richtung Solothurn gefahren werden. Inklusive des Halts bei der Durchfahrt der Züge wurden die Autofahrer an diesem Morgen nach 7.20 Uhr maximal 6 Minuten aufgehalten. «Eigentlich ist vorgesehen, dass die Barriere sich zwischen den Durchfahrten kurz öffnet», erklärt die RBS-Mediensprecherin. Bei Verzögerungen im Fahrplan bleibe die Barriere aber gleich unten.

Massnahmen in der Pipeline

«Die Politik ist sich bewusst, dass sie etwas unternehmen muss», sagt Gemeindepräsident Martin Blaser. «Sonst riskieren wir, dass die Situation aus dem Ruder läuft.» In gewissen Regionen würden bereits heute verkehrstechnisch ungünstige Verhältnisse herrschen. «Zu Stosszeiten sind Wartezeiten natürlich ärgerlich für die Verkehrsteilnehmer.» Die Situation sei dennoch nicht als dramatisch zu beurteilen.

Im Rahmen des Agglomerationsprogrammes werden Massnahmen vorbereitet. Blaser erwähnt Pförtneranlagen sowie Busspur. Und: «Die zusätzlichen Zeiten mit geschlossener Schranke führen natürlich zu zusätzlichen stehenden Kolonnen, ermöglichen aber gleichzeitig – gerade in Spitzenzeiten – eine bessere Querung der Solothurnstrasse.» Insgesamt erachte er die Neuerung als verträglich. «Im besten Fall gibt sie zudem den notwendigen Impuls ‹umzusteigen›.» Biberist sei mit zwei Bahnlinien und drei Buslinien bestens an den öV angebunden.

Inzwischen ist es hell geworden. Das Licht der Strassenlampen ist wie von Geisterhand erloschen. Beim Bahnübergang auf der Bernstrasse Richtung Lohn geschieht Ungewohntes. Nach der Durchfahrt des ersten Zuges hebt sich die Barriere, aber die Lichtsignalanlage blinkt weiter. Nach einigen Sekunden senkt sich die Barriere wieder. Nach einer Weile fährt der Gegenzug durch. «Ein Zufall», sagt die RBS-Sprecherin. «Sobald die Barriere oben ist, erlischt die Warnampel. Offenbar hat in diesem Moment der zweite Zug den Einschaltpunkt erreicht und die Warnampel ist gleich wieder aufgeleuchtet.»