Amtsgericht Solothurn-Lebern
Statt einer 13-jährigen belästigte der Angeklagte eine Kosmetikerin

Ein Angeklagter hatte bizarres Glück: Er wollte einer 13-Jährigen pornografische Bilder schicken, hat aber versehentlich die Handynummer einer erwachsenen Frau erwischt. Der Mann wurde zu einer Busse von 400 Franken verurteilt.

Christoph Neuenschwander
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Der Angeklagte wurde wegen Pornographie und Missbrauch einer Fernsprechanlage zu einer Busse von 400 Franken verurteilt.

Der Angeklagte wurde wegen Pornographie und Missbrauch einer Fernsprechanlage zu einer Busse von 400 Franken verurteilt.

Oliver Menge

Jamila F.* staunte nicht schlecht, als sie im Oktober 2011 während der Arbeit eine SMS von einer unbekannten Nummer erhielt. Ob sie «geile Fotos» von sich und ihrer Schwester habe, wurde sie gefragt.

Der Unbekannte bot der dunkelhäutigen Frau fünf Franken, wenn sie ihm ein Nacktbild «von Arsch oder Titten» schicke - und sendete ihr seinerseits zwei pornografische Bildnachrichten, die er aus dem Internet heruntergeladen hatte.

«Ich war entsetzt», sagte Jamila F. an der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Verwirrend war zudem, dass sie ein drittes (nicht-pornografisches) Foto erhielt, auf dem zwei junge Mädchen zu sehen waren.

Jamila F. kannte eines der Mädchen: Es war die Tochter einer Kollegin. Kurz darauf folgte die Aufforderung des Unbekannten, ihm die Nummer von Malou* zu schicken - so der Name des Mädchens.

Die Nichte im Porno-Ordner

Zunächst konnte sich Jamila F. aus der ganzen Geschichte keinen Reim machen. Doch die Kosmetikerin informierte die Polizei und sprach mit Freunden und Bekannten über die Belästigung. Bald stellte sich heraus: Die unbekannte Nummer gehörte dem Ehemann einer früheren Kundin von Jamila F.

«Das Foto erkannte ich sofort», gab die Kundin Kira B.* gestern zu Protokoll. Sie hatte das Bild (das zweite Mädchen darauf ist ihre Nichte) zuvor schon einmal auf dem Laptop ihres Mannes Kevin B.* gesehen - beunruhigenderweise in dessen Pornosammlung.

Der Ehemann, ein 35-jähriger Schweizer, habe versprochen, die Sammlung zu löschen, fuhr Kira B. fort. Doch er sperrte lediglich den Laptop mit einem Passwort, sodass die Frau nicht mehr darauf zugreifen konnte. Inzwischen sind die beiden getrennt und lassen sich scheiden.

Mit Namensvetterin verwechselt

Als sie noch zusammenlebten, so Kira B., habe ihr Mann etliche Male hinter ihrem Rücken ihr Handy durchstöbert. «Er kopierte Telefonnummern von meinen Kolleginnen und belästigte sie», erklärte die Ehefrau.

Auf dieselbe Weise sei er an die Nummer von Jamila F. gekommen. Die bizarre Wendung in dem Fall ist aber folgende: Auf dem Handy von Kira B. war die belästigte Kosmetikerin Jamila F. lediglich unter ihrem Vornamen gespeichert. Ebenfalls unter «Jamila» eingetragen war ein damals 13-jähriges Mädchen: die Schwester von Malou, dem Mädchen auf dem Bild.

Jener Umstand, sowie der Inhalt der Textnachrichten, lege den Schluss nahe, dass Kevin B. gar nicht Jamila F., sondern das 13-jährige Mädchen kontaktieren wollte, führte Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten aus.

Nicht etwa der erwachsenen Kosmetikerin, sondern der minderjährigen Jamila habe etwa die SMS «Habe deine Mutter gefickt, jetzt will ich Malou» gegolten. Kevin B. habe lediglich die falsche Nummer vom Handy seiner Frau kopiert.

Unplausible Ausrede

Der Beschuldigte gab zwar zu, eine Pornosammlung zu besitzen und gelegentlich das Handy von Kira B. durchstöbert zu haben. Er stritt aber ab, besagte SMS und MMS geschickt zu haben.

Die Telefonnummer, von welcher die Nachrichten übertragen wurden, sei zwar auf seinen Namen eingelöst, er habe sie aber nie benutzt. Kevin B. unterstellte seiner Frau, die Nachrichten verfasst und versendet zu haben, um ihm eins auszuwischen.

Das Gericht hielt diese Version für wenig glaubhaft, da die SMS in Mundart verfasst waren und die Ehefrau nur Hochdeutsch spricht. Zudem hatte Kira B. keinen Zugriff auf die Pornosammlung, in welcher die gesendeten Bilder abgespeichert waren.

Und letztlich hätte die Frau wohl auch die Nummern der beiden Jamilas nicht verwechselt. Das Gericht verurteilte Kevin B. daher zu einer Busse von 400 Franken wegen Pornografie und Missbrauch einer Fernmeldeanlage.

Die Verwechslung stellt sich als glückliche Fügung für Kevin B. heraus. Wie das Amtsgericht auf Nachfrage bestätigt, wäre das Urteil ein anderes gewesen, hätte der Beschuldigte die Nachrichten wirklich an ein Kind geschickt.

In diesem Falle hätte er sich nicht wegen einer Übertretung, sondern wegen eines Vergehens mit einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren Haft verantworten müssen.

Name von der Redaktion geändert

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