Stahlwerk Gerlafingen
Stahlwerk Gerlafingen muss weitere Kurzarbeit beantragen

Stahl Gerlafingen kämpft weiterhin mit schwacher Nachfrage nach Bau- und Profilstahl. Bereits im Mai führte das Werk 5 Tage Kurzarbeit ein. Nun ist auch für den Juli Kurzarbeit geplant.

Franz Schaible
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Das Stahlwerk in Gerlafingen ist nicht ausgelastet.(Archiv)

Das Stahlwerk in Gerlafingen ist nicht ausgelastet.(Archiv)

Felix Gerber

Das Stahlwerk Gerlafingen leidet unverändert unter Absatzschwierigkeiten. Die während fünf Tagen im Mai eingeführte Kurzarbeit muss verlängert werden, wie Daniel Aebli, Personalchef der Stahl Gerlafingen AG, auf Anfrage erklärt. So wird im Stahlwerk im Juni an maximal acht weiteren Tagen das Arbeitsmarkt-Instrument eingesetzt. Zudem werde das Stahlwerk während einer Woche im Juli, unmittelbar vor dem üblichen Sommerstillstand, abgestellt. Betroffen sind wie im Mai 138 Angestellte. Der Umfang der Kurzarbeit beträgt für die Beschäftigten zwischen 10 und 20 Prozent.

Walzwerk nicht ausgelastet

Auch das Walzwerk (Profilstrasse) ist von den Massnahmen tangiert. wie Aebli weiter erläutert. «Dort werden wir für die Zeit vom 1. Juli bis 23. Juli Kurzarbeit beantragen.» Davon seien rund 40 Mitarbeitende betroffen. Diese würden teilweise in anderen Bereichen eingesetzt, sodass die Kurzarbeit im Einzelfall voraussichtlich zwischen 20 und 40 Prozent betragen wird. Auf dieser Anlage produziert Stahl Gerlafingen vorab Stahlträger und Flachprodukte für den Export. Die Personalkommissionen hätten, so Aebli, der Einführung der Kurzarbeit zugestimmt. Es sei zudem ausgehandelt worden, dass die 13. Monatslöhne aller Beschäftigten nicht gekürzt werden.

«Stellenabbau ist nicht geplant»

Wie es im zweiten Halbjahr weiter gehe, könne noch nicht beurteilt werden. «Der Geschäftshorizont im Stahlgeschäft beträgt nur wenige Wochen.» Für Ende Juni habe man mit den Personalkommissionen eine weitere Besprechung vereinbart. «Ein Stellenabbau ist nicht geplant. Wir werden aber über die Sommerferien weniger Temporärpersonal beschäftigen», sagt Aebli. Auch für das zweite Halbjahr sei momentan kein Arbeitsplatzabbau geplant.

Überkapazitäten in Exportmärkten

In den ersten vier Monaten hätten die ausgelieferten Stahlmengen nicht ausgereicht, um die Produktion voll auszulasten. «Wir haben 187 000 Tonnen ausgeliefert, budgetiert waren 241 400 Tonnen», rechnet Aebli vor. In der Vorjahresperiode seien 226 000 Tonnen abgeliefert worden. Beim Bewehrungsstahl (Baustahl) rechnet das Werk weiterhin mit einem monatlich steigenden Absatz, aber immer noch unter Budget. Zwar befinde sich der Bausektor in einer robusten Lage, aber der Preisdruck ausländischer Lieferanten sei gross, weil dort die Bauwirtschaft teilweise sehr schlecht laufe, erläutert Aebli weiter. Er liefert ein Beispiel: Ganz Frankreich verbaue weniger Bewehrungsstahl als die Schweiz.

Im Bereich Profilstahl seien die Lager immer noch zu hoch und die Verkäufe stagnierten wegen der schwachen Konjunktur in den Exportmärkten. Dies führe bei der dortigen Stahlproduktion zu Überkapazitäten. Die Mitbewerber hätten die Kapazitäten teileise schon länger reduziert.

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