Er komme gerne mit, um zu sehen, wie die Spitex Menschen in ihrem Alltag unterstütze, sagt Flury. «Ich weiss, wie wichtig diese Dienstleistungen sind, schliesslich habe ich die Spitex lange genug selbst gebraucht.»

Bei der ersten Station in einer Berggäuer Gemeinde wartet ein älteres Ehepaar. «Mein Mann ist parat», sagt die rüstige Gattin. Der 82-Jährige Mann begrüsst Claudia Hofmann sehr herzlich: «Ich freue mich immer, wenn ich sie sehe.» Nicht weil er einsam sei, nein, weil ihm die netten Frauen der Spitex ans Herz gewachsen seien.

Claudia Hofmann nimmt es mit einem Lächeln zur Kenntnis und salbt den sonst gesund wirkenden Senior, der an trockener Haut leidet, fachgerecht ein. «Eigentlich könnte ich meinen Mann ja selbst eincremen», sagt die Seniorin. Mit der Spitex fühle sie sich aber auf der sicheren Seite. Am Ende ihres Lateins wäre die 80-Jährige ohnehin, wenn sie ihrem Mann die sehr engen Stützstrümpfe überstreifen müsste.

Bevor Claudia Hofmann ein paar Häuser weiter zur nächsten Kundin geht, konsultiert sie ihr Handy. Dort ist die Tour mit den wichtigsten Details der Kunden eingetragen. «Abgefüllt» werden die Android-Handys in der Spitex-Zentrale in Egerkingen. Das Arbeitsinstrument erfasst die geleistete Arbeitszeit bei den Kunden.

Starthilfe geben am Morgen

Die nächste Kundin ist krebskrank und noch ein wenig gezeichnet von der Chemotherapie und der jüngst beendeten 30-tägigen Bestrahlung. Der Behandlung wegen hat sie ihre Haare verloren. Der müde wirkenden Frau huscht ein Lächeln über das Gesicht, als sie von Claudia Hofmann begrüsst wird.

«Ich freue mich immer, auch weil ich oft alleine bin», sagt die im Bett liegende Frau. Nun verhilft ihr Claudia Hofmann zu einem würdigen Start in den Tag. Dazu gehört die Körperpflege, welche die Frau wegen einer Diskushernie seit zwei Jahren nicht mehr selbst in ausreichenden Mass bewältigen kann.

Wie ein anderer Mensch

Nach der Morgentoilette und der Wundversorgung betritt ein scheinbar völlig anderer Mensch die Küche. Mit der Perücke wirkt die Frau schon fast jugendlich, ihre Stimme ist voller Zuversicht. Nun muss noch Blutzucker gemessen und Insulin verabreicht werden.

Sechs Tabletten muss die Frau zwei Mal täglich unter Aufsicht einer Spitex-Mitarbeiterin einnehmen. Sonst komme sie ganz gut ohne die Spitex aus, sagt die Frau. «Ich bin aktiv, viel unterwegs und koche auch noch jeden Tag selbst.» Derzeit ist sie am Aussuchen eines neuen Brillengestells. Mit den zur Auswahl stehenden Modellen sieht sie richtig chic aus, wie Markus Flury findet. Die Frau lächelt verlegen.

Sonst zum Arzt oder ins Spital

Der letzte Kunde an diesem Morgen wohnt im Nachbardorf. Auch der 87-Jährige und seine Frau warten schon. Der Mann bekommt drei Mal pro Woche Besuch von der Spitex, vorab zur Versorgung seines Dauerkatheters. Nach drei Monaten muss er diesen jeweils im Spital in Olten auswechseln lassen.

Die Zeit dazwischen schaut die Spitex, dass es nicht zu Komplikation kommt. «Es gibt keine Auffälligkeiten, alles ist in Ordnung», sagt Claudia Hofmann nach der rund zehn Minuten dauernden Behandlung. Die 79-jährige Ehefrau ist erleichtert. «Wir sind froh, dass die Spitex diese Aufgaben übernimmt. Wer könnte uns denn sonst helfen. Wir müssten zum Arzt oder ins Spital. Dafür sind wir dankbar.»

Dankbar, bei einer Tour mit dabei sein zu dürfen, war auch der Oensinger Gemeindepräsident Markus Flury. «Es ist schon beeindruckend, mit welcher Professionalität die Spitex heute arbeitet und mit wie viel Herz die Mitarbeitenden ihren Kundinnen und Kunden immer wieder von Neuem begegnen. Davor habe ich grossen Respekt und möchte ihnen an dieser Stelle auch vonseiten der Politik ein grosses Dankeschön aussprechen.»

«Arbeite gerne bei der Spitex»

Claudia Hofmanns Arbeitstag ist indessen noch nicht zu Ende. Am Nachmittag geht sie ein zweites Mal auf Tour. Sechs bis zehn Kunden schafft sie pro Tag, je nach Arbeitsanfall. Sie sei gerne in diesem Beruf tätig, sagt die 23-Jährige. «Das Schönste an unserer Arbeit ist, dass wir so viele unterschiedliche Leute kennenlernen.

Ich würde diesen Beruf wieder wählen, auch wenn man manchmal an den Schicksalen der Kundinnen und Kunden mitträgt.» Dank der breiten Abstützung innerhalb der Spitex könne sie auch solche zum Berufsalltag gehörenden Ereignisse aber gut bewältigen.