Der Spielplatz Zebra in Egerkingen ist um eine Attraktion reicher. An der aus Eschenholz gefertigten Dampflokomotive haben die Kinder ihre helle Freude. Imaginäre Fahrten stehen seit der Installation des Holzspielgerätes am 23. Juni dieses Jahres hoch im Kurs, wie Sonja Brotzer beim gestrigen Lokaltermin erwähnt. Auch die Mutter von zwei Buben im Alter von 11 Monaten sowie 4 Jahren freut sich über den neuen Spielzug, welcher auch dank ihrer Initiative und der Mithilfe anderer Mütter Realität geworden ist. Lanciert wurde diese Aktion, um den Kindern im Dorf und auch der Gemeinde ein schönes Geschenk zu machen. «Das war unsere Motivation», betont Sonja Brotzer.

Die Freude der 46-Jährigen wird allerdings durch die noch vollends gedeckten Kosten für das Spielgerät getrübt. Diese sind nämlich massiv aus dem Ruder gelaufen. Statt wie angenommen 1000 Franken kostet die Spielzugkomposition nun 3800 Franken. Zuviel für die von Sonja Brotzer gegründete Interessengemeinschaft (IG) Spielplatz Zebra, in deren Kasse wegen der von der Gemeinde untersagten Sammelaktion auf Facebook gähnende Leere herrscht. Mit dieser Facebook-Gruppe, der übrigens über 30 Personen angehören, wollten die Frauen das Projekt bekannt machen und auch das nötige Kapital auftreiben.

Gemeinderat gegen Facebook-Aktion

Bei der Gemeinde kam diese Aktion allerdings nicht gut an, wie Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi auf Anfrage erklärt. «Solche Betteltouren im Internet sind nicht gerade Image fördernd für die Gemeinde», stellt die Gemeindepräsidentin klar. Um die Aktion im Internet zu unterbinden, sprach der Gemeinderat in der Folge die damals noch zur Diskussion stehenden 1000 Franken für das Projekt auf dem Spielplatz Zebra.

Diese Kosten wurden aber wie erwähnt bei Weitem überschritten. «Kunsthandwerker Simon Nünlist hat mir gesagt, dass der Holzzug etwas teurer als veranschlagt werden könnte», sagt Sonja Brotzer dazu. Eine genaue Summe habe Nünlist aber nicht genannt. Mit einer Rechnung im Betrag von 3800 Franken habe sie aber auf keinen Fall gerechnet.

Rüffel für die Gemeindepräsidentin

Keinen anderen Ausweg mehr vor Augen, suchte Sonja Brotzer erneut das Gespräch mit Johanna Bartholdi. Die Gemeindepräsidentin liess sich schliesslich erweichen und erhöhte den Gemeindebeitrag für den Spielzug in eigener Kompetenz um weitere 1500 Franken auf insgesamt 2500 Franken. «Ich wollte, dass die Facebook-Aktion endlich aus dem Netz kommt», begründet die Gemeindepräsidentin ihr Handeln.

Der Gemeinderat beurteilte Bartholdis Verhalten indessen als übereilt und erteilte ihr offiziell einen Rüffel. «Meine finanzielle Kompetenz habe ich bei diesem Entscheid zwar nicht überschritten, dennoch hätte ich rückblickend erkennen müssen, dass die veranschlagten 1000 Franken für dieses Spielgerät nie und nimmer reichen werden», meint Johanna Bartholdi zum Verweis des Gemeinderates.

«Hoffen auf Spenden»

Sonja Brotzer bedauert, dass das gut gemeinte Projekt so aus dem Ruder gelaufen ist. «Wir wollten die Allgemeinheit auf keinen Fall belasten. Im Gegenteil, wir wollten allen eine Freude machen. Primär sind wir halt Mütter und keine Geschäftsfrauen.» Nun stehe die Schadensbegrenzung im Vordergrund. «Wir hoffen natürlich immer noch auf Spenden, um die fehlenden 1300 Franken auftreiben zu können.» Das Konto bei der Raiffeisenbank in Egerkingen bestehe immer noch.

Kunsthandwerker Simon Nünlist geht davon aus, dass er zumindest einen Teil des noch ausstehenden Betrages ans Bein streichen muss. Er räumt aber auch eigene Fehler ein. «Ich habe den Frauen wirklich nie gesagt, wie teuer der Holzzug effektiv wird.» Allein das Material und der Transport der Baumstämme aus dem Niederbuchsiter Wald in sein Egerkinger Atelier hätten rund 1800 Franken gekostet. Dass nun die Initiantinnen für den Restbetrag gerade stehen müssten, wolle er aber nicht.

Bereicherung für den Spielplatz

Zumindest in einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Die neue Holzlokomotive mit ihren zwei Waggons im Schlepptau ist eine echte Bereicherung auf dem Spielplatz Zebra, an welcher sich die Kinder noch über Jahre erfreuen können.