Biberist

Spektakuläre Züglete – «Alpaufzug» in den neuen Marti-Stall

Vier Generationen lang arbeitete die Bauernfamilie Marti aus Biberist im heute denkmalgeschützten Hochstudhaus. Jetzt hat sie ihre Tiere in ihr neues Zuhause ausgesiedelt.

Es ist halb neun Uhr morgens. 20 Red-Holsteiner-Kühe stehen im Laufhof an der Moosstrasse 14 bereit. Ob sie wohl spüren, dass an diesem Tag etwas ganz Besonderes geschieht? Zum letzten Mal haben sie nämlich im alten Stall des 1781 erbauten denkmalgeschützten Hochstudhauses übernachtet.Am Abend erwarten sie speziell breite Liegeboxen von 136 Zentimetern im neuen Stall zwischen Biberist und Ammannsegg.

Hans und Kyra Marti mit ihrer Tochter Denise haben den mutigen Entscheid der Aussiedlung lange geplant. Den landwirtschaftlichen Betrieb im Hochstudhaus - Urgrossvater Jakob-Andreas Marti hatte das Anwesen im Jahr 1915 gekauft - führten vier Generationen. Mit Tochter Denise ist die fünfte Generation bereits im Einsatz. Was der neue Besitzer mit dem Bauernhaus vorhat, ist noch nicht klar.

Unbegrenzt fressen

Gegen neun Uhr beginnt, einem Alpaufzug gleich, der Fussmarsch Richtung Junkholz. Allen voran schreiten die Bauersleute, unterstützt von zehn Helfern. Freudig verfolgen die Anwohner der Moosstrasse das Treiben. Während sich die Kühe vorerst auf der Weide vor dem Stall an ihr neues Zuhause gewöhnen, geniesst die Treiberschar ein währschaftes Znüni.

1184 Quadratmeter gross präsentiert sich der imposante Stall. Die Liegeboxen sind mit einer speziellen Kalk-Stroh-Matratze belegt, auf welcher sich Bakterien schlecht vermehren können. Viermal täglich befördern zwei breite Schieber den Mist automatisch in die 800 Kubikmeter grosse Jauchegrube. Die Kühe dürfen sich zu Musikklängen nicht nur frei bewegen, sondern auch fressen – ein Gemisch aus Heu und Silage – so viel sie wollen, Gewichtsprobleme kennen sie nicht.

Einzig bei der computergesteuerten Abgabe von Eiweisskonzentrat und Milchviehfutter regelt ein Chip am Halsband die tägliche Menge. Dieser Chip macht die Bauernfamilie aber auch darauf aufmerksam, wenn eine Kuh kränkelt und sie das Kraftfutter nicht abholt.

Wellness im Laufstall

Im Laufstall ist mit der auffallend gelben Bürste fast ein bisschen Wellness eingezogen. Die Red Holsteiner erkunden neugierig die massageähnliche Wirkung des sich bei Berührung automatisch drehenden Dings. Zweimal täglich durchlaufen die Kühe das ausgeklügelte System der Melkanlage, ausgerüstet mit Bildschirmen. Separate Abteile haben das Gustvieh und die Kälber. Sogar ein spezieller «Gebärraum» steht zur Verfügung.

Riesig erweisen sich die Platzverhältnisse für Maschinen sowie für Futtervorräte, die mit einem an der Decke befestigten Kran befördert werden können. Im separaten Büro mit entsprechendem Computer laufen sämtliche Daten jeder einzelnen Kuh zusammen.


Spätabends haben die Red Holsteiner ihre Liegeboxen gefunden und scheinen sich in ihrem neuen Zuhause wohl zu fühlen. Bemerkte Bäuerin Kyra Marti am Vortag des Auszugs noch etwas besonnen: «Wir nehmen es Schritt für Schritt», gibt sich die Bauernfamilie nach dem geglückten Viehumzug sichtlich erleichtert. Nun steht nämlich «nur» noch die Züglete ihrer Wohnung ins neue Bauernhaus bevor.

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