«Saubannerzüge durch das Schwarzbubenland»; weit zurück in den Geschichtsbüchern musste Marcel Schenker, Kantonsratskandidat für die SVP in Breitenbach, um seinem Ärger in einer Mitteilung auf Facebook Luft zu machen. Der Hintergrund: Plakate der SVP sind im Schwarzbubenland Opfer von Vandalenakten geworden. Einige davon heruntergerissen, andere mit Aufklebern versehen, ein Porträt gar deutlich mit Schnauz und Seitenscheitel mit dem Nationalsozialismus in Deutschland in Verbindung gebracht worden.

Für Schenker ein neues Phänomen: «Bei den Landratswahlen 2015 im Baselland, bei denen ich mich zur Wahl stellte, kam dies im Wahlkreis Laufen nicht vor.» Er selbst sei insofern betroffen, als dass ein Plakat von ihm in Breitenbach erst überklebt und dann heruntergerissen wurde. Zumindest bei diesem Fall sei jedoch die Täterschaft zur Rede gestellt worden, wie Schenker auf Anfrage sagt.

«Es waren Halbwüchsige, welche mit der SVP-Politik nicht zufrieden sind, selber aber nicht aktiv politisieren», beschreibt Schenker die Täter, welche sich im Postauto verplappert haben sollen. Von einer Anzeige sieht Schenker jedoch ab, auch wenn er nun weiss, wer die Täterschaft ist. «Ich wäre froh, wenn etwa an Standaktionen direkt mit uns über verschiedene Ansichten diskutiert würde, statt Plakate runterzureissen, welche nicht der eigenen politischen Meinung entsprechen», sagt Schenker.

Zwar sei die Menge der zerstörten Plakate im Verhältnis nicht gross. Doch dies mache die Aktion nicht weniger schlimm. «Es ist einfach schade, dass so etwas passiert», sagt Schenker.

Zwei Täterschaften

Schenker schreibt in seiner Mitteilung weiter, dass mit den Zerstörungsakten ein Phänomen aus den Städten und den Agglomerationen das Land erreicht habe. Angesprochen darauf, dass eine Gruppe Halbwüchsiger noch auf keine generelle Verrohung auf dem Land schliessen lässt, sieht Schenker zwei getrennte Täterschaften. Die Aufkleber, mit denen andere Plakate versehen wurden, seien etwa in Zürichdeutsch gedruckt worden. Zum Beispiel mit den Worten «Niemert wöt das». Die Aktionen seien zudem nicht am gleichen Tag passiert.

Dies lasse darauf schliessen, dass es nicht dieselbe Täterschaft sei, wie konkret beim Herunterreissen seines eigenen Plakats in Breitenbach. Auch, dass Kantonsratskandidat Guido Halbeisen auf einem Plakat an der Passwangpassstrasse in Richtung Beinwil in die Nazi-Ecke gestellt wird, sieht Schenker eine andere Täterschaft.

Das Plakat, auf dem der ehemalige Landrat und jetzige Kandidat für die Solothurner Kantonsratswahlen Guido Halbeisen mit Schnauz und Seitenscheitel mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht wird, hängt noch immer in Beinwil. Darüber prangt ein neues, ebenfalls mit dem Gesicht von Halbeisen, jedoch ohne Schmierereien drauf. Warum wurde das verunstaltete Plakat nicht heruntergenommen? «Es kann nicht sein, dass die SVP und die Kandidaten mit einem Massenmörder und einem Menschenvernichter verglichen werden. Um zu sensibilisieren, haben wir dieses Plakat an Ort und Stelle gelassen», sagt der betroffene Halbeisen.

Er sieht im Nachgang der Aktion zudem eher Vorteile für seine eigene Wahlkampagne. So solidarisiert man sich etwa auf Halbeisens Facebookseite bereits mit ihm: «Jetzt erst recht SVP», schreibt ein Kommentator zum Thema. Was Halbeisen am meisten stört: «Das Hakenkreuz, welches das Schweizerkreuz verschandelt, ist eine absolut tragische Angelegenheit.» Doch von einer Anzeige sieht Halbeisen momentan ab.

Sonst keine grossen Schäden

Andere Parteien sind von ähnlichen Aktionen im Schwarzbubenland bisher weitgehend verschont geblieben. Mark Winkler von der FDP Dorneck-Thierstein spricht von Einzelfällen, nur der Wind habe in den letzten zwei Wochen etliche Plakate niedergerissen. SP-Amteipräsidentin Irene Meier weiss von keinerlei Schäden, welche ihre Partei zu beklagen hätte.