«Bei diesen Preisen lacht der Biber» – mit diesem Spruch lockte das Reisebüro Biber Travel Reisefreudige aus der ganzen Schweiz an. Die Herbstferien stehen vor der Tür, viele wollen den Sommer unter südlicher Sonne verlängern. Die Angebote der Biberister Firma sind allerdings zu schön, um wahr zu sein. So wird eine achttägige Reise nach Dubai für 999 Franken offeriert, inklusive Flug und Halbpension. Oder wie wärs mit acht Tagen Mallorca für 399 Franken? Zahlreiche Kunden liessen sich auf die Dumping-Angebote ein.

Bereits nächsten Mittwoch sollten die ersten Flieger starten. Doch nun bleiben die meisten auf gepackten Koffern sitzen. Flugtickets haben sie nie erhalten, im Reisebüro in Biberist bleibt die Tür zu. Auch Beatrice Stuber aus Gossliwil wollte mit ihrer Familie nach Gran Canaria fliegen und hat die Rechnung eingezahlt, wie Radio 32 berichtet. Eine Bestätigung für Flug und Hotel hat sie allerdings nie erhalten. Sie ist enttäuscht. «Es wären die ersten Ferien mit dem Flugzeug ans Meer gewesen.»

Geprellte in der ganzen Schweiz

Wer auf dem Reisbüro in Biberist reklamieren will, wird durch einen Zettel abgewimmelt und gebeten, das Bürogebäude zu verlassen und sich telefonisch bei «Herrn Weisskopf zu melden». Man werde in den nächsten Tagen über einen «Garantiefonds» informiert. Auf der Gemeindeverwaltung und dem Polizeiposten in Biberist läutet das Telefon dagegen seit Tagen sturm.

«Uns erreichen sehr viele verärgerte Leute aus der ganzen Schweiz», bestätigt Michael Ruefer, Leiter zentrale Dienste der Gemeindeverwaltung. Sie alle haben eine Reise gebucht, aber nichts dafür erhalten. Auch in Ruefers privatem Briefkasten in Oekingen war das Flugblatt mit den dubiosen Angeboten gelandet. Und Polizeisprecherin Melanie Schmid bestätigt, dass auf dem Polizeiposten zahlreiche Reklamationen eingegangen sind. Mehrere Quellen lassen verlauten, dass «sehr viele Personen aus Biberist und Umgebung» geprellt worden sind.

Verfahren wegen Veruntreuung

Inzwischen hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie hat eine Strafuntersuchung wegen Veruntreuung eröffnet, wie die stellvertretende Oberstaatsanwältin Sabine Husi sagt. «Dies aufgrund von Strafanzeigen, welche Kunden der Firma eingereicht haben.» Die Ermittlungen seien immer noch im Gang, deshalb würden keine weiteren Auskünfte erteilt. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

Dass nun viele um ihre Ferien zittern müssen, liegt laut Peter Weisskopf, der sich als «Berater» von Biber Travel ausgibt, an der Kündigung der Kundengeldversicherung. Die Firma TPA Travel Professionals Association mit Sitz in Cully habe die Garantien Knall auf Fall gekündigt. In der Folge hätten sich Investoren zurückgezogen. Weisskopf beteuert allerdings, die Kunden nicht schädigen zu wollen. «

Die Reisen in die Südtürkei können durchgeführt werden.» auch Ferien, die via Biber Travel bei anderen Reisebüros gebucht wurden, etwa bei Hotelplan, sind abgesichert. Wer aber nach Mallorca, Gran Canaria oder Dubai fliegen wollte, hat das Nachsehen. Das Geschäft in Biberist bleibe vorderhand geschlossen. «Aus Sicherheitsgründen», so Weisskopf. Marcel Waldvogel, der die Geschäfte von Biber Travel seit Februar 2012 leitet, war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

In finanzieller Schieflage

Die Firma TPA, die in erster Linie Kundengelder von kleinen Reisebüros schützt, hatte ihre Garantien am 19. September zurückgezogen, nachdem sie von der Ombudsstelle auf finanzielle Ungereimtheiten bei Biber Travel aufmerksam gemacht worden ist. Die Ombudsstelle griff ein, als bei einer Dubaireise ein «massiver Vertragsbruch» begangen wurde. Das würde es in der Branche nicht vertragen, so TPA-Geschäftsführerin Sonja Laborde. Die Kundengeldversicherungen für Biber Travel seien seit dem 20. Juli ausgestellt worden. Am 19. September habe man sich unverzüglich zurückgezogen. Versicherungen, die dazwischen abgeschlossen worden sind, würden gedeckt.

Sie macht ausserdem darauf aufmerksam, dass solche Billigangebote keine seriösen Angebote seien. «Wenn etwas so günstig angeboten wird, so ist das suspekt.» Laborde rät den geprellten Kunden, Strafanzeige einzureichen.