Testplanung, Masterplanung und nun Räumliches Teilleitbild: erstmals kann die Bevölkerung von Riedholz zur Industrieanlage der Borregaard auf der Nordseite der Aare mitreden. Sie erhält mit dem Entwurf des Räumlichen Teilleitbildes Attisholz Nord viel Diskussionsstoff.

Die Absicht, einen städtischen Raum an die Aare zu zaubern, ist nach wie vor die Mutter aller Gedanken. Letzten Endes wird gar mit Konkurrenz zum übermächtigen Solothurn geliebäugelt. Dort verhindert vorderhand Güsel das Quartier am Wasser. Hier in Riedholz könnte dieses viel früher realisiert werden. Belastete Standorte hats zwar auch, aber Lothar Kind, Geschäftsführer der Attisholz Infra AG, relativiert. «Das Areal ist bereits sehr gut untersucht. Wir wissen, was wo ist.»

Das Teilleitbild liegt als Entwurf vor. Es spurt behördenverbindlich die Entwicklung des Areals in den nächsten Jahrzehnten vor. Die Bevölkerung wird mit einem Fragebogen ermuntert, «den dritten Dorfteil von Riedholz zu gestalten», wie es Gemeindepräsidentin Jasmine Huber formuliert.

Die Fragen sind einfach gehalten: Was muss im Attisholz auf jeden Fall passieren? Was darf im Attisholz nicht passieren? Was spricht Sie im Teilleitbild besonders an? Was fehlt? Am 29. April erfolgt ein Informationsabend, am 3. Mai können die Einwohner von Riedholz in Führungen den neuen Dorfteil besichtigen (mit anschliessendem Workshop), und am 8. Mai endet die Mitwirkung.

Die Ortsplanungskommission wird die Mitwirkungseingaben filtern und dem Gemeinderat vorlegen. Dieser wird das Räumliche Teilleitbild zuhanden der Gemeindeversammlung vom 23. Juni verabschieden.

Gemeinderat am Steuer

Mit dem behördenverbindlichen Räumlichen Teilleitbild kann Lothar Kind konkret bei Investoren vorsprechen. Es besteht Planungssicherheit. Für Investoren wird die Wirtschaftlichkeit kalkulierbar.

Nach wie vor ist es das Ziel der Attisholz Infra AG, «die Perle an der Aare» als Ganzes einem Investor zu veräussern. Der norwegische Mutterkonzern Orkla will sich ganz zurückziehen. «Aber wir müssen uns auch einen Plan B überlegen, wenn wir das gesamte Areal nicht einem einzelnen Investor verkaufen können», sagt Lothar Kind.

Attraktive Promenade

«Wir brauchen Gewerbebetriebe in Riedholz», so Jasmine Huber. Wegen Neuzuzügern mache sie sich weniger Sorgen. «Riedholz ist ein begehrter Wohnort. Letztes Jahr hatten wir 136 Neuzuzüger. Wir wollen etwas Besonderes schaffen, altes mit neuem verbinden, den Aareraum öffnen, das kann die Stadt Solothurn in dieser Form nicht bieten.»

«Und wir beabsichtigen, die im Leitbild bezeichneten Bauten und Anlagen, wenn möglich zu erhalten, um den Industriecharakter des Areals zu bewahren», ergänzt Pia
Ringenbach, die Präsidentin der Ortsplanungskommission. «Attraktiv sind die Bauten an der Aare, die näher als heute baugesetzlich erlaubt
zum Wasser liegen. Sie bieten sich für öffentliche Nutzungen wie Restaurants oder Kulturbetriebe geradezu an.»

Die grobe Unterteilung des Areals nimmt diese Gewichtung auf. Vorne an der Aare eine prominente Promenade mit Gastro- oder Dienstleistungsbetrieben. In der ersten Baulinie ist eine Mischnutzung mit dichtem Wohnen und Gewerbe angedacht und rückwärtig liegt das Schwergewicht bei der Arbeitsplatznutzung.

Im äussersten Westen ist eine Zone nur für Wohnen vorgesehen. Auch die Gehöfte rund um das Industrieareal erhalten ein Potenzial zur Entwicklung als attraktive Wohnlage. Im Vollausbau könnte Wohnraum für 300 bis 800 Einwohnerinnen und Einwohner entstehen. Denkbar seien 600 bis 1000 Arbeitsplätze in Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben.

Finanziell will Riedholz von zusätzlichem Steuersubstrat profitieren und gleichzeitig nicht mit Ausgaben für die aufzubauende Infrastruktur für Verkehr und Leitungen überfordert werden. Im Attisholzquartier werden aber keine öffentlichen Gebäude gebaut. Kinder sollen beispielsweise die Schulen der Gemeinsamen Schule Unterleberberg besuchen.