Die Menschen im Alter nicht in ein abgeschottetes Quartier auslagern, sondern mittendrin behalten, wo das Leben pulsiert – und zwar in Oensingen. Zehn Jahre dauerte es, bis aus der Vision der Roggenpark entstanden ist: Vier Häuser mit 48 Wohnungen sowie Geschäfts- und Gewerbelokalen, einem Kompetenzzentrum der Genossenschaft für Alter und Pflege Gäu und einer Tiefgarage. Gesamtkosten gut 40 Mio. Franken. Nächstens ziehen die ersten Bewohner ein.

Hohe Ansprüche – raumplanerisch wie architektonisch – begleiteten die Vision bis zur Realisierung. Denn Oensingen mit seinen 6000 Einwohnern ist eine Zentrumsgemeinde mit städtischem Charakter. Der neue Kern müsse einen klaren und modernen Akzent setzen und über eine hohe zeitgemässe Funktionalität verfügen, heisst es in einem Raumplanungsbericht. Ferner sollen sich die Häuser in die bestehende Bausubstanz einfügen sowie die Subzentren Mühlefeld und Sunnehof zu einem wirkungsvollen Ganzen zusammenführen.

Wie wirkt nun der Roggenpark?

Fügt er sich so wie gewünscht in das Umfeld ein? Wir setzten die Fotografen Hanspeter Bärtschi und Felix Gerber (airshot.ch) darauf an. Der eine konzentrierte sich auf die Architektur und die Wirkung der Materialien. Der andere zeigt die neuen Gebäude in ihrem Umfeld aus der Vogelperspektive. Dazu liess er eine Drohne mit Kamera in die Höhe steigen. Das Resultat dieser Fotoarbeiten ist auf dieser Doppelseite zu sehen.

Aber wir wollten auch Meinungen aus der Bevölkerung aufnehmen und hörten uns in Oensingen um. «Das sind nicht die fantastischen Vier, sondern die fürchterlichen Vier», lautete eine Aussage. Diese spielt auf den Architekturwettbewerb an, bei dem das Projekt «Die fantastischen Vier» von den B.F.I.K Architects, Fribourg, als Sieger hervorging, umgesetzt wurde das Projekt von der bfb AG, Management, Planung, Bau, Egerkingen. Warum fürchterlich? «Viel zu mächtige Klötze, viel zu nahe beieinander», heisst die Antwort.

«Wer da wohnt, hat ständig die Wand des nächsten Hauses vor der Nase.» Mehrere Befragte aber halten den Roggenpark für ein mutiges Werk. Da sei echt ein Akzent gesetzt und der Raum gut ausgenützt worden. Besonders gefällt die Fassade mit dem Klinker. Irritierend wirke hingegen die gläserne Balkonbrüstung, weil sie nur gut zur Hälfte milchig sei. «Da könnte man meinen, die Scheibe sei nicht richtig geputzt worden.»

Wie stehts mit der ebenfalls verlangten Funktionalität?

Aus Sicht der Architekten ist sie sicher gegeben. Entscheidend aber wird das Urteil jener Leute sein, die im Roggenpark leben und arbeiten werden. Zum Beispiel Seniorinnen und Senioren, die bis jetzt in Häusern der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) wohnen. Deren 26 können am 3. Juni in Oensingen in die neuen Räume einziehen. Bevor man sie um ihre Meinung bitten wird, sollte man ihnen aber Zeit geben, sich an den neuen Wohnort zu gewöhnen.