Kriegstetten
Sie wollen das «Filetstück» der Gemeinde Kriegstetten nicht verlottern lassen

Die Bewohner des Bauernhauses auf dem Zimmermann-Areal in Kriegstetten werden aktiv. Sie wollen das Haus nicht verlottern lassen und investieren Zeit und Geld in die Wiederbelebung des Areals.

Urs Byland
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Marco Jäggi kämpft für den Erhalt des Bauernhauses.

Marco Jäggi kämpft für den Erhalt des Bauernhauses.

Urs Byland

Wo Gras wächst, sind die Blumen nicht mehr fern. Symbolisch scheint sich dieser Spruch in Kriegstetten zu bewahrheiten. Die Rede ist vom Zimmermann-Areal. Auf dem beinahe 5000 Quadratmeter grossen Areal steht ein Bauernhaus an der Hauptstrasse 52. Das mancherorts als abbruchreif qualifizierte Gebäude ist nicht etwa ein Trümmerhaufen, auf dem bereits Gras wächst. Im Haus leben seit Jahren junge Menschen, die sich nun aktiv für den Erhalt des Gehöfts einsetzen wollen.

«Das Haus ist nicht abbruchreif»

«Wer ein Abbruchobjekt sehen will, der wird immer eins finden, speziell dann, wenn die Auftraggeber heiss darauf sind zu bauen», sagt Marco Jäggi. Er wohnt seit gut drei Jahren im alten Bauernhaus. Zusammen sind es drei Parteien, zwei davon Familien mit Kindern, die das alte Bauernhaus beleben. «Das Haus ist nicht abbruchreif.»

Marco Jäggi setzt sich zusammen mit dem Verein Hauptstrasse 52 für die Wiederbelebung des Zimmermann-Areals ein. Der Verein, gegründet von den Bewohnern des Areals, Freunden und Bekannten, bezweckt die Erhaltung, Verschönerung und Belebung des Areals. Hinter dem Bauernhaus, im Nordwesten des Areals haben sie unter einem alten Traktorunterstand eine Bühne gebaut. Zusammen mit den historischen Fassaden, welche das Areal begrenzen, ist ein stimmungsvoller Ort für Anlässe jeglicher Art entstanden. «Wir sind im Kontakt mit den Dorfvereinen, welchen wir das Areal für ihre Anlässe zur Verfügung stellen werden.» Bereits am Samstag findet ein Konzert statt. «Wir haben die Nachbarn informiert und eingeladen.»

Filetstück gekauft

Das Zimmermann-Areal hat eine bewegte Geschichte. Im Sommer 2011 beschloss die Gemeindeversammlung den Kauf für 1,3 Mio. Franken. Damals wurde der Bevölkerung der Kauf als eine Lösung für das Wohnen im Alter schmackhaft gemacht. Ein Projekt, verbunden mit der Zentrumsüberbauung, ging aber bachab. Zu forsch war das Vorgehen der Gemeinde unter dem früheren Gemeindepräsidenten Peter Siegenthaler, der das Areal «als Filetstück» bezeichnete. Der Kanton verlangte einen Gestaltungsplan für das Zimmermann-Areal. Sowieso sähe es der Kanton lieber, wenn das Bauernhaus erhalten bliebe. Zusammen mit der Kirche St. Mauritius vis-à-vis der Hauptstrasse bilde es ein im Wasseramt einzigartiges Ensemble und präge das Ortsbild.

Treffpunkt für viele

Der Sozialpädagoge Jäggi hat mit dem Bauernhaus ganz andere Pläne. Projekte wie ein Schülermittagstisch, Werkspielplatz oder ein Kindertageshort seien bereits angedacht und in Planung. Es gehe bei diesem Projekt nicht nur um diese Bühne und das Zimmermannareal. «Es geht auch um eine Gemeinde, welche jetzt vier Jahre von Leuten für ihre Zwecke missbraucht wurde, und es geht darum, wie eine hoch verschuldete Gemeinde mit ihren Ressourcen umgeht.» Er verstehe beispielsweise nicht, weshalb für dieses Areal keine seriöse gesetzeskonforme Planung durchgeführt worden sei.

Ein Augenschein in der Liegenschaft zeigt viele bauliche Unzulänglichkeiten, aber auch das Bemühen der Bewohner. Im Moment sind 6 von 11 Zimmern bewohnbar. «Als ich hier einzog, waren 2 von 11 Zimmern bewohnbar», berichtet Jäggi. Die Gemeinde lasse das Haus verlottern. «Auf dem Dach gab es einen Sturmschaden, den die Gemeinde bei der Versicherung hätte anmelden können. Nichts geschah.» Die Bewohner des Hauses hätten einige tausend Franken und viel Zeit investiert, obwohl sie keinen Mietvertrag mit der Gemeinde haben und jederzeit eine Kündigung droht. Immerhin müssten sie nur einen geringen Mietzins bezahlen. «Das Areal bietet neben leerstehenden 5 Zimmern, welche mit minimalem Aufwand nutzbar gemacht werden könnten, grosse Lagerräume, welche umgenutzt werden könnten», wirbt Marco Jäggi.

Ein anderes Wertesystem

Er habe sich bisher kaum um Politik gekümmert, sagt der Haltener Marco Jäggi. Aber: «Es geht darum, dass ich solche Geschichten, wie sie sich hier in Kriegstetten abgespielt haben, normalerweise von meinen russischen Freunden in Sankt Petersburg erzählt bekomme. Dass solche Sachen in meiner Gemeinde passieren, kann ich nicht akzeptieren», erklärt er sein Engagement. Was in den letzten Jahren in Kriegstetten abgelaufen sei, entspreche einem anderen Wertesystem als dem seinem.

Vor dem Bauernhaus ziert ein alter Bauerngarten das Areal. «Wir haben diesen vom Unkraut befreit, neu gestaltet und bepflanzt.» Erste Blumen sind zu sehen.

Konzert mit Evelinn Trouble, Sa. 25. Mai, 22 Uhr, Hauptstrasse 52, Kriegstetten.