Deitingen

Sie schliessen eine Lücke im Kita-Angebot Wasseramt Ost

Die Geschäftsleiterinnen Corinne Welzenbach-Egger (l.) und Fabienne Burgy stellen in ihrer Kita die Interessen der Kinder in den Mittelpunkt.

Die Geschäftsleiterinnen Corinne Welzenbach-Egger (l.) und Fabienne Burgy stellen in ihrer Kita die Interessen der Kinder in den Mittelpunkt.

Diese Woche startete in der neuen Deitinger Kindertagesstätte «Kitapunkt» der Regelbetrieb. «Wir hegten seit langem den Wunsch, eine eigene Kita zu eröffnen», meinen die beiden Geschäftsleiterinnen Corinne Welzenbach-Egger und Fabienne Burgy.

Hell ist es in der neuen Kita. Viele Fenster und ausgewählte, farbige Wände lassen die Räume freundlich wirken. Alles steht für die Kinder bereit – sogar der Teddybär in der Wiege für die Kleinsten. Die runden Gucklöcher laden dazu ein, in die anderen Räume zu «güggslen». «Nach vielen Stunden Arbeit sind wir bereit», sagen die Geschäftsleiterinnen, die pädagogische Leiterin Fabienne Burgy und die administrative Leiterin Corinne Welzenbach-Egger.

Auf die Frage, wie sie auf die Idee einer eigenen Kindertagesstätte gekommen seien, sagt Fabienne Burgy: «Eine gemeinsame Freundin von uns wusste, dass wir beide seit langem den Wunsch hegen, eine eigene Kita zu eröffnen.» Nach einem gemeinsamen Telefonat Mitte Januar 2013 sei dann sofort klar gewesen, dass die beiden Frauen zusammenspannen wollen.

Ein Bedürfnis in der Region

Für beide sei es ein Bedürfnis gewesen, in Deitingen eine Kindertagesstätte aufzubauen. «Fabienne Burgy ist in Deitingen aufgewachsen, und ich wohne seit längerer Zeit hier und fühle mich sehr wohl. Ausserdem haben wir beide hier unser Netz, von dem wir wissen, dass ein Bedürfnis für Fremdbetreuung vorherrscht», sagt Corinne Welzenbach-Egger. Die ausgebildete Marketingplanerin, die selbst auch Mutter ist, übernimmt in der «Kitapunkt» die administrativen Aufgaben. Fabienne Burgy nimmt sich der pädagogischen Leitung der Tagestätte an. Sie verfügt über eine Ausbildung als Kindererzieherin HF und ist diplomierte Kleinkindererzieherin mit breiter Berufserfahrung.

Den ersten Schritt, den sie anschliessend getätigt hätten, sei eine Bedarfsabklärung für Deitingen gewesen. Dabei sei herausgekommen, dass in der Region Wasseramt Ost tatsächlich eine Lücke in der Fremdbetreuung vorherrsche. «Ich war selbst eine Zeit lang alleinerziehende Mutter und weiss um dieses fehlende Angebot in der Region. Ohne meine Eltern, die mein Kind betreuten, hätte ich meinen Beruf in dieser Form nicht ausüben können», gibt Corinne Welzenbach-Egger zu bedenken.

Räumlichkeiten als grosses Los

Anschliessend sei man ziemlich schnell auf die passenden Räumlichkeiten gestossen. Ein Bekannter habe das Bauernhaus an der Baschistrasse gekauft, und als Fabienne Burgy ihm die Idee einer Kita unterbreitete, habe er sich sofort dafür begeistern können. «Anschliessend haben wir uns mit einem Architekten zusammengesetzt. Wir konnten jeden Raum so gestalten, dass wir unser pädagogisches Konzept bestmöglich umsetzen können», erläutert die Kindererzieherin. «Das war ein Riesen-Los», sind sich die beiden einig.

Kinder dort abholen, wo sie stehen

In der Kindertagesstätte werden zwölf Kinder im Alter von drei Monaten bis sechs Jahren betreut; von sieben Uhr morgens bis halb sieben Uhr abends. Mindest-Präsenz für ein Kind ist dabei 20 Prozent, also beispielsweise ein ganzer Tag. Nach einem fundierten Eintrittsgespräch wird das Kind langsam an die Trennung von seiner Bezugsperson gewöhnt. «Es ist wichtig, dass das Kind eine tragfähige Beziehung zur Bezugserzieherin aufbauen kann. Denn diese ist die Grundlage für gelingende Bildungsprozesse in der Kita und ein gesunder Start des Kindes in seinen neuen Lebensabschnitt», sagt Fabienne Burgy. Die Geschäftsleiterinnen werden sich in ihrer Arbeit mit den Kindern am Infans-Konzept von Hans-Joachim Laewen und Beate Andres orientieren.

Dabei wird jedes Kind dort «abgeholt», wo es in seiner individuellen Entwicklung gerade steht. «Das Infans-Konzept geht mehr vom Kind selbst aus als andere Betreuungsleitsätze. Es ist eine ressourcenorientierte Haltung, dass Kinder ihren eigenen Interessen nachgehen können.» Burgy spricht aus Erfahrung: Sie war an einem zweijährigen Pilot-Projekt mit Fokus auf dieses Konzept beteiligt.

Infans widerspiegelt sich auch in den Bildungsinseln, die in der «Kitapunkt» gestaltet wurden. «Unter anderem gibt es einen Bewegungsraum, ein Atelier, eine Bau- und Konstruktionsecke und eine Schreib- und Zahlenwerkstatt.» Dank den Bildungsinseln können die Kinder ihren individuellen Interessen nachgehen. Durch Beobachtungen des Freispiels sollen auf das Kind zugeschnittene Angebote geschaffen werden. «Wir sind die einzige Kita in der Region, die mit dem Infans-Konzept arbeitet.»

In Zukunft mehr Angestellte

Momentan beschäftigt die «Kitapunkt» neben Fabienne Burgy eine weitere Kleinkinderzieherin. Ziel ist es, bald weitere pädagogisch ausgebildete Fachpersonen anzustellen. «Wir haben Potenzial gegen oben und hätten Platz für 24 Kinder.» Diese Optionen halte man sich bewusst offen; zuerst müsse der Alltag in die «Kitapunkt» einkehren. Klar sei aber, dass ab Herbst auch ein Mittagstisch angeboten wird. Dieser richtet sich an alle Schulkinder.

Ausserdem sind die beiden Kitapunkt-Leiterinnen bestrebt, mit der Gemeinde Deitingen in Verbindung zu bleiben, um künftig auch Plätze mit einkommensabhängigem Tarif anbieten zu können. Eine Subjektfinanzierung mit Betreuungsgutscheinen wäre eine mögliche Form der Unterstützung, dabei geht die Vergütung der Gemeinde direkt an die anspruchsberechtigten Eltern. Auf diese Weise würde eine Chancengleichheit für alle, die auf eine Fremdbetreuung ihrer Kinder angewiesen sind, entstehen.

Am Samstag, 9. August, stehen die Türen der «Kitapunkt» für alle Interessierten offen.

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