Amtsgericht
Serbe und Albaner werden für Diebestour zu 3 und 2 Jahren Gefängnis verurteilt

Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt hat zwei Männer wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls zu Freiheitsstrafen von dreieinhalb bzw. zwei Jahren verurteilt. Der Serbe und der Albaner begangen die Taten in den Kantonen Bern und Solothurn.

Hans Peter Schläfli
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Ein Berufseinbrecher und sein Komplize mussten sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verantworten.om

Ein Berufseinbrecher und sein Komplize mussten sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verantworten.om

zvg

«Leute wie die beiden Angeklagten bringen mit ihrem kriminellen Verhalten eine ganze Bevölkerungsgruppe in Verruf», sagte Staatsanwältin Claudia Scartazzini am Mittwoch in ihrem Plädoyer vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt.

Obwohl nicht wirklich strafrechtlich relevant, brachte sie damit den Prozess gegen Eldrin H.*, 41-jähriger serbischer Staatsbürger aus dem albanischen Kulturkreis, und den 34-jährigen Albaner Elvjer X.* auf den Punkt.

Die beiden Einbrecher wurden am 30. April 2013 in flagranti von der Polizei verhaftet, als sie dabei waren, das Bieler Restaurant Monbijou auszuräumen.

Auch in Altersheim eingebrochen

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Sechs Einbrüche standen auf der Anklageschrift, wobei es durchaus plausibel erscheint, dass es noch einige mehr sein könnten. Eldrin H. bestritt nur, am Einbruch in die Biberister Geschäftsräume der Roth Gerüste AG vom 17. März 2013 beteiligt gewesen zu sein. «Das Nullachtfünfzehn-Schuhprofil, das die Polizei fand, ist kein Beweis, weil es ein weitverbreiteter Turnschuh ist.

Und auch der geortete Handystandort ist nur ein schwaches Indiz. Das genügt nicht, um meinem Mandanten diesen Einbruch nachzuweisen», sagte Rechtsanwalt Rolf Rätz und verlangte in diesem Punkt einen Freispruch nach dem Motto, «im Zweifel für den Angeklagten». In diesem Punkt folgte das Gericht dem Antrag des Verteidigers.

Die Einbrüche beim «Brezelkönig» in Thun vom 23. April und die beiden Biberister Einbrüche in der Nacht vom 28. auf den 29. April ins «Pralino» und ins Altersheim «Läbesgarte» gaben die beiden Männer zu, ebenso, dass sie kurz bevor sie erwischt wurden, in Biel auch noch ins Restaurant Treff eingedrungen waren.

Dass mindestens beim Beutezug durch Biel noch ein dritter Mann beteiligt gewesen sein musste, war offensichtlich. Diesem dritten Mann gehörte nämlich das bei den Einbrüchen genutzte Auto. Der war als Zeuge vorgeladen, erschien jedoch nicht und dürfte einen Strafbefehl erhalten. Rechtsanwalt Rätz forderte für Eldrin H. auch einen Freispruch wegen der Anklage des Fahrens ohne Führerausweis: «Sie hatten einen Chauffeur, und es ist nicht schwierig zu erraten, wer das wohl gewesen sein könnte. Sie hatten keinen Schlüssel, aber das Fluchtauto war verschlossen und das Diebesgut war bereits drin verstaut.» Auch hier folgte das Gericht den Argumenten des Verteidigers und sprach Eldin H. frei.

Illegal in der Schweiz

Es blieb aber noch genug «Substanz», um die beiden Freunde wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs zu verurteilen. Beim seriell einschlägig vorbestraften Eldrin H. kam noch der rechtswidrige Aufenthalt in der Schweiz dazu.

Am 15. August 2012 letztmals aus der Haft entlassen, wurde er nach Serbien ausgeschafft und mit einem Einreiseverbot belegt, obwohl er hier Vater zweier Kinder ist. Doch er beschaffte sich in Serbien eine zweite Identität und kehrte mit neuem Namen zurück, um sofort wieder zu stehlen. «Der andere Pass ist nicht gefälscht, der ist echt. Ich habe den Pass nicht auf der Strasse gekauft, der wurde vom serbischen Konsulat ausgestellt», erklärte er. Das sei in Serbien ganz normal.

Aus den alten Verurteilungen war noch eine bedingte Reststrafe von mehr als eineinhalb Jahren hängig. Die Staatsanwältin forderte für den Berufsverbrecher deshalb eine Gesamtstrafe von fünf Jahren. Das Gericht verurteilte Eldrin H. schliesslich zu dreieinhalb Jahren Gefängnis.

Auch der in der Schweiz nicht vorbestrafte Komplize Elvjer X., der als Kriminaltourist im Wasseramt wirkte, hatte von einer interessanten Lebensgeschichte zu erzählen. Er sei in Serbien drei Jahre ins Gefängnis gesteckt worden, weil er sich im Balkankrieg als Widerstandskämpfer für die Rechte der albanischen Minderheit eingesetzt hatte.

Elvjer X. bat deshalb, nicht an Serbien ausgeliefert zu werden, sondern in den Kosovo ausreisen zu dürfen. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und verfügte, dass er aus dem vorzeitigen Vollzug entlassen wird.

Der noch nicht verbüsste Rest der Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. «Das Migrationsamt wird entscheiden, ob er in den Kosovo oder nach Serbien ausgeschafft wird», erklärte Gerichtspräsident Ueli Kölliker bei der Urteilsverkündung.

Namen von der Redaktion geändert.