Gemeinderat
Selzach hat den Bettlachern in die Suppe gespuckt

Der Spitex-Verein Bettlach und der Zweckverband Alters- und Pflegeheim Baumgarten spannen enger zusammen – aber nicht so eng, wie einst beabsichtigt.

Oliver Menge
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Das Alters- und Pflegeheim Baumgarten wird künftig auch Sitz des Spitex-Vereins Bettlach, der dort Räume mietet.

Das Alters- und Pflegeheim Baumgarten wird künftig auch Sitz des Spitex-Vereins Bettlach, der dort Räume mietet.

Oliver Menge

Der Bettlacher Gemeinderat stimmte an seiner letzten Sitzung einem Konzept zur vertieften Zusammenarbeit zwischen dem Spitex-Verein Bettlach und dem Zweckverband Alters- und Pflegeheim Baumgarten mit 9 Ja bei einer Enthaltung zu. Der Spitex-Verein zieht um ins Alters- und Pflegeheim, bleibt aber eigenständig und wird nicht in den Zweckverband integriert wie ursprünglich vorgesehen.

Eigentlich wäre alles aufgegleist gewesen: Schon Ende 2012 hatte man die Idee zu Papier gebracht, die Zusammenarbeit zwischen dem Spitex-Verein Bettlach und dem Zweckverband Baumgarten zu vertiefen. Vorstand und Delegierte des Zweckverbands und der Vorstand des Spitex-Vereins Bettlach stimmten dem Grobkonzept einstimmig zu. Dieses sah vor, den Spitex-Verein Bettlach, der eigentlich zu klein ist, um selbstständig zu funktionieren, unter die Leitung des Zweckverbands zu stellen und im Baumgarten zu integrieren. Grundsätzlich ging es darum, für Bettlach die hohe Qualität der Pflege von älteren Menschen in ihren eigenen vier Wänden durch eine Spitex vor Ort auch in Zukunft sicherzustellen. Anfang 2013 wurde diese Absicht vom Gemeinderat einstimmig gutgeheissen. Der Gemeinderat von Selzach wurde über das Grobkonzept informiert, da ja das Alters- und Pflegeheim Baumgarten beiden Gemeinden gehört.

Nachdem von den Selzachern Bedenken geäussert wurden, es würden hier Quersubventionierungen vorgenommen, die nicht im Interesse Selzachs seien, informierten die Projektleiter den Selzacher Gemeinderat in einem Brief darüber, dass für Selzach keinerlei Kosten und auch keine Haftung entstehen. Das neue Konzept wurde weiter ausgearbeitet, Arbeitsgruppen erstellten Pflichtenhefte und Stellenbeschriebe, alles ging den geordneten Weg.

Selzach reichte Beschwerde ein

Im Juli 2014 kam dicke Post aus Selzach: Gemeindepräsidentin Silvia Spycher war der Meinung, das Vorhaben entspreche nicht den Statuten des Zweckverbands. Wenn dieser Spitex-Dienstleistungen anbieten wolle, benötige er eine entsprechende Betriebsbewilligung. Vorsorglich reichte sie eine Aufsichtsbeschwerde ein, die sie allerdings kurz danach wieder zurückzog. Die Initianten mussten feststellen, dass tatsächlich nicht alles statutenkonform war. Ein Brief an Selzach mit einer entsprechenden Erklärung und der Absicht, alles nochmals zu überprüfen, hatte sich aber mit deren Aufsichtsbeschwerde gekreuzt.

Nun stellte Lotty Sannwald, die Präsidentin des Spitex-Vereins Bettlach, dem Gemeinderat am Dienstag das neue Konzept vor, das vorsieht, die neue Struktur mit zwei rechtlich unabhängigen Institutionen zu bilden, die lediglich durch einen Zusammenarbeitsvertrag aneinandergebunden sind.

Diverse Voten im Bettlacher Gemeinderat liessen darauf schliessen, dass es bei den Einwänden Selzachs im Grunde nur darum ging, dass man Bettlach in den Spitex-Verband Aare Nord zwingen möchte, von dem auch Selzach seine Spitex-Leistungen bezieht. Für Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut war allerdings klar, dass man in Bettlach keine Lösung möchte, bei der Pflegenfachleute von weit her anreisen müssten und Pflegebedürftige immer wieder von anderen Fachpersonen gepflegt würden. «Es wäre für mich ein Graus, wenn ich mir vorstellen müsste, innerhalb einer Woche von 10 verschiedenen Leuten angefasst und an den intimsten Stellen gepflegt zu werden. Wir wollen das nicht für unsere Bettlacherinnen und Bettlacher, sondern auch weiterhin die hohe Qualität in der Pflege vor Ort durch Fachleute vor Ort, die unser Spitex-Verein bisher erbracht hat.» Bezüglich der Statutenkonformität wurde auch erwähnt, dass Selzach keine Einwände gegen eine Demenz-Aussenwohngruppe in Selzach gehabt habe, obwohl auch diese nicht den Statuten entspreche.

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