Ferienpass Langendorf
Selbsthilfe statt Hilflosigkeit ist angesagt

Beim «Ferienpass» lernen die Kinder, wie sie mit alltäglichen Verletzungen umgehen sollen und wie eine Fernsehzeitschrift vorübergehend als Armschiene dienen kann.

Philipp Eng
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Die Kinder dürfen sich gegenseitig «verarzten».

Die Kinder dürfen sich gegenseitig «verarzten».

Philipp Eng

Mehr als 60 Prozent aller Unfälle ereignen sich zu Hause oder in der Freizeit, wie eine Statistik des Verbands «Sicher Leben» aufzeigt. Daher ist es umso wichtiger, dass bereits die Jüngsten in der Gesellschaft den Umgang mit Unfällen und Verletzungen lernen. Dies hat sich das Freizeitprogramm «Ferienpass Langendorf» dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem Samariterverein Langendorf zum Ziel genommen.

Unfälle ereignen sich schneller als man denkt, bei neugierigen und unerfahrenen Kindern noch viel eher. Peter Mrotzeks Aufgabe war es, die 12 Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren über diese Dinge aufzuklären und zu informieren: Den Kindern wird ein Basiswissen an Humanbiologie vermittelt, das teilweise bereits in beeindruckendem Masse vorhanden ist.

Den Mädchen und Knaben wird die richtige Wahl der Arznei und die gekonnte Anwendung der angemessenen Verarztungsmethode bei häufigen Verletzungsmöglichkeiten nähergebracht.

Das Interesse ist gross

Jedes Thema wird praktisch vorgeführt und anschliessend auch mit einem Partner gegenseitig geübt. Mrotzek spricht häufige Unfälle an und lernt den Kindern, die verschiedenen Verletzungen mit haushaltsgebräuchlichen Gegenständen und simpler Arznei, Pflastern und Gazen zu verarzten.

Somit werden die Kinder einerseits auf die lauernden Gefahren aufmerksam gemacht, andererseits lernen sie aber auch, wie man mit einfachen Mitteln sich selbst oder anderen sehr wirkungsvoll helfen kann. So kann zum Beispiel eine Fernsehzeitschrift als provisorische Armschiene eingesetzt werden, um die Zeit zu überbrücken, bis ein Arzt konsultiert werden kann.

Im theoretischen Teil wurden auch biologische Aspekte thematisiert. Die Kinder lernen viel über den eigenen Körper und wie man auf gewisse Probleme zu reagieren hat. «Dabei ist ein grosses Interesse bei den Kindern zu spüren, die gut überlegte Fragen stellen und viel Neues erfahren wollen», meint Mrotzek.

Auf spielerischem und entdeckerischem Weg wird den Kindern wertvolles Wissen vermittelt. Sie werden auf die Risiken aufmerksam gemacht und für häufige Unfälle sensibilisiert. Die Kinder erfahren, wie sie sich in einem solchen Fall zu verhalten haben. Dadurch wird auch die Angst vor einem Unfall abgebaut. Das Gruppenklima scheint ausgezeichnet und die Kinder wirken motiviert.

So hat eine Schülerin sogar gefragt, ob sie den erfolgreich angebrachten Druckverband den ganzen Tag an ihrem Arm lassen könne. Wenn mit Enthusiasmus und Spass gelernt wird, trägt ein solcher Kurs meistens auch Früchte. Vielleicht kann der Verband «Sicher Leben» somit sogar schon bald seine Statistik nach unten korrigieren.