Vor nicht allzu langer Zeit im Leewald in Oberdorf: Das letzte Treffen der Waldmeisterli in jenem Jahr ist soeben Geschichte, als ein Kind, welches bereits den Heimweg angetreten hat, sich nochmals an der Waldstelle einfindet, um sich mit der innigen Umarmung eines Baumes vom Wald zu verabschieden. «Das sind die Momente, bei denen es einem kalt den Rücken runter läuft», sagt Lisa Kölliker, Naturpädagogin und neben Ursula Bichsel eine der beiden verantwortlichen Leiterinnen der Waldmeisterli Oberdorf. Solche sinnlichen Erlebnisse seien kennzeichnend für die Waldspielgruppe, in der bei den Kindern die Freude am Umgang mit der Natur geweckt werden soll.

Die Natur lieben lernen

«Wir möchten den Kindern die Augen öffnen und sie für die kleinen Wunder der Natur sensibilisieren», erklärt Kölliker. Die Ehrfurcht und Achtung vor der Natur werde dadurch gezielt gefördert, dass man Zeit zu schauen, beobachten und staunen habe. «Die Kinder spüren, wie sich durch die Äste durchleuchtende Sonnenstrahlen auf der Haut anfühlen, wenn sie am Boden liegen und die Augen schliessen.» Es sei ein anderes Spüren, welches ausgeprägt werde, wenn man die Waldspielgruppe besuche.

Auch in diesem Jahr erhalten die Kinder im Rahmen des 10. Schnuppertags die Gelegenheit, erste Erfahrungen mit dem Lebensraum Wald zu machen. Das primäre Ziel sei dabei, den Platz ungezwungen mit den Eltern kennen zu lernen. «Die Kinder sollen mit dem Ort vertraut werden, was bei einem Wald unabdingbar ist, da es sich um einen weiten offenen Raum, ohne Wände und Türe handelt», so Kölliker.

Anhand verschiedener Posten wie Klettern, Schminken mit den zarten Blättern des Waldes oder Waldmemory wird den Kindern und deren Eltern während dreier Stunden das breite Spektrum an Aktivitäten aufgezeigt, die während des ganzen Jahres in der Waldspielgruppe gepflegt werden. Das regnerische Wetter stellt sich keinesfalls als Spielverderber heraus. Im Gegenteil. Die gehobene Stimmung bei den angehenden Waldmeisterli vermittelt den Eindruck, als ob sie bereits seit eh und je der Natur frönen würden, was unbestritten ein Indiz für das Engagement ist, welches die fünf Waldfrauen Woche für Woche an den Tag legen.

Ergänzendes System

Zu Gründungszeiten gab es bereits eine Dorfspielgruppe. Da man diese nicht konkurrenzieren wollte, verzichtete man auf das Anschreiben der Haushalte mit Kindern, und beschränkte sich auf das Werben via Zeitung. Das Ziel war, dass die Kinder nach wie vor hauptsächlich die Indoor-Spielgruppe frequentierten und die Waldspielgruppe nebenbei als Zusatzangebot nutzen konnten. Seit der Inbetriebnahme ist die Finanzierung der Spielgruppe, welche nicht subventioniert wird, kein einfaches Unterfangen. Die Grundausrüstung wurde zu Beginn durch private Sponsoren abgedeckt. Die meisten Kosten, die anfallen, werden jedoch durch die Elternbeiträge gedeckt. «Der Jahresbeitrag ist höher als bei anderen Spielgruppen, weil wir naturpädagogisch ausgebildet sind, zu dritt die Kinder betreuen und ein Waldhalbtag auch eine halbe Stunde länger dauert, was entsprechende Kosten verursacht», erklärt Kölliker.

Rückblickend auf die letzten 9 Jahre bleibt Lisa Kölliker nur ein negatives und zugleich tristes Ereignis in Erinnerung: die Zerstörung des Waldsofas im Jahr 2008. Der Vandalenakt animierte viele Leute, ihre Solidarität zu bekunden, indem sie beispielsweise am raschen Neubau des Waldsofas beteiligt waren.