Inkwilersee
Sediment wird mit schwimmendem Staubsauger entfernt

Bis Ende November soll mit einem Spezialbagger Sediment aus dem Inkwilersee abgesaugt werden. 2400 Kubikmeter sollen insgesamt weichen. Mit dem Prozedere soll die Verlandung des Sees verlangsamt werden.

Rahel Meier
Drucken
Teilen
Vorbereitungen fürs Absaugen von Sediment im Inkwilersee
15 Bilder
Daniel Schrag (Amt für Umwelt, Kanton Solothurn) geht auf das Sanierungskonzept für den Inkwilersee ein
Tobias Juchler (Aquamarine Technologies) erklärte detailliert, wie das Absaugen funktioniert
Tobias Juchler
Verschiedenste Ämter und Fachstellen sind involviert
Tobias Juchler erklärt detailliert, wie das Absaugen funktioniert
Martin Huber (BSB, Biberist) hat die Bauleitung inne
Im grün gekennzeichneten Uferbereich wird Sediment abgesaugt
Dieser Sauger wird über den Seeboden gleiten.
Tobias Juchler zeigt die Spezialsäcke in denen das Sediment trocknet
Noch liegt der Saugbagger auf dem Lastwagen
Die Rettungsringe beweisen es, der Bagger kann schwimmen
So sieht der Bagger aus, wenn er auf dem See schwimmt
Erste Vorbereitungen sind bereits getan
Der Technikraum durch den die Leitungen und Rohre durchgehen

Vorbereitungen fürs Absaugen von Sediment im Inkwilersee

Rahel Meier

Noch liegt der Saugbagger auf dem Lastwagen, der auf dem Parkplatz beim Inkwilersee steht. Bis Ende Woche sollte das Gerät mit einem Kran in den See gehievt werden. Eine spezialisierte Firma wird dann Sediment vom Seeboden absaugen. Damit soll die Verlandung des Inkwilersees verlangsamt werden. «Der See verlandet 30 bis 40 Mal schneller, als es normal wäre», erklärte Daniel Schrag (Amt für Umwelt) am Mittwochabend an einer Informationsveranstaltung für alle Interessierten.

Viele sind in die Sanierung involviert. Einerseits die beiden Kantone Solothurn und Bern, dann die Gemeinden Bolken und Inkwil. Die Amtsstellen beider Kantone und auch die Fischerei- und Vogelschutzvereine.

Ziele und Massnahmen definiert

Daniel Schrag beschäftigt sich selbst auch schon seit zehn Jahren mit der Sanierung des Sees. «In dieser Zeit haben wir unter anderem die Teichmuscheln umgesiedelt, der See ist zweimal gekippt und es gab jedes Mal ein Fischsterben.» Weiter haben Archäologen im See getaucht und auch an den Ufern nach Überresten aus der Steinzeit gesucht.

Der Inkwilersee ist Unesco-Weltkulturerbe. Der See ist zudem im solothurnischen Teil als Naturreservat ausgeschieden und ein kantonal bedeutender Lebensraum für Libellen, und auch die Rohr- und die Zwergdommel brüten an seinen Ufern. Es erstaunt nicht, dass es viele Diskussionen und Kompromisse brauchte, bis ein Konzept zur Sanierung erarbeitet war.

Das Konzept umfasst 55 Seiten und listet die Ziele und die Massnahmen auf, die es braucht, um den Inkwilersee zu sanieren. Das Sanierungsziel ist wie folgt definiert: Die Verlandungsrate soll minimiert und damit die Lebensdauer des Inkwilersees maximiert werden. Zudem sollen die standortheimische Flora und Fauna mit ihren besonders schützenswerten Arten erhalten und gefördert werden.

Schonendes Absaugen

Drei Hauptmassnahmen tragen zur Sanierung des Inkwilersees bei. Die auffälligste und teuerste ist das Absaugen von Seesedimenten. 2400 Kubikmeter Sediment sollen bis Ende November versuchsweise aus dem See entfernt werden. Dies geschieht mit einem Saugbagger, der auf dem See schwimmt und mithilfe einer Baggerpumpe Seewasser und Sedimente absaugt und durch Druckleitungen in grosse wasserdurchlässige Säcke befördert. Diese liegen bereits am Nordufer des Sees bereit. Der Schlamm wird in den Säcken festgehalten, während das Wasser in den See zurückfliesst. Der Schlamm wird in den Säcken getrocknet und voraussichtlich im nächsten Frühling abtransportiert und zur Bodenverbesserung auf Landwirtschaftsland ausgebracht. Ist der Versuch erfolgreich, wird in zwei Jahren nochmals Sediment abgesaugt.

Die Arbeiten gestalten sich nicht ganz einfach, wie Martin Huber (Bauleitung, BSB Biberist) erklärte. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass es rund um den See fragile Torfböden gibt und viele der Flächen extensiv bewirtschaftet werden. Markus Zeh (Amt für Wasser und Abfall, Kanton Bern) machte deutlich, dass die kurzfristigen Folgen für den See während der Saugarbeiten weniger schlimm seien, als die Verlandung weiter fortschreiten zu lassen.

Tobias Juchler (Aquamarine Technologies) erklärte detailliert, wie das Absaugen funktioniert (siehe Video). Seine Firma sei spezialisiert auf dieses Verfahren und sauge Sedimente sowohl in Kleinstgewässern als auch in grossen Seen aus. «Für uns ist das Routine.»

Aktuelle Nachrichten