Gemeinderatswahlen
Sechs Parteien und Gruppierungen kämpfen in Kriegstetten um fünf Sitze

Der fünfköpfige Kriegstetter Gemeinderat hatte in den letzten vier Jahren eine turbulente Zeit durchlebt. Nichts ist mehr, wie es war, nachdem die SVP in den Gemeinderat einzog.

Urs Byland
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In Kriegstetten kämpfen 6 Parteien um 5 Sitze. (Symbolbild)

In Kriegstetten kämpfen 6 Parteien um 5 Sitze. (Symbolbild)

Keystone

Inzwischen steht der SVP-Gemeinderat Manfred Küng als 1. Vizegemeindepräsident an der Spitze der Gemeinde. Er vertritt den aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Peter Siegenthaler (FDP). Siegenthaler wiederum war Nachfolger des ursprünglich gewählten Gemeindepräsidenten Hans Ernst (CVP). Auslöser für den Rücktritt von Ernst fünf Monate nach dessen Wahl war eine Beschwerde von dessen Widersacher im Kampf ums Gemeindepräsidium – Manfred Küng. Zur Gemeinderatswahl treten neben den vier bisherigen Parteien noch die IG Kriegstetten und Junges Kriegstetten an.

CVP tritt mit einer Dreierliste an

«Wahrscheinlich werden die vier grossen Parteien je einen Sitz machen und sich mit den neuen Parteien um den fünften Sitz streiten», sagt Hans Ernst, aktuell Ortsparteipräsident der CVP. Es sei nicht einfach gewesen, Interessierte für die CVP-Liste zu gewinnen. «Die Personen, die konstruktiv politisieren wollen, reissen sich nicht um die Plätze», so Ernst und spricht damit die politischen Verhältnisse der letzten Jahre in Kriegstetten an. Aber mit der neuen Legislatur habe er Hoffnungen wecken können. Die CVP tritt mit einer Dreierliste an. Was die Partei starkmache, seien ihre Strukturen und die wenigen Wechsel. Und wenn die Partei in der vergangenen Legislatur auch nicht mehr das politische Gewicht hatte wie zuvor, «haben wir uns politisch immer wieder geäussert». In der Frage des Gemeindepräsidiums hält sich Ernst zurück. «Wir warten die Resultate ab.»

Eine Listenverbindung eingegangen sind die CVP und das erstmals antretende Junges Kriegstetten, wo Hans Ernsts Sohn Daniel politisiert. «Wir sind keine Partei, sondern eher eine Interessengruppierung», sagt der 26-Jährige. Er und seine beiden Kollegen würden die Jugend von Kriegstetten vertreten. Er rechne sich gute Chancen aus. «Wir sind verankert in der Gemeinde.» Junges Kriegstetten trete für eine konstruktive Sachpolitik ein.

Die «Akademikerpartei»

Als Gemeindepräsident kandidieren wird Manfred Küng, der Präsident und Gemeinderat der SVP. Zusammen mit seinem Kollegen, dem Staatsanwalt Friedrich Müller, bildet der Rechtsanwalt Küng die «Akademikerpartei», wie er spasseshalber anmerkt. In Bezug auf die Wahlen bleibt er realistisch. «Wir wollen den einen Sitz, den wir im fünfköpfigen Gemeinderat haben, verteidigen.» Als Verdienste der SVP bezeichnet Küng die Einführung der Gewerbegutscheine und eine transparentere Politik. «Wir haben es teils gegen absurde Widerstände geschafft, dass die Gemeinderatsprotokolle veröffentlicht werden.» Aufräumen will die SVP mit dem «Scherbenhaufen» beim Projekt «Wohnen im Alter».

SP & Grüne mit einem Kandidaten

Dieses Thema steht auch bei der SP & Grünen an erster Stelle. Den Sitz halten will Parteipräsident Han van der Kleij. Gemeinderat Mario Kunz, der vor vier Jahren viele Stimmen holen konnte, tritt nicht mehr an. Es sei ihm zeitlich zu viel geworden. «Und auch die Stimmung im Gemeinderat war nicht förderlich», so van der Kleij, «für ein nochmaliges Antreten von Kunz.» Nun steigt der kaum bekannte Grüne Zahid Butt für die SP & Grüne in den Wahlkampf. «Es wird schwierig mit nur einem Kandidaten auf der Fünferliste.» Ziele hat die Gruppierung aber einige. Neben dem Wohnen im Alter will SP & Grüne auch bei der Fusion mit Nachbargemeinden vorwärtsmachen.

FDP will weiterhin zwei Sitze

Anhin noch stärkste Partei in Kriegstetten ist mit zwei Gemeinderatssitzen die Freie Liste und FDP. FDP-Parteipräsidentin Ursula Müller will die zwei Sitze halten. Dafür kämpfen sie und drei weitere Kandidaten. Sie glaube an die Chance der Freien Liste und FDP, obwohl «ganz wild kandidiert» wird. «Wir haben uns bewährt und blieben trotz der Querelen in der Gemeinde, an denen wir uns nicht beteiligten, stabil.» Auch die Freie Liste und FDP trete für Sachpolitik, mehr Transparenz und verstärkte Kommunikation ein. Mit dem absehbaren Absprung der Cent AG, die der Gemeinde viele Steuergelder bescherte, rücke in ihrer Partei das Thema Ansiedlungen in der politischen Agenda nach vorne. «Wir müssen dafür sorgen, dass Kriegstetten nicht weitere Arbeitsplätze verliert. Sonst droht eine Erhöhung des Steuerfusses.» Nicht antreten will die FDP zur Gemeindepräsidentenwahl. «Nur eine Person hat das nötige Know-how für dieses Amt», sagt Müller, ohne konkret zu werden. Dass diese Person Küng heisst, ist aber kein Geheimnis.

«Wir sind keine politische Partei»

Eine Liste eingereicht hat die Interessengemeinschaft Kriegstetten (IGK). «Wir sind keine politische Partei», sagt SVP-Ersatzgemeinderätin Brigitte Palacios, der Kopf der neuen Gruppierung. «Wir wollen das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen. Diese muss wieder in die Dorfpolitik eingebunden sein. Der neue Gemeinderat muss Sachpolitik betreiben.» Deshalb sei sie aktiv
geworden, habe die IGK gegründet und innert einer Woche vier Mitstreiter gefunden. Ihre Ziele könne sie nicht in der SVP erreichen. «Das ist eben eine politische Partei. Es gibt aber viele Leute im Dorf, die sich nicht einer Partei zugehörig fühlen, aber mitreden wollen.» Das Dorf soll wieder eine Gemeinschaft werden. Daneben will die IGK das Wohnen im Alter abschliessen, «ob positiv oder negativ», und die Finanzen ins Lot bringen.

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